Die Botschaft des „Walter-Lübcke-Preises“

"Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz.
+
"Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz.

„Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz appelliert daran, zu handeln und nicht alles zu zerreden

Fulda. Blenden wir ein paar Tage zurück und befassen uns nochmal mit einem Ereignis, das auf mich eine beeindruckende Wirkung gehabt hat: Nämlich der erstmaligen Verleihung des „Walter-Lübcke-Preises“, den der heimische Bundestagsabgeordnete Michael Brand ausgelobt hat und der jährlich vergeben werden soll.

Zutiefst bemerkenswert war dabei für mich nicht nur das couragierte Auftreten der 22-jährigen Preisträgerin Marie Keßler aus Simmershausen, sondern die Feierstunde an sich. Ich habe selten einen Anlass erlebt, der zum einen von tiefem Ernst und Nachdenklichkeit geprägt war, zum anderen aber auch von einer gelassenen Heiterkeit. Eben so, wie der Namensgeber des Preises, der von einem Rechtsextremen ermordete Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke, gewesen ist. Dessen Sohn Christoph brachte es mit nur einem kurzen Wort auf den Punkt, nachdem Michael Brand erläutert hatte, warum Marie Keßler den Preis verdient habe: „Wow!“ Und er betonte weiter, sein Vater wäre stolz auf die junge Frau – und war sich ganz sicher, dass Walter Lübcke der Feierstunde „von oben“ zusieht. Eine Tatsache, an der keiner der Gäste irgendeinen Zweifel gehabt haben dürfte.

Umso unverständlicher sind für mich verschiedene Reaktionen, unter anderem im sozialen Netzwerk „Facebook“, wo Unverständnis darüber geäußert wurde, warum das mutige Einschreiten der 22-Jährigen mit einem Preis belohnt werde. Zur Erinnerung: Die junge Frau hatte in Hannover durch ihr couragiertes Eingreifen einem Mann wohl das Leben gerettet, der von mehreren Tätern zusammengeschlagen und schwer verletzt worden war. Bei „Facebook“ hieß es nun, ein solches Einschreiten sei doch selbstverständlich.

Nein, ist es eben nicht! Denn bei dem Geschehen in der niedersächsischen Landeshauptstadt war Marie Keßler auf sich allein gestellt, andere standen nur herum und schauten zu. So wie es leider sehr häufig der Fall ist. Die sympathische 22-Jährige, die sowohl für ihre Worte als auch für ihr bescheidenes Auftreten während der Preisverleihung mit stehendem Beifall bedacht wurde, fasste den Beweggrund für ihr Tun in drei einfachen Worten zusammen: „Ich musste handeln!“ Für größere Überlegungen blieb keine Zeit, denn sonst hätte es für den Betroffenen sehr übel enden können.

Fazit: Die Jury, der auch Familie Lübcke angehörte, hätte keine bessere Entscheidung treffen können, als die junge Simmershäuserin als Premieren-Preisträgerin auszuwählen. Und diejenigen, die selbst daran herummäkeln müssen, sollten in einer ähnlichen Situation erst einmal genau so mutig handeln.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Mit Maske, Abstand und Test – oder ohne alles?
Fulda

Mit Maske, Abstand und Test – oder ohne alles?

2G oder 3G: Welche Corona-Regelungen jetzt in Hessen gelten
Mit Maske, Abstand und Test – oder ohne alles?
Corona: Sollten Kinder geimpft werden?
Fulda

Corona: Sollten Kinder geimpft werden?

Nichts beschäftigt Familien aktuell wohl mehr als die Frage, ob ihre Kinder gegen Corona geimpft werden sollten. Um diese Frage zu klären, hatte „Fulda aktuell“ den …
Corona: Sollten Kinder geimpft werden?
Ein Mann der Technik:  IHK-Präsident Bernhard Juchheim im Redaktionsgespräch
Fulda

Ein Mann der Technik:  IHK-Präsident Bernhard Juchheim im Redaktionsgespräch

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit als Fuldaer IHK-Präsident sprachen wir mit Bernhard Juchheim, Geschäftsführer der JUMO.
Ein Mann der Technik:  IHK-Präsident Bernhard Juchheim im Redaktionsgespräch
"Das Beste, was Deutschland damals hatte"
Fulda

"Das Beste, was Deutschland damals hatte"

Rasdorf. MdB Michael Brand erinnert bei der Gedenkfeier der "Kyffhäuser- und Reservistenkameradschaft Grüsselbach" an den 20. Juli 1944.
"Das Beste, was Deutschland damals hatte"

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.