Im Dienst am Lesen

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Fulda. Nach 25 Jahren der Organisation der Reihe „Literatur im Stadtschloss“ hat Dr. Wolfgang Hamberger seine Aufgabe an Gerhard Möller weitergegeben

Fulda. Keiner hatte das Lob und die Standing Ovations mehr verdient als er: Dr. Wolfgang Hamberger, der als Initiator, Organisator und Inspirator der Reihe "Literatur im Stadtschloss" nach 25 Jahren das Zepter an Oberbürgermeister Gerhard Möller als seinen Nachfolger  weiterreichte. Auch wenn eine Ära zu Ende gegangen ist, steht gleichzeitig fest, dass es eine Fortsetzung der beliebten und renommierten Reihe geben wird, die der Förderung der Literatur und Lesekultur in Fulda gewidmet ist.

Alles hat seine Zeit

Die letzte Veranstaltung der diesjährigen Reihe mit einer Lesung des Priesters und Lyrikers Andreas Knapp beschloss Fuldas langjähriger Verwaltungschef mit einem "Wort in eigener Sache." "Die 25. Folge endet. Ich stehe heute mit dieser Veranstaltung zum letzten Mal hier", gab Hamberger sichtlich bewegt seinem überraschten Publikum bekannt. Jedes Geschehen unter dem Himmel habe seine bestimmte Zeit. In Kürze, so Hamberger, werde er das 84. Lebensjahr vollenden. Das bedeute aber nicht, dass "ich ´Literatur im Stadtschloss´ nicht mehr machen könnte oder wollte." Dennoch war es Wolfgang Hambergers offenkundiger Wunsch, einen Schlussakkord nach so langer, erfolgreicher Zeit setzen zu wollen. Die Lesungen seien für ihn eine "geschenkte Zeit" gewesen, die ihm viel Freude bereitet habe, bilanzierte er. Es sei gelungen, die Reihe gut und erfolgreich zu gestalten. Seine Zuhörer lobte Hamberger mit den Worten, "durch ihre Anteilnahme haben sie mir das immer wieder bestätigt."

Dienst am Lesen

Der "Dienst am Lesen" sei ihm in die Wiege gelegt worden. Diesen Auftrag habe er in die städtische Kulturarbeit einbringen wollen. "Ich danke dem Herrgott, dass er mir bis dato die geistige Regsamkeit geschenkt hat, das zu tun. Ich danke meinen Eltern für das religiös Geistliche, was mich ein Leben lang getragen hat. Ich danke auch meinen Amtsnachfolgern, dass sie den OB im Ruhestand haben aktiv sein lassen." Ohne die Entscheidung seiner Vorgänger, so bekannte Hamberger,  "würde ich heute nicht mehr hier stehen."  Sein Dank galt ferner den Sponsoren, der Sparkasse Fulda sowie dem Verlag Parzeller, vor allem aber "Ihnen, dem interessierten Publikum für Ihre Treue und Ihr Kommen." Alle 120 Lesungen waren durchschnittlich von rund 350 Zuhörerinnen und Zuhörern besucht worden. Das zeige, es war die richtige Initiative. In seinen umfassenden Dank band der bisherige Initiator der Reihe auch die Autoren "für die großartigen Lesungen", das Team des Stadtschlosses um Susanne Schreiber,  Valentina Wahl und Juliana Frey sowie die beiden tüchtigen Hausmeister Manfred Wehner und Martin Schmitt für ihr Engagement ein. Lob gab es ebenso für den Feuilleton-Teil der Fuldaer Zeitung für die gute und konstruktive Zusammenarbeit. "Damals, als ich die Reihe erfand, war es meine Absicht, etwas zu bewegen. Im Moment bin ich selbst ziemlich bewegt", gestand Wolfgang Hamberger freimütig ein und verband mit seinem offenen Wort die berechtigte Hoffnung, dass die Reihe weitergehen wird. Nun sei daher die Zeit von Oberbürgermeister Möller gekommen. Die Fuldaer könnten stolz über ihren "sehr belesenen Oberbürgermeister" sein, meinte sein Amtsvorgänger. Die größte Freude jedoch habe Möller ihm mit der Erfüllung seines größten Wunsches bereitet, die Organisation der Reihe "Literatur im Stadtschloss" für die Zukunft zu übernehmen. Seinem Publikum versprach Hamberger zum Schluss seiner Dankesworte: "Das Lesen, Reden und Schreiben ist für mich noch nicht zu Ende."

Alles ein Fest

Anknüpfend an die Äußerung des Schriftstellers Hanns-Josef Ortheil, in Fulda sei "alles ein Fest", meinte OB Möller, besser könne die Bedeutung des von Wolfgang Hamberger initiierten Veranstaltungszyklusses nicht beschrieben werden. Er habe mit 25 Folgen eine "unvergessliche Reihe" mit beeindruckender Literatur auf den Weg gebracht. Hambergers "beglückende Erfahrungen" seien Gottseidank in einem Buch festgehalten. Wenn man sich vom Beginn 1993 bis heute die Reihe von Schriftstellern und Dichtern vor Augen führe, die er in die Domstadt geholt habe, sei "alles, was Rang und Namen hat in der Literatur" in Fulda gewesen. Bekannte, wie die, die bekannt geworden sind, ja sogar Nobelpreisträger waren darunter. Mit unglaublichem Engagement sowie nie nachlassender Energie habe Wolfgang Hamberger die Ansprache der Autoren und die Werbung für Fulda betrieben - bis er mit seinem Bemühen Erfolg gehabt hatte. Bis eine Reihe zu einer besonderen Marke gediehen ist, brauche es Zeit, meinte Möller. Die Marke "Literatur im Stadtschloss" sei unauslöschlich mit Hambergers Namen verbunden. "Deshalb möchte ich Ihnen im Namen der Bürgerschaft herzlich Dank sagen für etwas, was sie in ihrer aktiven Dienstzeit begonnen haben. Für mich ist es unfassbar, wie sie es auf den Weg haben bringen können. Bemerkenswert ist ferner, was sie uns auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt des Oberbürgermeisters geschenkt haben."  Sein Geschenk an die Fuldaer sei "einmalig", könne in Worten nur unvollkommen gefasst werden. Schriftstellerin Hilde Domin habe die Literatur als "geistigen Vorratsschrank der Menschen" definiert. "Dies haben wir in einer beeindruckenden Reihe erleben dürfen." Vor diesem Hintergrund bleibe nur noch "der Dank, der Respekt, die Bewunderung für eine wunderbare Leistung, für die Vermittlung von Literatur, die bei uns ihren festen Platz hat und haben wird." Möller kündigte an, die Reihe mit anderer Struktur fortsetzen zu wollen, denn es wäre unverantwortlich gewesen, sie zu beenden. "Wir sehen uns also im nächsten Jahr wieder!", versprach OB Möller dem dankbaren Publikum im Marmorsaal.

"Sie haben eine besondere Idee gehabt, die Sie in die Köpfe und Herzen der Fuldaer gepflanzt haben", lobte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Fulda, Alois Früchtl. Wolfgang Hamberger habe die Reihe "Literatur im Stadtschloss" für die Leser, aber auch Literaten und Verleger zu einer Marke gemacht. Deshalb dankte er für diese "großartige Idee und dieses großartige Geschenk an die Fuldaer Bürgerschaft" im Namen von Senior-Verleger Dr. Thomas Schmitt, Verleger Michael Schmitt und seinem Amtsvorgänger Reiner Görg.

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