Das digitale Erbe: Was passiert mit meinen Daten und Profilen?

+
Was passiert nach dem Tod mit digitalen Profilen? Foto: Karrenbrock/Pixelio.de, Srutm/Pixelio.de, thx/Fotolia-com

Osthessen. Viele Menschen hinterlassen digitale Spuren im Internet. Erben stehen dann vor dem Problem, wie sie herankommen und was damit zu tun ist.

Osthessen. Niemand mag gerne an seinen eigenen Tod denken. Doch es gibt einen Bereich, den man bereits lange vor diesem traurigen Ereignis regeln kann: Die digitalen Daten, die auf sozialen Netzwerken, in der "Cloud" oder an anderen Orten im Internet hinterlegt sind.

Diese bleiben nämlich nach dem Ableben weiterhin bestehen – sofern man selbst oder die Angehörigen nicht klar regeln, was im Sterbefall damit passieren soll. Der deutsche "BITKOM-Verband" rät, sich zu Lebzeiten "sehr sorgfältig" damit auseinanderzusetzen. Der "Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien" (BITKOM) ist der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche.

"Erben haben legal Zugriff auf den PC und Speichermedien des Verstorbenen und dürfen die dort gespeicherten Daten lesen. Die Entscheidung, was damit passiert, liegt bei den Erben – wenn im Testament nichts anderes geregelt ist", heißt es bei "BITKOM". "Virtuelle Adressbücher, online gespeicherte E-Mails, Bilder und Profile gehören ebenfalls den Erben. Rechte an Homepages gehen auf sie über. Erben haben das Recht, auf Benutzerkonten des Verstorbenen zuzugreifen. Sie dürfen bei Internet-Anbietern neue Passwörter anfordern, um mit den Accounts ,wie ein Eigentümer’ umgehen zu können. Als Legitimation dienen in der Regel Sterbeurkunde und Erbschein."

Anders sieht es mit Profilen bei sozialen Netzwerken wie "Facebook" oder "Google+" aus. Am Beispiel "Facebook" gibt es die Möglichkeit, das Profil des Verstorbenen in einen "Gedenkzustand" versetzen zu lassen. So bleibt es zunächst unverändert. Je nachdem, welche Einstellungen der Nutzer gewählt hat, können "Freunde" weiterhin nachrichten in die "Chronik" schreiben. Wenn die Hinterbliebenen das nicht möchten, können sie die Löschung des Kontos beantragen. Dafür muss die Sterbeurkunde an "Facebook" gesendet werden.

Erheblich schwieriger ist das Vorgehen beim US-Unternehmen "Google". "Erst nach sorgfältiger Prüfung und einem langwierigen Bearbeitungsverfahren" gewähre das Unternehmen den Hinterbliebenen Zugriff auf das "Google"-Konto. Zu dieser "Prüfung" gehört unter anderem, eine übersetzte und beglaubigte Kopie der Sterbeurkunde in die USA zu senden.

E-Mail-Dienste wie "Web.de" oder "GMX" senden nach sechsmonatiger Inaktivität eine E-Mail. Wenn darauf keine Reaktion erfolgt, wird das Konto "stillgelegt". Möchten die Erben auf das Konto zugreifen, müssen sie den Unternehmen den Erbschein vorlegen.

Da immer mehr Internet- und "Social Media"-Nutzer das irdische Leben hinter sich lassen, haben sich auch in Deutschland schon Unternehmen gegründet, die sich mit dem digitalen Nachlass beschäftigen. Einige Bestattungsunternehmen bieten den Hinterbliebenen auch bereits an, sich mit dem digitalen Nachlass zu beschäftigen und – soweit möglich – alle Dinge rund um die digitalen Inhalte im Internet zu regeln. Inzwischen gibt es sogar – teilweise seelsorgerisch tätige – Unternehmen, die private PCs von Verstorbenen "ausmisten" und die dort vorhandenen Daten für oder mit den Hinterbliebenen auswerten.

Doch Experten raten, nicht jedem Unternehmen zu vertrauen. "Die Nutzer sollten genau überlegen, ob sie sensible Daten an eine Firma weitergeben", heißt es von "BITKOM". Eine Möglichkeit ist, einer nahestehenden und vertrauenswürdigen Person in einem verschlossenen Umschlag die Zugangsdaten für den Todesfall zu übergeben. Dies kann sich jedoch nicht wirklich realitätsnah gestalten, da man im aufe seines Lebens oftmals Passwörter ändert, um die Sicherheit der eigenen Konten zu erhöhen.

Wichtig ist, dass für ein Testament, das den Nachlass auf Computer, Smartphone und im Internet regelt, die gleichen Voraussetzungen wie für das materielle Erbe gelten. Es reicht also nicht, eine Textdatei auf dem Computer zu speichern, in dem das Testament verfasst ist. Ebenso wenig reicht es aus, einen Textdokument auszudrucken und zu unterschreiben. Das komplette (digitale)  Testament muss handschriftlich verfasst sein. Eine Alternative ist ein von einem Notar beglaubigtes Testament, das dann auch in ausgedruckter und unterschriebener Form vorliegen darf.

+++ +++ +++ ZWISCHENRUF +++ +++ +++

Unsterblichkeit als Cyberfigur?

Ich habe erst angefangen, mir Gedanken darüber zu machen, was mit meinen "Social Media"-Profilen passiert, als ich mit der Recherche für diesen Artikel begann. Vorher hatte ich ehrlich gesagt keinen Gedanken daran verschwendet.Nun stellt sich mir die Frage, was denn passieren würde, wenn mich irgendeine Laune des Schicksals von heute auf morgen ins Jenseits befördern würde.

Meine Tochter ist zu klein, um sich mit meinem digitalen Erbe zu beschäftigen. Meine Eltern sind nicht technik-affin genug, um dies zu bewältigen. Ich denke also, dass meine Profile erst einmal weiterhin bestehen würden. Und dass viele, die mir nicht so nahe stehen, erst einmal weiter fröhlich an meine Chronik posten würden oder mir gar zum Geburtstag gratulieren.

Das könnte mir eigentlich egal sein. Ist es aber ehrlich gesagt nicht. Ich möchte mir beispielsweise nicht folgenden Post vorstellen: Person A: "Lieber Christopher, alles Gute zum Geburtstag" – "Person B: "Weißt Du denn nicht, dass der vergangene Woche einen tödlichen Unfall hatte?"Natürlich kann niemand voraussagen, wann einen das irdische Ende erreicht. Aber man kann Vorkehrungen treffen und ich empfehle, das auch zu tun.

Natürlich hat auch der Gedanke an das ewige digitale Leben etwas an sich. Doch auch wenn alle meine Profile deaktiviert sind, alle meine E-Mails im Äther verschwunden und alle meine Fotos gelöscht sind werde ich digital weiterleben.Ich weiß nicht, wo überall Fotos von mir im Internet hinterlegt sind. Allein durch meinen Beruf wird es Fotos mit mir darauf geben, die Bestand haben werden – inklusive Namensbezeichnung. Aber macht mir das etwas aus? Eigentlich nicht. Wollen wir nicht alle ein wenig "unsterblich" werden?

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Festnahme eines international gesuchten Straftäters in Rumänien

Der Betrüger war auch in Osthessen aktiv. Er hatte sich nach seinen Taten ins Ausland abgesetzt.
Festnahme eines international gesuchten Straftäters in Rumänien

Himmelsgucker: Neuer Himmelsschauplatz in Nüsttal eröffnet

Vergangenen Freitag war es soweit: Rund 300 Besucher blickten in Hofaschenbach in den Sternenhimmel.
Himmelsgucker: Neuer Himmelsschauplatz in Nüsttal eröffnet

Zwei erlebnisreiche Tage mit Wanderung und Whisky Tasting

Ein erlebnisreiches Wochenende liegt hinter den Gewinnern von Fulda aktuell, die die Whisky Wanderungen in der Rhön und in Schlitz gewonnen haben.
Zwei erlebnisreiche Tage mit Wanderung und Whisky Tasting

Bildungsexperte: Gespräch mit Gunter Geiger vom „Bonifatiushaus“

Gunter Geiger, Direktor des Bonifatiushauses" besuchte Fulda aktuell-Redaktionsleiter Bertram Lenz.
Bildungsexperte: Gespräch mit Gunter Geiger vom „Bonifatiushaus“

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.