Dirigent Carsten Rupp ist stolz auf seinen Fuldaer Chor

Gespräch mit "Winfridia"-Chorleiter Carsten Rupp über die Chorarbeit in Zeiten von Corona.

Fulda -Nicht nur auf professionelle Musiker hat die Corona-Krise Auswirkungen (wir berichteten). Auch die Sängerinnen und Sänger der zahlreichen Chöre der Region können nicht mehr zum Üben oder Konzertieren zusammenkommen. „Fulda aktuell“ sprach mit Carsten Rupp, dem Dirigenten des „Städtischen Konzertchores Winfridia“ aus Fulda.

„Am Freitag, 13.März, mussten wir unsere Proben aussetzen und über unser eigenes Konzert Ende März entscheiden, dass es nicht stattfinden kann. Seit dem sind unsere 80 Singenden im aktiven Konzertchor ohne gemeinsame Treffen“, sagt Rupp. Als absehbar war, dass auch nach den Osterferien keine gemeinsamen Chorproben möglich seien, habe man bei der „Winfridia“ mit Onlineproben begonnen. „Bei uns ist schon seit Jahren üblich, dass das reine Erlernen der Chorstimmen mit Audioguides begleitet wird. In unseren Onlinetreffen erarbeiten wir mit diesen Guides derzeit einige Mendelssohn-Chorlieder,“ so der Dirigent. Bei dem ersten der Lieder arbeitet Rupp derzeit am Zusammenfügen eines virtuellen Chores aus Aufnahmen, die ihm die Chormitglieder zugeschickt haben. „Ich bin sehr stolz auf den Chor, dass sowohl die jüngeren als auch die älteren bei dieser Aktion dabei sind und wir uns jeden Freitag mit 50 bis 60 Choristen online sehen, aber leider nicht beim Singen hören.“

Chorproben nicht planbar

Es ist laut Rupp derzeit wenig konkret planbar, wann wieder Präsenzproben stattfinden könnten. „Die bislang geltenden Sicherheitsabstände der Musizierenden untereinander sind in einem so großen Chor – und spätestens auch konzertant mit Orchester – schwerlich ad hoc realisierbar, schon alleine aus Mangel an entsprechenden Räumen. Ob uns Proben in kleineren Gruppen weiterbringen können, wird sich zeigen“, sagt Rupp. So hilfreich diese generell für Einstudierungen seien, fehle dabei der Gesamtklang, an welchem zu Arbeiten in der „Winfridia“ einen hohen Stellenwert habe.

Forschung beobachten

„Die laufenden Untersuchungen zum Thema ,Tröpfchen und Aerosole beim Singen‘ zeigen mir zuallererst, wie komplex das Singen ist. Plakativen Überschriften wie ,Singen tötet‘ oder ,Doch nicht so schlimm‘ halte ich noch nicht für endgültig. So schön es einerseits ist, dass die Aerosole bei einem gestützten Gesangston primär nachweislich weniger weit verteilt werden – die Reichweite der Tröpfchen ist jedoch auch bei sauber platzierten Konsonanten recht hoch“, konstatiert der Chorleiter. Nicht untersucht wurde seines Wissens bislang, wie sich die Luftbewegungen mehrerer Singenden gegenseitig beeinflussen und auch, wie lange kontaminierte Aerosole als infektiös angesehen werden müssten. „Abgesehen davon, dass Chorgesang eben auch eine außermusikalische, soziale Komponente hat, wofür die allgemeinen Infektionsrisiken gelten. Einig waren wir uns bei den Onlinetreffen, dass wir keine ,Schlupflochsuche‘ betreiben werden. Es ist spannend, die Forschungsergebnisse zu beobachten. Letztendlich wird aber die Politik entscheiden, wann es wie wieder losgehen darf“, so Rupp.

„Derzeit rechnen wir aber damit, am 27. September unser Konzert ,Die Jahreszeiten* nachholen zu können. Dafür planen wir nach den Sommerferien auch einige Auffrischungsproben ein. Sicher ist aber bereits jetzt, dass die Konzerte der Spielzeit 20/21 besonders und sowohl für uns als auch das Publikum Neuland sein werden. Sowohl auf der Bühne als auch in der Partitur werden wir Anpassungen an die gesetzlichen Vorgaben beziehungsweise deren logistischen Folgen machen und Lösungen für eine verminderte Auslastung im Publikum finden müssen“, erklärt der Dirigent. Für das Konzert „Beethoven IX.“ am 31.Oktober gelte das ebenso wie für „Best of Rossini“ am 27.Februar im Jahr 2021.

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