Diskussion um Autoslalom auf "Fulda Galerie"

2018 wird es nach erneuten Anwohnerbeschwerden keine Motorsportveranstaltung geben / Verärgerung beim "MSC Fulda"

Fulda - Frust und Verärgerung dominieren derzeit beim „Motorsport-Club (MSC) Fulda“ mit seinen 120 Mitgliedern: Was sich bereits angedeutet hatte, ist mit einem Schreiben der Stadt Fulda von Anfang Februar Realität geworden: Wegen „massiver Kritik“ seitens der Anwohner am Messegelände "Galerie" wegen der Lärmbelastung speziell bei der Autoslalom-Veranstaltung des „MSC Fulda“ sei die Stadt in Abwägung der Interessen zu der Entscheidung gekommen, dass dieser Veranstaltungstyp im Sommer auf dem Areal nicht mehr stattfinden solle.

Unter anderem heißt es in dem Brief, der „Fulda aktuell“ vorliegt, die Verantwortlichen beim „MSC“ um Vorsitzenden Haiko Nix würden gebeten, „keine konkrete Terminanfrage für derartige Veranstaltungen zu stellen, da wir diese auf dem Gelände nicht mehr zulassen können“.

Der Sachverhalt ist nicht neu, denn bereits im Jahr 2012 hatte es Diskussionen um die Veranstaltung gegeben, nachdem sich Anwohner darüber beklagt hatten, die permanente Lärmbelästigung durch Rennmotoren über zwei Tage beeinträchtige die Wohnqualität erheblich. Als Kompromiss seitens des Vereins war der Autoslalom seitdem nur am Samstag durchgeführt worden; gerade auch, um das Verhältnis zu den Nachbarn auf der „Fulda Galerie“ nicht zu beschädigen. Diese Beschränkung auf einen Tag sei für den „MSC“ eine gewaltige Kraftanstrengung gewesen und habe viele Starter gekostet. Eine Ausnahme von der „Ein-Tages-Regelung“ war nur in 2017 erfolgt, als man am Sonntag eine auf dreieinhalb Stunden zeitlich begrenzte Jugendveranstaltung durchgeführt hatte.

Der „MSC Fulda“ organisiert die Autoslaloms bereits seit 1970. In einem Schreiben des Vorsitzenden Nix an die Stadt von Mitte November 2017 heißt es, dass gerade die inzwischen 80 Wettbewerbe dem Verein und seinen Fahrern in der deutschen Motorsportszene große Anerkennung verschafft hätten. Unter dem Dach des „Deutschen Motorsportverbandes“ (DMV) führe man diese Veranstaltungen nach den nötigen Vorschriften und Reglements durch. Alle Funktionäre seien zertifiziert und mit den erforderlichen Lizenzen ausgestattet. Seit vielen Jahren betreibe der „MSC“ als gemeinnütziger Verein eine erfolgreiche Jugendarbeit.

Nix: „Die Jugendlichen bekommen vom ,MSC Fulda’ alles gestellt und haben somit sehr geringe Kosten für ihren Sport. Hierfür bedarf es aber Veranstaltungen und damit verbundener Sponsoren, um den Jugend(kart)sport sowie das Vereinsheim zu finanzieren.“ Nun sei die sportliche und finanzielle Existenz gefährdet und somit die Zukunft des „MSC Fulda“. Denn auch für erwachsene Sportler sei ein Verein nur dann interessant, wenn er Veranstaltungen durchführen könne. Darin unterscheide sich ein Motorsportclub nicht von anderen Sportvereinen.

 Vor dem Hintergrund dieser „grundlegenden Ablehnung“ hat der Verein angekündigt, die Angelegenheit mit Verbandshilfe juristisch weiter zu verfolgen. Falls die Stadt Fulda eine slalomgeeignete Ausweichstrecke anbieten könne, sei man selbstverständlich bereit, auf das Messegelände zu verzichten.

Stellungnahme der Stadt

Vor dem Hintergrund der Diskussion um den Autoslalom des „MSC Fulda“ hat „Fulda aktuell“ die Pressestelle der Stadt um eine Stellungnahme gebeten. Nachfolgend die Aussagen von Magistratssprecher Johannes Heller auf entsprechende Fragen:

„Bei dem geschilderten Vorgang handelt sich formell nicht um ein Verbot. Der Verein hatte noch keine offizielle Mietanfrage für das Gelände gestellt und noch keinen konkreten Terminwunsch geäußert. Vielmehr hatte die Stadt im Vorgriff auf eine erwartete Anfrage dem Verein bereits im Herbst 2017 signalisiert, dass eine Vermietung ab dem Jahr 2018 nicht mehr möglich sein wird. Die Stadt war dabei zu jedem Zeitpunkt gesprächsbereit, jedoch hat der Verein einen angekündigten Gesprächstermin bei den zuständigen Dezernenten nie konkretisiert.

• Sowohl Oberbürgermeister als auch Bürgermeister sind eng in das Vorgehen eingebunden gewesen.

• Hintergrund des Vorgehens der Stadt sind ebenso glaubwürdige wie massive Beschwerden von Anliegern wegen extremer Lärmbelästigung an den Renntagen. Es geht dabei vor allem um die Kombination von hochtourigen Motorgeräuschen mit permanentem Reifenquietschen, was von den Betroffenen als besonders belastend empfunden wird.

• Grundsätzlich ist zudem zweifelhaft, ob das Messegelände überhaupt alle für die Veranstaltung von Autorennen nötigen Voraussetzungen erfüllt.

• Die Reduzierung der Veranstaltung auf einen Tag ist bereits in der Vergangenheit getestet worden, hat aber für die betroffenen Anwohnern keine Verbesserung der Situation bewirkt.

• Der Verzicht auf extrem lärmrelevante Veranstaltungsformate wie den Autoslalom bedeutet zugleich eine Sicherung anderer Großveranstaltungen auf dem Messegelände wie etwa der besucherstarken Messe ,RettMobil’. Die Anwohner sind unter diesen Umständen bereit, die Belastungen aus diesen Veranstaltungen, die zudem eine ungleich höhere Außenwirkung sowie positive wirtschaftliche Effekte für die gesamte Stadt besitzen, zu tolerieren.

• Auch andere Veranstaltungsformate müssen strengere Lärmvorgaben erfüllen wie beispielsweise strikte Vorschriften bei Musikdarbietungen. Mehrere Anfragen von erwartungsgemäß lärmsensiblen Veranstaltungen wie Firmenfeiern wurden abschlägig beschieden.

• Der ,MSC Fulda’ kann nach wie vor seinen traditionellen Nachwuchs-Kart-Wettbewerb auf dem Parkplatz der Stadtgärtnerei in unmittelbarer Nähe zum Vereinshaus des ,MSC’ durchführen.

• Der ,Motorsportclub Fulda’ erhält wie andere Vereine auch eine finanzielle Förderung durch die Stadt Fulda. Dabei wird auch das besondere Engagement des Vereins für die Jugend berücksichtigt.

• Geeignete Alternativflächen im Stadtgebiet, die sich im Zugriff der Stadt Fulda befinden, sieht die Stadt nicht. Früher praktizierte Modelle, öffentlichen Straßenraum – etwa an einem Sonntag im Industriepark West – für Rennveranstaltungen freizugeben, lassen sich angesichts der massiv zugenommenen Verkehrs von Be- und Entladern nicht mehr umsetzen. Denkbar ist allenfalls, dass die Veranstalter auf Privatflächen innerhalb oder außerhalb des Fuldaer Stadtgebiets zugreifen können. Die Stadt Fulda hilft hier gegebenfalls gerne bei der Vermittlung.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Felicia wird Kinderreporterin im „RS Biosphären-Camp“

Die elf Jahre alte Felicia Röhrig aus Neuhof wird die "Fulda aktuell"-Kinderreporterin im "RhönSprudel Bioshärencamp".
Felicia wird Kinderreporterin im „RS Biosphären-Camp“

"Kulturfestival Vulkansommer": Zu Gast im "Buisch ahl Huss" in Fraurombach 

Viele Geschichten im Schlitzerländer Platt sind am Donnerstag, 26. Juli, 20 Uhr, in Fraurombach zu erleben
"Kulturfestival Vulkansommer": Zu Gast im "Buisch ahl Huss" in Fraurombach 

Unfall: BMW nimmt Seat die Vorfahrt

In Fulda Viel an einer Kreuzung das Licht aus, dort nahm ein BMW einem Seat die Vorfahrt
Unfall: BMW nimmt Seat die Vorfahrt

Schlosstheater Fulda ist seit 40 Jahren kulturelles Zentrum

Spielstätte wurde im Juli 1978 feierlich eingeweiht / Programmvielfalt erreicht Besucher aus nah und fern
Schlosstheater Fulda ist seit 40 Jahren kulturelles Zentrum

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.