"Down under" der Faszination des Rennsports auf der Spur

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Fulda/Melbourne. Christine Pierk weilt zur Zeit für ein Jahr in Australien. Zuletzt war die Redakteurin beim Formel 1-Grand-Prix in Melbourne.

Melbourne. Seit Wochen war Melbourne im Formel 1-Fieber und Sebastian Vettel schien einfach allgegenwärtig zu sein – auf großen Plakatwänden, in Zeitungsanzeigen und auf Flyern war der Formel 1-Fahrer zu sehen. Zugegeben, das Foto von ihm war nicht das Beste, aber es erfüllt einen schon etwas mit stolz, wenn für eine Sportveranstaltung in Australien mit einem Landsmann geworben wird. Um die Einheimischen und die Touristen auf das Grand Prix-Wochenende einzustimmen, waren an unterschiedlichen Plätzen in der Innenstadt Stände aufgebaut. Freundliche Promotion-Frauen – zu meinem Erstaunen viele Deutsche – informierten dort über das Rennen, man konnte Tickets kaufen, Rennwagen bestaunen, sich mit einem Rennfahrer aus Pappe fotografieren lassen und an Gewinnspielen teilnehmen. Auch als jemand, der in Deutschland noch nicht einmal ein ganzes Formel 1-Rennen im Fernsehen – geschweige denn live – gesehen hatte, kam man also hier an diesem Sport nicht vorbei. Selbst von unserer Wohnung aus konnten wir das Geräusch der Motoren hören. Die Begeisterung steckte einen somit förmlich an und so kam es, dass ich mir auch ein Ticket gekauft und das Rennen zusammen mit anderen Deutschen, Spaniern und Finnen live  angeschaut habe.

Umfangreiches Rahmenprogramm

Am Tag des Rennens hatte man den Eindruck, als ob nicht nur halb Melbourne auf dem Weg zum Rennen war, sondern auch halb Deutschland. Denn von allen Seiten hörte man seine Muttersprache und sah Deutschlandflaggen. Mit Essen versorgt und die Campingstühle geschultert, machten wir uns morgens um 10 Uhr auf den Weg zum Albert Park, der Rennstrecke. Wenn man bedenkt, dass das eigentliche Rennen erst um 17 Uhr angefangen hat, mag das etwas früh erscheinen und auch mir war nicht ganz klar, warum wir unbedingt schon so viele Stunden vorher da sein mussten. Gut, dass wir aber auf einen Spanier gehört hatten, der schon Formel 1 erfahren ist. Nachdem wir die Kontrolle am Eingang, bei der nur sehr oberflächlich in die Taschen geschaut worden ist, hinter uns hatten, suchten wir uns einen Platz auf dem Rasen bei der ersten Kurve der Rennstrecke. Wie zu erwarten, waren wir nicht die Einzigen, die diese Idee hatten, und so sah man schon nach kurzer Zeit kein Gras mehr vor lauter Menschen. Mit Stühlen, Decken, Essen und Sonnenmilch ausgestattet, bereiteten sich die Formel 1-Fans auf einen langen Tag vor. Man könnte annehmen, dass die Stunden vor dem Rennen nicht vergehen wollen und sich Langeweile unter den Wartenden breit macht, aber weit gefehlt. Das Rahmenprogramm war so umfangreich, dass man gar nicht wusste, was man sich zuerst ansehen sollte: den Porsche Carrera Cup, den Profi-Skateboarder Tony Hawk in der Halfpipe, die Ferrari-Ausstellung, die Bike-Show, die Jet-Flugshow und vieles mehr. Es gab verschiedene Paraden unterschiedlicher Fahrer und Autos, Autogrammstunden, eine Graffitiwand, zahlreiche Informationstafeln und natürlich jede Menge Essens-, Getränke- und Merchandisingstände. So verging die Zeit wie im Fluge und schon wurde die australische Nationalhymne gesungen.

Erinnerungsbilder auf der Rennstrecke

Als das Rennen gestartet war, sind alle von ihren Sitzen aufgesprungen, man konnte nicht mehr wirklich viel von der Rennstrecke gesehen und das Geschehen hauptsächlich über den Bildschirm verfolgen. Großer Jubel kam natürlich immer auf, wenn Daniel Ricciardo – der australische Fahrer, an uns vorbeifuhr. Für einen Formel 1-Laien wie mich war das Rennen gegen das vorher wirklich abwechslungsreiche Programm etwas langweilig und zog sich doch ziemlich hin. Wenn man an der Strecke steht, ist das Live-Gefühl ja auch immer nur in den paar Sekunden spürbar, wenn die Autos vorbeifahren – ansonsten starrt man auf die leere Strecke und den Bildschirm. Die wirklichen Formel 1-Fans waren auch etwas enttäuscht, dass der Sound der Autos aufgrund der geänderten Vorgaben am Fahrzeug leiser war. Ich dagegen fand es sehr angenehm, dass man nicht zwangsläufig einen Ohrenschutz gebraucht hatte. Als die 58 Runden dann vorbei waren und Nico Rosberg gewonnen hatte, stürmten alle Fans auf die Rennstrecke und rannten zur Siegertribüne.

Um uns herum wimmelte es nur so von Flaggen aus aller Welt – so sah man unter anderem deutsche, finnische, spanische oder französische. Eine fröhliche Atmosphäre breitete sich aus, alle feierten miteinander und schauten sich – wenn auch wie wir von weitem – die Siegerehrung an. Anschließend schossen die Fans viele Erinnerungsfotos auf der Rennstrecke und warfen einen Blick in die Boxen der Teams, bevor um 20 Uhr alle Besucherinnen und Besucher das Gelände verlassen mussten. Ein besonderer Tag ist damit auch für mich zu Ende gegangen, denn ich habe viele interessante Einblicke in den Rennsport erhalten und konnte für ein paar Stunden die Faszination, die die Formel 1 auf so viele ausübt, nachvollziehen.

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