Dregger: Visionär für Fulda

Zum 100. Geburtstag Alfred Dreggers am 10. Dezember

Fulda. Am 10. Dezember jährt sich der Geburtstag von Dr. Alfred Dregger zum 100. Mal. Der ehemalige Leitwolf der Hessen-CDU, wie ihn das „Journal Frankfurt“ genannt hat, war als Fuldaer Oberbürgermeister in den Jahren 1956 bis 1970 maßgeblich an der Entwicklung der Stadt und daran beteiligt, wie sie sich heute präsentiert.

Dazu der heute amtierende OB Dr. Heiko Wingenfeld auf Anfrage von „Fulda aktuell“: „„Dr. Alfred Dregger hat unser Nachkriegs-Fulda geprägt wie nur wenige andere Politiker. In seiner Amtszeit als Oberbürgermeister hat er die Grundlagen dafür gelegt, dass Fulda wachsen und sich wirtschaftlich entwickeln konnte. Er hat Fuldas Funktion als Bildungsstandort für eine ganze Region maßgeblich gestaltet: Das „Schulviertel“ mit seinen ebenso großzügigen wie architektonisch und konzeptionell wegweisenden Bauten der späten 1950er und 1960er Jahre bildet noch heute das Herzstück unserer Bildungslandschaft. Er kam mit dem ,Blick von außen‘ nach Fulda und hat die Stadt mit seinen visionären Ideen – durchaus im Zeitgeist jener Jahre – von manchem kleinstädtischen Denken befreit.

Auch nach seiner Zeit als OB ist er Fulda als Wohnort treu geblieben und hat sich für die größte Stadt seines Bundestagswahlkreises stets in die Bresche geworfen, etwa beim jahrzehntelangen Kampf um den Weiterbau der A 66 von Frankfurt nach Fulda. Die Stadt Fulda hat Dr. Dregger viel zu verdanken und zu Recht eine Allee am Frauenberg nach ihm benannt.“

In seiner vor einigen Monaten veröffentlichen Biografie „Alfred Dregger – Haltung und Herz“ hat der langjährige Wegbegleiter Dieter Weirich nicht nur von der politischen Laufbahn des 1920 in Münster Geborenen geschrieben, sondern auch von dessen Persönlichkeit. So sei Dregger nicht nur ein Mann mit festen Grundprinzipien, sondern auch ein exzellenter Kunstkenner gewesen, der Albrecht Dürer und die deutschen Expressionisten besonders mochte.

Als „Geist von Eltville“ bezeichnet Weirich die Aufbruchsstimmung, die herrschte, als Dregger 1967 zum Landesvorsitzenden der CDU Hessen bis 1982) gewählt wurde. Von 1972 bis 1998 war er Mitglied des Bundestages, und wurde im Oktober 1982 CDU-Fraktionsvorsitzender. Ein Amt, das der 2002 verstorbene Dregger, der als Vertreter des nationalkonservativen Flügels der CDU galt, bis 1991 inne hatte.

Auf Anfrage von „Fulda aktuell“ hat Dregger-Sohn Burkard, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und dort Vorsitzender der CDU-Fraktion, sich bereit erklärt, verschiedene Fragen zu seinem Vater zu beantworten:

FULDA AKTUELL: Wie sehr hat Ihr Vater Alfred Dregger Ihre politischen Überzeugungen und Ihren beruflichen Lebens)-Weg als Politiker beeinflusst?

BURKARD DREGGER: Wir hatten ein wirklich inniges Verhältnis. Er hatte nicht viel Zeit für seine Familie, und meine Mutter hat Vieles kompensieren müssen. Aber wenn er sich die Zeit nahm, waren es schöne und für eine jungen Menschen anregende Momente. So hat er mit uns bei mehrstündigen sonntäglichen Wanderungen entlang der innerdeutschen Grenze in der Rhön viel gesprochen über unsere Geschichte, über die aktuelle politische Lage und uns nach unseren Ansichten gefragt. Mich hat er auf politische Reisen nach Washington und Moskau mitgenommen. Wir haben Familienfahrten in die DDR und nach Polen unternommen. Das alles in den Jahren vor dem Fall der Berliner Mauer, als Berlin, Deutschland, Europa und die ganze Welt noch geteilt waren in eine kommunistische und in eine freie Welt, als sich aber tiefgreifende Veränderungen dieser Lage abzeichneten. Das war unglaublich spannend für einen jungen Menschen wie mich. Und als dann die Mauer in Berlin gefallen war, habe ich meinen Vater zu Veranstaltungen in die DDR begleiten können, die von tausenden, manchmal zehntausenden Menschen besucht wurden, die alle nur Eines wollten, nämlich die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit. Ich werde das niemals vergessen, es hat mich tief geprägt. Und ich habe für meinen Vater große Zuneigung entwickelt, auch für seinen Beitrag auf dem Weg zur Wiedervereinigung.

FA: Inwieweit können Alfred Dregger und seine politische Haltung heute noch als Vorbild/Maßstab dienen?

DREGGER: Meinem Vater schrieben auch seine Gegner herausragende Eigenschaften zu: Haltung, Mut, Glaubwürdigkeit, Geschichtsbewusstsein, Verlässlichkeit, Charisma. Dieter Weirich formuliert es in seiner neuen Biografie „Alfred Dregger – Haltung und Herz“ so: „Dregger war bis zur Naivität hin ehrlich. Darin begründete sich seine Glaubwürdigkeit. Sein Wort galt, man konnte sich auf ihn verlassen. Intrigen waren ihm fremd.“ Angesichts der gesellschaftlichen Fliehkräfte heute und der Gefahr des Vertrauensverlustes der Volksparteien kommt es auch heute genau auf diese Glaubwürdigkeit an, die er verkörpert hat.

FA: Wie sind noch Ihre Verbindungen nach Fulda?

DREGGER: Fulda ist die Heimat meiner Jugend. Ich liebe diese Stadt, die Verbindung von Geschichte und Tradition mit Modernität und Innovation. Fulda hat mich geprägt. Gerne fahre ich nach wie vor regelmäßig nach Fulda, vor allem natürlich, um meine Mutter zu besuchen.

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

Betrunken und ohne Führerschein - Unfall in Bad Salzschlirf

Die Polizeikräfte wurden zu einem Unfall gerufen, vor Ort war der Fahrer betrunken und ohne Führerschein
Betrunken und ohne Führerschein - Unfall in Bad Salzschlirf

Klartext: Zu hart? Nee ...

Redakteur Christopher Göbel über die geplanten Hartz-IV-Anpassungen.
Klartext: Zu hart? Nee ...

36-Jähriger unter Drogeneinfluss und ohne Führerschein unterwegs

Die Polizei Fulda stoppte gestern einen Fahrer, der ohne Führerschein und unter Drogeneinfluss unterwegs war.
36-Jähriger unter Drogeneinfluss und ohne Führerschein unterwegs

Wagen ging in Flammen auf - Fahrerin rettet sich aus Wrack

Autofahrerin wich Wild im Vogelsbergkreis aus, Pkw kam von Fahrbah ab, überschlug sich und brannte aus.
Wagen ging in Flammen auf - Fahrerin rettet sich aus Wrack

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.