Drückende Schuldenlast: Beratung bei der "Caritas" der Diözese Fulda

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Auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie geraten immer mehr Menschen in finanzielle Schwierigkeiten 

Fulda - Die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie treffen auch immer mehr die so genannte „Mittelschicht“ in Hessen. Zu diesem Ergebnis kommen die Schuldnerberatungen. Laut „Caritas“ ist die Zahl der Hilfesuchenden in ihren Einrichtungen um 67 Prozent im Vergleich zum Herbst 2019 gestiegen. Dabei stehe die große Welle noch aus. Vor diesem Hintergrund hat sich „Fulda aktuell“ mit dem „Caritasverband für die Regionen Fulda und Geisa“ in Verbindung gesetzt, um die Situation in unserer Region zu beleuchten. Die Fragen beantwortete Ursula Hillebrand (Schuldnerberatung des „Regional-Caritasverbandes Fulda“).

Fulda aktuell: Ist auch bei der Schuldnerberatung der „Caritas in der Diözese Fulda“ die Zahl derjenigen gestiegen, die um Rat und Hilfe bitten?

Hillebrand: Die Nachfrage bei der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle des „Caritasverbandes für die Regionen Fulda und Geisa“ ist dauerhaft sehr hoch. Seit Ende Mai 2020 bieten wir trotz der Corona-Situation wieder persönliche Beratungsgespräche an. Dieses Angebot wird pro Woche von etwa acht Ratsuchenden genutzt. Dies liegt deutlich über dem Durchschnitt der Zeiten vor Corona. Entgegen vergangener Jahre war die Nachfrage auch in der Ferienzeit sehr hoch.

FA: Verfestigt sich auch hier der Eindruck, dass zunehmend Menschen aus der Mittelschicht betroffen sind?

Hillebrand: Bei den Ratsuchenden sind auch vermehrt Menschen mit mittlerem Einkommen vertreten. Die meisten Klienten, die bei der „Caritas“ anfragen, haben aber eher ein niedriges Einkommen oder leben von Sozialleistungen. Viele Menschen mit mittlerem Einkommen haben zudem eine höhere Hemmschwelle, einen Wohlfahrtsverband aufzusuchen. Sie wenden sich daher für die Schuldenregulierung eher an Rechtsanwälte.

FA: Was sind denn die Gründe für den verstärkten Hilfebedarf?

Hillebrand:  Die Corona-Pandemie ist sicher einer der Gründe für den verstärkten Hilfebedarf. So haben wir auch bei den Klienten, die schon länger von uns beraten werden, viele Fälle von Kurzarbeit. Insgesamt verzeichnen wir aber in den letzten Jahren eine erhöhte Nachfrage nach Schuldner- und Insolvenzberatung. Die finanzielle Kompetenz, also der Umgang mit Geld und die Planung der eigenen Einnahmen- und Ausgabensituation, fällt vielen Menschen schwer. Die Aufnahme von Schulden wird durch zinsgünstige Kredite und die Finanzierungsangebote im Internet und im Handel zunehmend leichter gemacht. Dem können viele nicht widerstehen. Wenn dann äußere Einflüsse wie Krankheit, Trennung, Arbeitslosigkeit oder eben die Pandemie hinzukommen, stürzt das „Finanzierungs-Kartenhaus“ zusammen.

FA: Was raten Sie denen, die um Unterstützung bitten?

Hillebrand: Wir ermutigen die Ratsuchenden, sich ihrer Schuldensituation zu stellen und dann gemeinsam mit uns nach Lösungen zu suchen. Sehr wichtig ist eine schnelle Kontaktaufnahme mit den Gläubigern, damit diese die Situation einschätzen können und nicht unnötige und teure juristische Maßnahmen ergreifen. So sollte man mit seinem Vermieter bei Problemen mit der Mietzahlung gleich das Gespräch suchen und nicht erst riskieren, dass nach zwei fehlenden Mieten die Kündigung kommt.

FA: Wie läuft so eine Beratung ab?

Hillebrand: Wir bieten bei der „Caritas“ mittwochs und donnerstags vormittags eine offene Sprechstunde an. Wegen der aktuellen Corona-Situation muss derzeit ein fester Termin vereinbart werden. Dort machen wir eine Erstberatung und planen mit den Ratsuchenden die nächsten Schritte. Für Menschen im SGB II-Bezug (Hartz IV) gibt es gesonderte Termine, die über das Kommunale Kreisjobcenter vereinbart werden. Sofern die Beratung bei uns dann weitergeführt wird, verschaffen wir uns mit den Ratsuchenden einen umfassenden Überblick über ihre Situation und erstellen gemeinsam einen Haushaltsplan. Dann werden die Gläubiger angeschrieben und anschließend wird ein Regulierungsplan erstellt. Falls erforderlich, kann von uns auch die Einreichung eines Verbraucherinsolvenzantrages vorbereitet werde. Die Beratungsdauer beträgt in der Regel ein Jahr. Unsere Beratung ist vertraulich, konfessions- und religionsunabhängig und kostenlos.

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