„Dunkles Kapitel“ lässt die katholische Kirche nicht los

Der Vorsitzende der deutschen katholischen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing (links) und Pressesprecher Matthias Kopp. 
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Der Vorsitzende der deutschen katholischen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing (links) und Pressesprecher Matthias Kopp. 

An der traditionellen Herbst-Vollversammlung der deutschen katholischen Bischöfe in Fulda haben in diesem Jahr 68 Mitglieder unter Leitung ihres Vorsitzenden, Bischof Dr. Georg Bätzing aus Limburg, teilgenommen. 

Fulda. Corona-bedingt tagten die Bischöfe erneut im Stadtschloss Fulda. Organisiert hatte die viertägige Zusammenkunft die Generalsekretärin der Bischofskonferenz, Dr. Beate Gilles.

Im Mittelpunkt standen der Fortgang des „Synodalen Weges“ und erneut der Themenkomplex „Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs“. Grundlage hierfür waren die Erkenntnisse der Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-Studie 2018).

Wie Bätzing am Donnerstag abschließend vor der Presse sagte, haben sich die Bischöfe ausführlich mit den Kritikpunkten des Betroffenenbeirats befasst, die in einem Brief geäußert wurden. Bätzing: „Wir verstehen, dass Betroffene durch das Wiederaufgreifen des Verfahrens und die langen Bearbeitungszeiten erneut Retraumatisierung erleiden können. Wir sehen, dass Erwartungen enttäuscht werden und dass dies schmerzlich ist. Das bedauern wir sehr“.

Der Limburger Bischof wörtlich: „Das Thema sexueller Missbrauch lässt uns nicht los. Ich möchte noch einmal versichern, dass dieses dunkle Kapitel der Kirche weiterhin für uns prioritär auf der Tagesordnung steht. Wir haben uns zur Aufarbeitung und Aufklärung 2010 verpflichtet und arbeiten an diesem schmerzlichen Prozess, bei dem es Fortschritte und auch Rückschläge gibt. In diesem langen Zeitraum von über zehn Jahren mag manches, was wir geschafft haben, in den Hintergrund rücken“. Gemeinsam mit der „Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen“ (UKA) seien bereits mehrere Maßnahmen ergriffen worden, damit etwa eine Verkürzung der Bearbeitungsdauer eintritt, die – davon gehe man aus – jetzt spürbar werde.

Das Verfahren sei transparent, die Mitglieder der Kommission ebenso bekannt wie die Kriterien, die berücksichtigt würden. Auch die Leistungshöhe wurde deutlich angehoben. Bätzing: „Hier lehnen wir uns an einen rechtsstaatlich üblichen und von der Kirche unabhängigen Referenzrahmen an. Die Höhe der Leistungen orientiert sich an Schmerzensgeldzahlungen staatlicher Gerichte in vergleichbaren Fällen. Dabei haben wir bewusst entschieden, dass sich die im weiterentwickelten Verfahren festgesetzten Leistungen am oberen Bereich der Schmerzensgeldtabellen orientieren. Diesem Leistungsrahmen haben auch die Orden zugestimmt. An diesem Verfahren möchten wir grundsätzlich festhalten“.

Am Montag hatte Bätzing zum Auftakt auch die Entscheidung des Papstes erörtert, die Bitte um Amtsverzicht des Hamburger Erzbischofs Dr. Stefan Heße nicht anzunehmen, was viele Menschen überrascht habe. „Das kann ich gut verstehen“, so Bätzing, der daran erinnerte, dass sich der Papst an eigenes Recht gehalten und bei Heße „keine aktive willentliche Vertuschung“ in dessen Zeit als Generalvikar und Personalreferent im Erzbistum Köln festgestellt habe. Heße habe den Bischöfen einen Bericht zu seiner persönlichen Lage und der Situation im Erzbistum Hamburg gegeben. Bätzing: „Ich bin dankbar, dass er an dieser Vollversammlung teilnehmen konnte und hoffe auf einen guten Neustart für ihn, der sicherlich notwendig ist. Wir werden ihn dabei unterstützen.“ Was die Vorgänge in Köln und die Rolle von Erzbischof Rainer-Maria Woelki angehe, so warte man noch immer auf den Bericht der Päpstlichen Visitatoren.

„Synodaler Weg“

Beim „Synodalen Weg“, den man gemeinsam mit dem „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ initiiert habe, sei es den Bischöfen sehr wichtig, auch untereinander immer wieder ins Gespräch „über unsere Anliegen, Perspektiven und Schwerpunkte zu kommen“. Dabei wolle man miteinander nach Gemeinsamkeiten, aber auch nach Differenzen und vor allem nach geeigneten nächsten Schritten Ausschau halten. Deshalb habe man sich auch bei dieser Herbst-Vollversammlung einen halben Tag Zeit genommen für eine grundlegende Reflexion, aber auch für konkrete Gespräche, so Bätzing zu den Journalisten.

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