Ebola rückt näher: Auch in Ost- und Nordhessen wächst die Angst

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Fulda/Würzburg/Hammelbug. Deutsches Rotes Kreuz und Bundeswehr bereiten freiwillige Helfer auf ihren Einsatz in Westafrika vor.

Ost- und Nordhessen/Würzburg/Hammelburg.  Zwei Tage lang wurden jetzt an der "Tropen-Isolierstation" des unterfränkischen Klinikums Helfer des "Deutschen Roten Kreuzes" (DRK) für einen möglichen Ebola-Einsatz in den westafrikanischen Krisengebieten geschult. Unter den rund 60 Helfern eines ersten Fortbildungskurses (200 haben sich bis dato beim "DRK" aus dem gesamten Bundesgebiet gemeldet) waren auch  Freiwillige aus Ost- und Nordhessen.

Die Fortbildung umfasste theoretische und praktische Übungen, um so realitätsnah wie möglich die Situation in Westafrika zu simulieren. So waren die Teilnehmer in gelbe Schutzanzüge gehüllt, mit Mundschutz, Hauben, Brillen und Handschuhen ausgerüstet. Und um das tropisch-schwülfeuchte Klima in Sierra Leone, Liberia, Guinea und Nigeria nachzustellen, wurde extra mit Öfen die Temperatur in den Behandlungszelten auf 40 Grad Celsius erhöht. Kaum einer der Helfer hielt es mehr als eine Stunde in den Schutzanzügen aus – wie wohl diese (über-)lebensnotwendig sind, denn das Ebola-Virus  wird vor allem durch Berührung und Körperflüssigkeiten übertragen.

Auch wenn Ebola Europa (und Nord-Amerika) immer näher rückt (drei Patienten wurden/werden am "Tropeninstitut Hamburg", in einer Spezialklinik in Leipzig sowie in der "Uniklinik" in Frankfurt behandelt), so ist die Seuche  "gottlob praktisch noch kein Thema, auch wenn wir beim ,Roten Kreuz’  selbstverständlich permanent auf Katastrophen und Epidemien vorbereitet sind", sagt Thomas Wolff, Leiter der Pressestelle des Landesverbandes Hessen im "Deutschen Roten Kreuz".  "Wir haben Teams, die sich mit Ebola beschäftigen. Sollte das  Thema in Deutschland aktuell werden, sind wir in der Lage, entsprechende Aufklärung zu leisten. Als erstes werden die Helfer geschult und aufgeklärt, dann die Bevölkerung. "

Auch die Bundeswehr wird sich zusätzlich zu den weltweiten Kriegs- auch in den westafrikanischen Ebola-Krisengebieten engagieren. 4.500 Freiwilligen-Anrufe gab es bis dato nach dem öffentlichen Aufruf von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, 3.500 Interessenten wurden hinsichtlich des  Anforderungsprofils und ihrer Schlüsselklassifikationen (Ärzte, Sanitäter, Krankenschwestern, Labortechniker und Röntgenfachkräfte) begutachtet. 500 Ehrenamtliche kommen von außerhalb der Bundeswehr.

Verantwortlich für den Einsatz in Liberia im Auftrag des Ausbildungszentrums der Vereinten Nationen ist Major Nils-Alexander Simon, Leiter der Arbeitsgruppe "ELSA" (Einsatzland-spezifische Ausbildung) an der "Infanterieschule" in Hammelburg (hier wurden zuletzt auch die kurdischen "Peschmerga"-Kämpfer geschult.

"Wir verfügen über ausreichend Bewerber, auch aus Ihrer Region", informiert Simon. "Die einsatzvorbereitende Ausbildung läuft  Institutions-übergreifend zwischen Bundeswehr und "DRK" finden permanent Gespräche statt", so der Major. Analog zur "DRK"-Schulung in Würzburg bildet die Bundeswehr ihre freiwilligen Ebola-Helfer in der Nähe des "Tropeninstituts" in Hamburg aus.  Wegen der hohen psychischen und physischen Belastungen vor Ort ist geplant, das eingesetzte  Bundeswehr-Personal maximal nach vier Wochen auszutauschen. "Länger halten das die freiwilligen Helfer unter diesem enormen  Spannungspotenzial nicht aus. Dann brauchen sie eine Regenerationspause", sagt Simon.

Der dreifache Familienvater macht sich in den kommenden Tagen auf den Weg (Flug) nach Liberia, um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. Mit einem durchaus mulmigen Gefühl, obwohl er hinreichend geimpft wurde. Und mit dem Wunsch, dass spätestens zu Weihnachten eisatzfähige Bundeswehr-Flugzeuge für den Rücktransport zur Verfügung stehen. Angelegt und geplant ist der medizinische Bundeswehr-Einsatz in den Ebola-Gebiet Westafrikas vorerst für die Dauer von maximal zwölf Monaten.

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Keine PanikKonkrete Notfallpläne am Kreisgesundheitsamt

Fulda. Das Ebolafieber ist ein hochakutes Thema – nicht nur für den "Öffentlichen Gesundheitsdienst" auf Bundes-, oder Landesebene, sondern auch auf lokaler Ebene. Bereits seit Bekanntwerden der ersten Ebola-Fälle in Westafrika im März dieses Jahres informieren sich die zuständigen Behörden tagesaktuell über die Entwicklungen im Epidemiegebiet.

"Auch wenn jetzt zwei mit dem Ebola-Virus infizierte Patienten in deutschen Krankenhäusern behandelt werden, besteht keine erhöhte Infektionsgefahr für die deutsche Bevölkerung", sagt Dr. Helmut Ernst, Leitender Medizinaldirektor und Stellvertretender Leiter des "Gesundheitsamtes beim Landkreis Fulda". "Sollte es in unserer Region zu einem Infektionsfall kommen, gibt es konkrete Notfallpläne, die mit dem ,Kompetenzzentrum für hochansteckende, lebensbedrohliche Erkrankungen’ am ,Gesundheitsamt Frankfurt am Main’ sowie mit dem ,Universitätsklinikum Frankfurt’ abgestimmt sind. Die zu ergreifenden Maßnahmen bei Auftreten einer Ebola-Infektion sind eindeutig definiert", so der Experte. Und weiter: "Als öffentlicher Gesundheitsdienst haben wir eine Informations- und Aufklärungspflicht.  Auf der Internetseite des ,Landkreises Fulda beziehungsweise  des ,Gesundheitsamtes’ gibt es aktuelle Informationen zum Ebolafieber. Zudem informieren wir auch im Rahmen unserer Reiseimpfberatung über Ebola – wenn Bürger der Region eine Reise nach Afrika, speziell nach Westafrika, geplant haben."

Seine aktuellen Informationen zum Thema bezieht der Landkreis unter anderem vom "Robert Koch-Institut Berlin", vom "Auswärtigen Amt", der "Weltgesundheitsorganisation" (WHO) oder vom "European Center for Disease Prevention and Control" (EDCD).

Bei diesen Fachbehörden können sich Ein- und Ausreisende auch detailliert darüber informieren, wie man sich wirksam vor einer Ebola-Infektion schützen kann.

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Mehr EinsatzMdB Brand: Ebola an de Quelle bekämpfen

Fulda/Berlin. Zur Ebola-Epidemie und mögliche Auswirkungen auf Deutschland und die Region sprachen wir mit dem osthessischen Bundestagsabgeordneten Michael Brand. Es ist Vorsitzender des "Ausschusses für humanitäre Hilfe":

Fulda aktuell (FA):  Die Bundesverteidigungsministerin spricht von 4.000 Freiwilligen beim Bund, die sich für den Einsatz in den westafrikanischen Ebola-Gebieten gemeldet hätten. Sind Ihnen Freiwillige aus der Region bekannt, aus der Bundeswehr, vom "THW" oder dem "DRK"?

Michael Brand: Auch aus Osthessen gibt es Freiwillige, aber es geht weniger um Herkunft. Entscheidend sind Qualifikation und auch Fitness für diesen riskanten und körperlich außergewöhnlich anstrengenden Einsatz. Man muss wissen, dass bei Temperaturen bis 40 Grad, unter Ganzkörper-Schutzanzügen, und meist in provisorischen Unterkünften statt Krankenhäusern gearbeitet wird. Das ist extrem anstrengend, und da ist es eine umso bessere Nachricht, dass sich mehrere Tausend Freiwillige gemeldet haben, und sogar 500 von außerhalb der Bundeswehr.FA: Wurden Sie mit diesem ernsten Thema auch schon konfrontiert?

Brand:  Seit Wochen befasse ich mich als Vorsitzender des Ausschusses für humanitäre Hilfe mit dem Thema, in direktem Kontakt mit Bundesregierung, UN-Stellen und Hilfsorganisationen wie "Ärzte ohne Grenzen", "DRK" und anderen. Dieser Ausbruch stellt, neben den anderen akuten Krisen wie Syrien und Irak, eine nie da gewesene Dimension dar, und wir müssen mit allen verfügbaren medizinischen und logistischen Mitteln helfen, um die Ausbreitung einzudämmen und zu stoppen.

FA: Was kann ein Bundestagsabgeordneter in diesem Zusammenhang (über die Aufklärung hinaus) tun?

Brand: Schon vor Wochen habe ich, auch gegenüber dem "Auswärtigen Amt", darauf gedrängt, mehr zu tun und rascher zu handeln. Aus den vielen Berichten, die ich erhalte, war die Dynamik der Epidemie klar ablesbar. Wenn wir endlich mit deutlich mehr Einsatz an Mitteln und Personal diese Seuche an der Quelle bekämpfen, schützen wir natürlich auch uns selbst vor dem Risiko. Das ist deutlich effektiver und besser als nur hier zu Hause Schutzmaßnahmen zu planen und dabei zu hoffen, dass der Kelch an uns vorübergeht. Wir sind sehr spät dran, aber Gott sei Dank noch nicht zu spät.

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