Vom hohen Wert des Ehrenamts

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Ehrung für den am Hessischen Landesarbeitsgericht ehrenamtlich engagierten Richter Georg Bahr aus Fulda (Mitte): Gerichts-präsidentin Gabriele Jörchel und Ministerialdirigent Olaf Nimmerfroh.
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Christian Erwin (rechts) ist beim „DRK Fulda“ für das Ehrenamt zuständig. Hier im Gespräch mit "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz.
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Der Leiter der Fuldaer Feuerwehr, Thomas Helmer.

Auch in Osthessen sind ehrenamtlich Engagierte für Vereine, Verbände und Organisationen sehr wichtig 

Osthessen - Sie sind für ein funktionierendes Gemeinwesen ungeheuer wichtig, quasi die Stützen der Gesellschaft. Kein Verband und kein Verein kann es sich leisten, auf Menschen zu verzichten, die sich in ihrer Freizeit – also ehrenamtlich – engagieren. „Fulda aktuell“ wollte stellvertretend für die zahlreichen Organisationen in Stadt und Landkreis Fulda von einigen Repräsentanten wissen, warum das Ehrenamt so wichtig ist.

In unserer Region beispielsweise wären die Feuerwehren ohne das Mittun von ehrenamtlichen Kräften kaum denkbar. Im Kreis Fulda gibt es 22 Wehren, die sich wiederum in Ortsteil- und Stadtteilwehren aufgliedern. Insgesamt unterstehen dem als Fachaufsicht fungierenden Kreisbrandinspektor (KBI) rund 148 Wehren, die Stadt Fulda als Sonderstatusstadt ausgenommen. KBI Adrian Vogler hatte erst vor Kurzem im Gespräch mit unserer Redaktion betont, dass der Stellenwert des Ehrenamtes verbessert werden sollte. Dazu müssten die wachsenden Verwaltungsaufgaben auf hauptamtliche Sachbearbeiter übertragen werden. Vogler: „Zudem dürfen freiwillige Feuerwehrkräfte durch ihr Ehrenamt weder direkt noch indirekt in der Arbeitswelt benachteiligt werden. Hier sind insbesondere die Arbeitgeber gefordert“.

Große Stärke

Ehrenamtliches Engagement ist für die Gefahrenabwehr gerade auch der Stadt Fulda unverzichtbar. Zwar sei eine starke hauptamtliche Einsatzabteilung in der Lage, viele Einsätze der täglichen Gefahrenabwehr eigenständig zu leisten und somit das Ehrenamt zu entlasten, aber alle Einsätze mit einer Relevanz bezüglich Menschenrettung, größeren Punktlagen, Flächenlagen oder auch lang andauernden Einsatzlagen seien ohne Ehrenamt nicht zu leisten. „Dies hat zum Beispiel die jüngste Vergangenheit mit den Einsätzen bei ,antonius Netzwerk Mensch’ oder der Versorgungslage am Bahnhof Fulda während des Orkans ,Friederike’ sehr deutlich und eindrucksvoll gezeigt. Die ganz große Stärke der Feuerwehr Fulda ist in dem Zusammenwirken von haupt- und ehrenamtlicher Einsatzabteilung zu sehen“, sagt Thomas Helmer, Leiter der Fuldaer Feuerwehr.

Die Feuerwehr Fulda hat derzeit etwa 155 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr, 440 Mitglieder in der ehrenamtlichen Einsatzabteilung sowie rund 150 Mitglieder in der Alters- und Ehrenabteilung. Auf „deutlich über 1.500“ dürfte sich die Anzahl der Mitglieder in den Feuerwehrvereinen belaufen.

 „Das Deutsche Rote Kreuz ist die weltweit größte Freiwilligenorganisation“, betont Christian Erwin im Gespräch mit „Fulda aktuell“. Das Mitglied der Geschäftsleitung des „DRK Fulda“ , unter anderem zuständig für den Sektor „Ehrenamt“, ist stolz darauf, dass im Bereich des hiesigen Kreisverbandes etwa 500 Menschen ehrenamtlich aktiv sind: Und zwar in den Ortsverbänden Fulda, Künzell, Marbach, Tann, Gersfeld, Neuhof, Eichenzell, Flieden und in der Reiterstaffel. „Kerngeschäft ist, den Katastrophenschutz aufrechtzuerhalten. Und dazu zählen unter anderem die Bereiche Sanitäts- und Betreuungsdienst“, schildert Erwin.

„DRK-Knotenpunkt“

Vielfältige Betätigung für Ehrenamtliche gebe es auch in den Bereichen Blutspende- und Besuchsdienst, in der Arbeit mit Kindern (Jugend-Rotkreuz), natürlich ganz aktuell in der Flüchtlingshilfe sowie in der Auslandshilfe. Der „DRK-Knotenpunkt“ in der Karlstraße 13 sei Anlaufstelle für alle Bereiche des Ehrenamts: Sei es als Leihgroßeltern, in der Seniorenbetreuung oder dem Sanitätsdienst innerhalb einer Bereitschaft. Erwin: „Wir sind stolz darauf, dass uns der Wandel gelungen ist, das so genannte ,alte Ehrenamt’ mit dem ,neuen Ehrenamt’ zu verbinden. Also Engagierte einzusetzen, wenn diese auch nur punktuell helfen wollen“. Bewährt habe sich im Übrigen das System der Paten: Erfahrene Ehrenamtler stehen „Neuen“ einige Monate lang zur Seite, „und das kommt sehr gut an“. Interessierte fänden sich im Übrigen sehr oft über Mund-zu-Mund-Propaganda oder auch über die neuen Medien wie „Facebook“.

Nicht nur die (kommunale) Politik wäre ohne das Mitwirken Ehrenamtlicher ziemlich alleine gelassen, auch der Sport oder die Justiz wären ohne ein solches Engagement kaum denkbar.

Die Schöffen

Der Präsident des Landgerichts Fulda, Dr. Jochen Müller, zur Arbeit von Schöffen: „Die Zusammenarbeit der Gerichte in Fulda mit den Schöffen gestaltet sich trotz des auf beiden Seiten damit verbundenen organisatorischen Aufwandes sehr gut. Diese sind ganz überwiegend sehr interessiert, äußerst engagiert und leisten insbesondere im Zusammenhang mit der Entscheidung zu den Rechtsfolgen einer Straftat wertvolle Beiträge. Die Beteiligung der Schöffen ist aus richterlicher Sicht aber nicht nur für die Findung eines richtigen und gerechten Urteils zu begrüßen, sondern hat auch einen Mehrwert für das Funktionieren des Rechtsstaats. Die Schöffenbeteiligung ermöglicht Bürgernähe, trägt zur unmittelbaren demokratischen Legitimation der Entscheidungen der Dritten Gewalt bei und vermittelt anders als Gerichtsshows oder auch manche Berichterstattung eine unmittelbare realistische Sicht auf den Strafprozess und die Arbeit der Justiz.“

Ein treffliches Beispiel wurde im Übrigen erst diese Woche bekannt, als nämlich Georg Bahr aus Fulda für 25-jähriges Dienstjubiläum als ehrenamtlicher Richter beim Hessischen Landesarbeitsgericht in Frankfurt am Main geehrt wurde. Sein Wirken wurde von Gerichtspräsidentin Jörchel und Ministerialdirigent Nimmerfroh mit viel lobenden Worten gewürdigt.

Nachfolgeproblem

Mitunter aber ist es gar nicht so leicht, ehrenamtlich Engagierte zu finden. So fällt es derzeit beispielsweise den „Wanderfreunden Hainzell“ schwer, Vorstandsposten neu zu besetzen. Nach langen Jahren an der Spitze möchten sich der Erste Vorsitzende und die Erste Kassiererin zurückziehen. Wenn es denn Nachfolger gäbe...

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