Ehrliche Selbstkritik

Fulda. Verwechslungen, rztliche Kunstfehler, Verabreichung falscher Medizin, Infektionen. Viele Patienten kommen jedes Jahr in deutschen Kranken

Fulda. Verwechslungen, rztliche Kunstfehler, Verabreichung falscher Medizin, Infektionen. Viele Patienten kommen jedes Jahr in deutschen Krankenhusern zu Schaden. Nicht selten mit tragischem Ausgang. Da sind auch schon gesunde Beine amputiert, die falsche Niere entnommen oder das linke anstatt des rechten Handgelenks operiert worden. Fatal.

Es gibt keinen Menschen, der keinen Fehler macht. Da kann man auch die rzte nicht ausklammern, sagt Dr. Achim Hellinger, Medizinischer Direktor am Klinikum Fulda. Nahezu jeder Arzt, der Patienten behandelt, hatte schon mal mit Fast-Fehlern und/oder Fehlern zu tun. Unser aller Bestreben muss es aber sein, Fehler, die eventuell auftreten knnten, mglichst zu verhindern, sie gegen Null zu bringen. Das liegt im ureigensten Interesse des Mediziners in seiner Sorge um die ihm anvertrauten Patienten, so Dr. Hellinger.

Der Privatdozent und Medizinische Direktor der Klinikum Fulda gAG hat whrend seiner rztlichen Ausbildung bei Prof. Matthias Rothmund gelernt, in dessen Umfeld vor gut vier Jahren erstmals ein Forum fr ehrliche Fehlerdiskussion etabliert wurde, in dem rzte gleichermaen offen wie ffentlich ber ihre Behandlungsfehler sprechen und gemeinsam Strategien zur knftigen Fehlervermeidung entwickeln knnen. Allein vor diesem Hintergrund lege ich groen Wert auf Transparenz. Auch Hellinger kmmert sich um dieses Thema im Rahmen seiner Ttigkeit im rztlichen Beirat der Geschftsstelle fr Qualittssicherung in Hessen.

Vergangene Woche stellten sich in Nrnberg auf dem 10. Bundeskongress der niedergelassenen Chirurgen unter dem Motto Therapie-Ziel verfehlt eine Ursachenanalyse viele Teilnehmer, darunter auch etliche prominente Mediziner, den ebenso kritischen wie verstndnisvollen Kommentaren ihrer Kollegen. Im Jahr 2005 haben auerdem die Bundesrztekammer und die Kassenrztliche Bundesvereinigung gemeinsam das Aktionsbndnis Patientensicherheit gegrndet und ein anonymes Fehlermeldesystem, das CIRS (Critical Incident Reporting System), eingefhrt.

Unsere Philosophie am Klinikum Fulda ist, dass wir mit diesem Thema offen umgehen sowohl intern als auch nach auen, sagt Dr. Hellinger. Wir fhren in speziellen Konferenzen Analysen in Hinblick auf mglicherweise stattgefunde Fehler durch. Hier gilt: Sanktion tritt zurck hinter das Bestreben, aus Fehlern zu lernen. Damit wird eine Fehlerkultur geschaffen, die die Angst nimmt, ber dieses Thema offen zu sprechen. Zudem sind wir hinsichtlich unseres Qualittsmanagements zertifiziert und beim Risikomanagement bereits von renommierten externen Unternehmen in einer kontinuierlichen berprfung. Dies beinhaltet Fehlervermeidungsstrategien mit dem Ziel, Fehler erst gar nicht entstehen zu lassen.

Und wie sieht das Ganze in der tglichen Praxis aus? Der 47-jhrige Medizinische Direktor gibt ein Beispiel: Am Klinikum haben wir eine klare Festlegung zur Prvention von Eingriffsverwechslungen. Das heit, es wird a) der richtige Patient in einem aufklrenden Vorabgesprch durch den Operateur identifiziert, b) die Eingriffstelle mit eindeutigen Zeichen, Pfeilen und einem nicht abwischbaren Stiften markiert, c) vor der Narkose und dem Eingriff per Krankenaktenabgleich die Zuweisung zum richtigen OP-Saal veranlasst (Saal-Check) sowie d) in einem Team-Time-Out unmittelbar vor dem Schnitt, sozusagen in einem letzten Innehalten, die letzte Richtigkeitsprfung vorgenommen. Es wird also neben der selbstverstndlichen individuellen Verantwortung auf Kommunikations-, Team- und Organisationsfaktoren Wert gelegt, um Risiken zu minimieren und die Sicherheit fr unsere Patienten zu steigern.

Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist auch eine gute Atmosphre innerhalb des Behandlungsteams mit flachen Hierarchien. Dr. Hellinger: Es muss auch der jngste Arzt dem Chef ohne Angst etwas sagen knnen. Damit all das auch in der Realitt umgesetzt werden kann, braucht es neben der grundstzlichen Bereitschaft und Offenheit von allen Beteiligten interdisziplinre Konferenzen und interne Zirkel. Externe Fortbildungen runden das Ganze ab.

Und schlielich existiert fr alle Mitarbeiter ein innerbetriebliches Verbesserungswesen oder auch die Mglichkeit einer anonymen Meldung. Auch Patienten knnen im Rahmen eines Beschwerde-Management, bei dem der Patient entweder direkt in einem Vier-Augen-Gesprch oder anonym ber einen Zettel-/Briefkasten seine Anliegen und/oder Kritik vortragen kann, untersttzen. In erster Linie geht es um Verantwortung und darum, das Risiko zu minimieren und die Patientensicherheit so optimal wie mglich zu gestalten, so Dr. Hellingers Schlusswort.

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Risiko-Management effektiv etablieren

Fulda. Fehler kommen imArbeitsalltag immer wieder vor.Gerade in dem sensiblen Arbeitsfeld eines Krankenhauses muss es aber das Ziel sein, Fehler zu vermeiden.

Meist sind Fehler dabei weniger auf mangelnde Fachkompetenz des rztlichen oder pflegerischen Personals, sondern eher auf Organisations- und Koordinationsdefizite zurckzufhren das haben die Analysen im Vorfeld der Einfhrungvon Qualittsmanagement-Systemen im Krankenhaus ergeben.Nach unserer Einschtzung knnen klare Anweisungen undRegelungen die Fehlerquote deutlich reduzieren.

Arbeitsanweisungenmit Detailregelungensind Bestandteil unseres QM-Systems. Bereits 2005wurde demHerz-Jesu-Krankenhaus Fuldanach eingehender Prfung das Qualittsmanagement-Zertifikat KTQ-Procumcert zuerkannt.

Im Zuge unseres Rezertifizierungsprozesses, der Ende dieses Jahres abgeschlossen sein wird, wollen wirdarber hinausein effektives Risiko-Management etablieren. Dazu gehrt auch die regelmige interne Fehler-Diskussion mit Vertretern aller Hierarchieebenen. Unser Ziel ist es, offen und konstruktiv mit Fehlern umzugehen, um aus ihnen zu lernen und sie zu vermeiden.

Diese Bemhungen sollen dazu beitragen, eine grtmgliche Behandlungs-sicherheit fr unsere Patienten zu erreichen.

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