Eine App aus Fulda für die unterirdischen Welten

App-Entwickler Christian Zaenker bei der Datenerfassung in einer Höhle.
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App-Entwickler Christian Zaenker bei der Datenerfassung in einer Höhle.

Fuldaer Höhlenexperten sind mit ihrem Verein Finalisten des europäischen Awards „Natura 2000“.

Fulda Die Europäische Kommission hat bekanntgegeben, dass der „Verband der deutschen Höhlen und Karstforscher“ (VdHK) zu den Finalisten des „Nature 2000“-Awards gehört. Nominiert wurde die „CaveLife-App“, ein einfach zu bedienendes Werkzeug, um Höhlen gemäß den „Natura 2000“-Richtlinien einheitlich zu bewerten. Die Ideengeber und Entwickler der App stammen aus Osthessen. Stefan

Zaenker, vielen Naturfreunden als Fledermaus-Spezialist bekannt, ist Referent für Biospeläologie im VdHK.

„Die Idee zur App ist eigentlich durch unsere ständige Forschungsarbeiten entstanden. Früher haben wir die Fledermaus-Winterkontrollen mit Notizblock und Bleistift gemacht und mussten dann zuhause alles umständlich in die Datenbank übernehmen. Über die Erfassung der Fledermausdaten hinaus haben wir dann auch gleich die Objekterfassung und die Bewertung nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtline zum Inhalt der App gemacht“, sagt Zaenker gegenüber FULDA AKTUELL.

Die erste Version der App ging im Jahr 2018 an den Start und wurde seitdem stetig weiterentwickelt. „Programmierer ist und war mein Sohn und damaliger IT-Student Christian, der inzwischen Softwareentwickler für das Arterfassungsprogramm ,MultiBaseCS‘ ist, das auch das Land Hessen verwendet. Die fachlichen Inhalte der App steuerte zum größten Teil Stefan Zaenker bei. Die komplette Entwicklung der App ist ehrenamtlich erfolgt“, so Zaenker.

Zielgruppe seien vor allem Höhlenforscher und Fledermausschützer, die vor Ort bei ihren Exkursionen wissenschaftliche Daten erfassen können, die dann später in die Schutzkonzepte einfließen. „Die App wird aber auch von Naturfreunden und Wanderern genutzt, beispielsweise um dem Höhlenkataster die Koordinaten der Höhleneingänge mitzuteilen. Hierüber haben wir schon einige Höhlen erfasst, die uns bislang gar nicht bekannt waren“, sagt

Zaenker. Nutzer könnten die App zur Aufnahme von Höhlen, Bergwerkstollen, Felsenkellern, Quellen und ähnlichem verwenden. Neben den reinen Objektangaben könne auch die Tierwelt erfasst und der Lebensraum nach den Kriterien der FFH-Richtline bewertet werden.

„„Höhlen werden im Naturschutz oft übersehen, dabei sind sie Hotspots der Geo- und Biodiversität. Mit der ,CaveLife‘-App ist es nun jedem Höhlenforscher möglich, Daten bezüglich des Zustands einer Höhle sowie zur dort lebenden Artenvielfalt zu erheben. Das ist bislang weltweit einmalig“, so die „VdHK“-Vorsitzende Bärbel Vogel.

„Der Hauptnutzen besteht in der Sammlung von Daten zu unterirdischen Biotopen, die Grundlage für den Schutz dieser Lebensräume sind. Darüber hinaus ergeben sich durch die Erfassung wichtige Hinweise zu Verbreitung von Höhlentierarten. Die App wird inzwischen auch vom Bundesamt für Naturschutz zur Durchführung des europaweiten FFH-Monitorings zum Lebensraumtyp Höhle empfohlen“, erläutert der Höhlen-Experte Zaenker.

Die „CaveLife-App“ gewann im Herbst 2021 bereits den europäischen Höhlenschutzpreis. „Bei der internationalen Höhlenschutztagung in der Bundesnaturschutzakademie auf der Insel Vilm wurde die App den anderen EU-Staaten vorgestellt. Es gibt schon seit Jahren grenzüberschreitende Workshops zur Biospeläologie, wo unter anderem auch die ,CaveLife‘-App Thema ist“, sagt Zaenker.

„Das CaveLife-Projekt wurde in der Kategorie grenzüberschreitende Zusammenarbeit eingereicht“, erläutert der Entwickler Christian Zaenker. „Da das Programm in mehreren Sprachen abrufbar ist, wird es bereits aktiv innerhalb der EU und in der Schweiz genutzt. Die App wird fortlaufend weiterentwickelt und für zusätzliche Länder und Sprachen zugänglich gemacht. Es wurden keine Fördermittel für die Entwicklung beantragt.“

„Der ,Natura 2000‘-Award wäre für den, VdHK‘ enorm wichtig um sein Hauptziel, den internationalen Höhlenschutz, weiter voranzutreiben. Immer noch sind unsere Höhlen beispielsweise vom Abbau durch die Gipsindustrie bedroht, wie derzeit im Südharz. Der Gewinn des höchsten europäischen Naturschutzpreises würde die Naturschutzaktivitäten des Vereins weiter in die Öffentlichkeit rücken“, so Stefan Zaenker. Über den Link www.vdhk.de/cavelife-app kommt man auf die Voting-Seite der EU-Kommission. Abstimmen kann man bis zum 27. April.

Stefan und Christian Zaenker leiten außerdem die Aktion „Höhlentier des Jahres“ (https://hoehlentier.de). Stefan Zaenker ist auch Mitautor des Buches „Die Höhlentiere Deutschlands“, das seit zwei Jahren im Handel erhältlich ist.

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