Eine Frage der Ehre: Von Wilhelm zu Oranien bis Alois Früchtl

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Fulda. Sparkasse Fulda feiert 225-jähriges Bestehen mit großem Festakt im Hotel am Schlossgarten.

Fulda. Seit 225 Jahren können sich Bürger, Unternehmer und Kommunen auf die Sparkasse Fulda verlassen. Sie gehört damit zu den zehn erstgegründeten Sparkassen in Deutschland, ist wohl die siebtälteste unter den mittlerweile 417 in Deutschland existierenden. Das Jubiläum feierte das Kreditinstitut gemeinsam mit Gästen aus Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur und Kirche  mit einem großen Festakt im "Maritim" Hotel am Schlossgarten. "1789 bis 2014 - wir bewegen die Region", lautete die Parole an diesem Mittwochabend.

Und wie feiert man ein solches Jubiläum? Usus ist gewöhnlich im "inneren Zirkel" unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit und sich selbst lobend. Mit mindestens zwölf Festrednern. Weit gefehlt! Die Verantwortlichen um den Vorstandsvorsitzenden Alois Früchtl, seinen Stellvertreter Uwe Marohn, das Vorstandsmitglied Horst Habermehl und Marketingleiter Helmut Sauer hatten ein gleichermaßen außergewöhnliches wie kurzweiliges, informatives wie sportives Programm zusammengestellt. Launig moderiert von Matthias Schmidt, mit musikalischer Begleitung des "George Wagner-Trios" und unter dem Motto "A question of honour" ("Eine Frage der Ehre") wurde im Rahmen einer Laser-Beamer-Show  von "Sound Service" aus Eichenzell  und des Schattentheaters "de mobilis"  beides geboten: Ausblick und Rückblick in eine wechselvolle, in aller Regel jedoch von Erfolg gekrönte zweieinviertel Jahrhunderte  andauernde  Geschichte des hiesigen Geldinstituts, das den Aufstieg und die Entwicklung Fuldas von einem verschlafenen Sitz des Fürstbischofs bis hin zum heutigen Oberzentrum begleitete. Es gab wohl kaum ein größeres infrastrukturelles Projekt in Osthessen, das die Sparkasse Fulda nicht "finanztechnisch" begleitet hätte.

Hier einige wesentlichen Stationen und  Eckpunkte in der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Geldinstituts.Alles fing mit Adalbert von Harstall an, setzte sich 1805/06 mit der Gründung der Pfand- und Leihkasse fort, die auf Initiative von Wilhelm von Oranien (dem späteren König der Niederlande) im Kanzlerpalsi eingerichtet wurde, reichte über die Neugründungen der Kreissparkassen in Hünfeld (1906) und Fulda (1920), überdauerte die Weltwirtschaftskrise in 1923, als ein Pfund Brot drei Milliarden Reichsmark kostete und führte über die  Landesleihbank in 1948, eine Vereinigung der Kreissparkassen Fulda und Hünfeld von 1976, die "Verschmelzung" der Städtischen Sparkasse mit der Landesleihbank schließlich 1998 zur Fusion der Stadt- und Kreissparkasse zur  heutigen Sparkasse Fulda.

"Ganz schön spritzig", wie es der Moderator formulierte, der in Vorbereitung des Abends eifrig im Stadtarchiv gestöbert und einige bemerkenswerte Anekdoten und lustige historische Schmankerln zum Vorschein befördert hatte. Etwa, dass das Fuldaer Institut zweifelsohne Hessens älteste Sparkasse ist. Dass die Sparkasse in ihren Gründungsjahren maximal zwei Mitarbeiter zählte. Dass nur einmal pro Woche an einem Nachmittag geöffnet war.  Dass der Tresor seinerzeit (sofern er den Namen überhaupt verdiente, denn es handelte sich allenfalls um eine eisenbeschlagene Kiste) im Schlafzimmer des Hausmeisters auf dem Dachboden an der Diele verschraubt war  und der zweite Mann, der einen Schlüssel hatte, quasi über das Bett, die Kiste des Hausmeisterehepaars, sich zur Tresor-Truhe vorkämpfen musste. Und schließlich, dass sich ein Polizeidirektor namens Karg 1810 in einem Protokoll darüber beklagte,  dass die Leute quasi alles Mögliche ins Pfandleihaus schleppten, nur um an Lotterbällen teilzunehmen oder anderen lustvollen Dingen zu frönen.

Nach der Kost für das Auge und den Magen gab es schließlich noch geistige Nahrung in Form einer Talkrunde. Unternehmer Burkhard Hahner, "Bilanz"-Herausgeber Arno Balzer, Fuldas Landrat Bernd Woide und der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, diskutierten über das Selbstverständnis von Sparkassen in der heutigen globalisierten und zukünftig noch mehr digitalisierten Welt. Das Quartett war sich einig, dass bei allen Geldgeschäften auch heute und gerade in der Zukunft immer noch der Mensch, das Menschliche im Mittelpunkt des kundenorientierten Handelns stehen sollte.

Beim Wunsch von Balzer, die Sparkasse Fulda sollte doch im Rahmen eines "originellen und cross boarder-Deals" die Sparkasse Schweinfurt übernehmen, wollte der frühere Bayerische Finanzminister Fahrenschon denn doch "lieber den Telefon-Joker" ziehen. Und Alois Früchtl beruhigte auch sogleich seinen Vorstandkollegen Friedrich aus Bad Kissingen. Es bleibe bei einer freundlichen Zusammenabeit im Kreditgeschäft, eine feindliche grenzüberschreitende Übernahme bayerischer durch hessische Sparkassen sei in naher Zukunft nicht geplant.  "Dann sehen wir uns in 25 Jahren zum 250. Jubiläum wieder", hatte Woide in der Runde das Schlusswort. "Ob unter hessischer oder bayerischer Oberhoheit und mit oder wahrscheinlicher ohne uns, bleibt abzuwarten."

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