Eine Ära geht zu Ende: Dr. Kraft schließt Praxis in Fulda

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Bekannter Allgemeinmediziner, Kinderarzt und Ernährungsexperte schließt zum 30. Juni 2016 seiner Praxis in Fulda. Schwer, Nachfolger zu finden.

Fulda. Als Dr. Ulrich Kraft nach seiner Facharztausbil­dung in der Kinderklinik Ful­da und einer Assistenz in ei­ner kinderärztlichen Praxis in Hünfeld 1993 seine eigene Praxis als Facharzt für Kin­der- und Jugendmedizin er­öffnete, konnte niemand ah­nen, dass sie sich auf diesem Sektor zu der größten Kinderarztpraxis in Hessen entwickeln würde. So viele Patienten betreuen zu dürfen – darauf konnte der Mediziner stolz sein. Doch sein Bestreben war und ist es, "eine sinnvolle Medizin zu machen, die nach Ursachen sucht, anstatt nur Symptome zu behandeln."

Ereignisse in der eigenen Fa­milie brachten Dr. Kraft auf die Spur der Ernährung als ei­ne der Ursachen für sehr viele Krankheiten. Im Laufe der 25 Jahre als niedergelassener Arzt ist aus der Kinderarzt­praxis eine "gemischte" Pra­xis für Kinder und Erwachse­ne geworden. Die Ernäh­rungsmedizin spielte in den vergangenen Jahren, vor al­lem seit der Umstellung 2011 von der Kassenarzt- auf Privatpraxis, eine immer größere Rolle. "Mit der Privatpraxis konnte ich ohne Einengung durch die Krankenkassen die Medizin praktizieren, die ich auch heute noch verantwor­ten kann", sagt Dr. Kraft. "Ich hatte Patienten, die bereit wa­ren, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Wir sind Allergien und Nahrungs­mittelunverträglichkeiten auf den Grund gegangen, haben Nährstoffmangel wegen ge­schädigter Darmflora, Stoff­wechselerkrankungen auf­grund falscher Ernährung und Verhaltensauffälligkei­ten, Depressionen und Burn­out-Syndrome infolge Vita­minmangels aufgespürt."

"Jede Ära geht einmal zu En­de, auch die unserer Praxis. Ich habe das Rentenalter deutlich überschritten und den Praxisbetrieb trotzdem aufrechterhalten, da ich im­mer auf einen Praxisnachfol­ger gehofft habe. Trotz inten­siver Suche konnte kein Arzt gefunden werden, der den ganzheitlichen Aspekt der Praxis hätte erfüllen können. Daher schließe ich zum 30. Ju­ni 2016 die Pforten meine Pra­xis in Fulda", bittet der weit­hin bekannte Mediziner um Verständnis.Da er aber sein Wissen weiterhin an Patien­ten und interessierte Kollegen weitergeben möchte, wird er eine beratende Tätigkeit in Form eines Instituts ("Ge­sundheitsinstitut Dr. Kraft") weiterführen. "Hier werde ich auch weiterhin für alle bishe­rigen Patienten mit laufenden Therapien und in Sachen Er­nährungsmedizin, Kryptopyr­rolurie und Darmgesundheit zur Verfügung stehen."

Dr. Kraft bedankt sich zum Abschied bei all seinen klei­nen und großen Patienten für das langjährige Vertrauen und die Anerkennung seiner Ar­beit. Und natürlich auch bei seinen Arzthelferinnen. "Ich hoffe, dass sie alle in anderen Praxen eine Anstellung fin­den, in denen ihre überragen­den Kenntnisse und Fähigkei­ten ihre Wertschätzung fin­den."

Ein großer Dank gilt auch sei­ner Frau Jarmila, die ihm über Jahrzehnte den Rücken frei­gehalten hat. "Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Nur so konnte ich meinen Beruf zur Berufung machen und mich ihm aus ganzem Herzen und mit Über­zeugung widmen", so Dr. Kraft.

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Vita Dr. Ulrich Kraft: Der Experte für Ernährungsmedizin

•  geboren 1951 in Reutlingen• 1969 Schreinerlehre, 1972 Gesellenprüfung als Schreiner mit Auszeichnung durch die "Handwerkskammer Reutlingen"• 1972 Tätigkeit in einer Möbelfabrik in der Nähe von Haifa in Israel• 1972 bis 1975 "Abendgymnasium Reutlingen" mit Abschluss der Allgemeinen Hochschulreife• 1972 bis 1975 Tätigkeit als Schreiner• 1976 bis 1977 Zivildienst in der "Medizinischen Universitätsklinik Tübingen"• 1977 halbjähriger Studienaufenthalt in Japan• 1978 bis 1983 Medizinstudium an der "Philipps-Universität Marburg"• 1985 Assistenzarzt in der Gynäkologischen Abteilung am  "Kreiskrankenhauses Frankenberg"• 1985 bis 1987 Assistenzarzt in der "Neurochirurgischen Klinik" der "Städtischen Kliniken Fulda"• 1988 Dissertation "Probleme der hereditären Gehörlosigkeit" (Prof. Töllner/Fulda)• 1987 bis 1992 Assistenzarzt und Funktionsoberarzt in der "Kinderklinik" der "Städtischen Kliniken Fulda"• 1992 Facharztprüfung• seit 1993 niedergelassen als Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Fulda, Buttlarstraße 20• 2007 Veröffentlichung des Buches "Therapieguide", ein  Handbuch für naturheilkundlich tätige Ärzte durch die Firma "INDAGO" in Leipzig• seit 2010 Lehrbeauftragter der "Donau-Universität Krems" in Österreich für die Fächer Ernährungsmedizin und Kindesentwicklung• März 2011 Aufgabe der kassenärztlichen Praxis für Kinder- und Jugendmedizin und Beginn einer privatärztlichen Gesundheitspraxis mit Schwer-punkt  Ernährungsmedizin

Allgemein

• Autor zahlreicher Zeitungsbeiträge und Veröffentlichungen zur Ernährungsmedizin und Kinderheilkunde• zahlreiche Vorträge zur Ernährungsmedizin, Referent bei verschiedenen Kongressen, Ernährungsinstituten, Schulen, VHS und Industrie:

Privat

• verheiratet mit der Diplompädagogin und Germanistin Jarmila Kraft, zwei erwachsene Töchter.

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K

Am 30. Juni schließt die privatärztliche Gesund­heitspraxis von Dr. med. Ul­rich Kraft in Fulda. Das Red­aktionsteam von "Fulda ak­tuell" mit Jennifer Sippel, An­tonia Schmidt, Christopher Göbel und Hans-Peter Eh­rensberger hat mit dem Fach­arzt für Kinder - und Jugend­medizin gesprochen, der als langjähriger Partner unserer Wochenzeitung und in unse­rer Sonderpublikation "Ge­sunde Seiten" vielen Lesern mit medizinischen Ratschlä­gen geholfen hat.

Fulda aktuell (FA): Was ist der Hauptgrund, dass Sie Ihre Praxis aufgeben? Dr. med. Ulrich Kraft: Mein Alter. Ich bin jetzt 65 und im  Rentenalter. Ich hoffte, ei­nen geeigneten Nachfolger zu finden, aber das hat leider nicht geklappt. Ich habe mehr als ein Jahr lang in einschlägi­gen Zeitschriften wie dem "Deutschen" und "Hessischen Ärzteblatt" inseriert, aber es war niemand dabei, der mei­nen Anforderungen entspro­chen hätte.

FA: Waren Ihre Ansprüche zu hoch? Dr. Kraft: Nein. In meinem Be­ruf spielen jedoch Alter und Erfahrung eine wesentliche Rolle, gerade was die Ernäh­rungsmedizin und ganzheitli­che Betrachtungsweise be­trifft. Nur Kinderärzte und Allgemeinmediziner sind im Prinzip Ganzheitsmediziner. Sie müssen ein sehr großes Spektrum an Krankheitsbildern überschauen können. Ernährungsmedizin und Naturheilkunde sind zusätzliche Herausforderungen. In der heutigen Ärzteausbildung kommt die ganz­heitliche Medizin leider viel zu kurz. Alles Gründe, die die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für meine Praxis erschwert haben. Einem geeigneten Bewerber hätte ich die Praxis gern für einen symbolischen Euro überlassen.

FA: Sie sehen die Ernährung als Hauptursache für sehr viele Krankheiten an. Warum? Dr. Kraft: Ja. Viele akute und chronische Erkrankungen sind durch Fehlernährung und Stoffwechselstörungen bedingt – das reicht von Befindlichkeitsstörungen bis zu schwerwiegenden Erkrankungen. Ich habe ein halbes Jahr in Japan gelebt. Dort kommt dem Thema Ernäh­rung eine viel größere Bedeu­tung zu als bei uns in Deutsch­land. Auch ein privater Auslö­ser in meiner Familie ließ mich intensiver damit be­schäftigen. Allein der Mangel an einem einzigen Nährstoff kann zu schwerwiegenden Krankheiten führen. Meist zeigen sich die Folgen der Fehlernährung erst nach vielen Jahren. Zum Beispiel beweisen Studien aus Deutschland und den USA, dass ein Drittel der Krebserkrankungen ernährungsabhängig entstehen. Es ist sicherlich etwas teurer, sich mit hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen. Für mich ist es aber keine Alternative, vermeidbare Folgekrankheiten lebenslänglich mit teuren Medikamenten (auf Kosten der Krankenkassen) zu bekämpfen. Nicht zuletzt deshalb habe ich meine 1993 eröffnete Kassenarztpraxis im Jahr 2011 auf eine Privat­praxis umgestellt, weil ich in diesem System nicht prakti­zieren konnte. Für mich war es wichtig, eine Medizin machen zu können, hinter der ich ste­hen kann.

FA: Inwieweit ist die Aufklärung, was Ihren Behandlungsansatz betrifft, und das Mitwir­ken der Pa­tienten  für den Behand­lungserfolg entscheidend? Dr. Kraft: Es geht letztlich da­rum, Patienten in Eigenver­antwortung zu nehmen und sie von einer gesunden Lebensführung und Er­nährung zu überzeugen. Immer mehr Menschen sind bereit, viel für die eigene Gesundheit zu tun. Andere wiederum sind schwer davon zu überzeugen, dass sie selbst für ihre Gesundheit verantwortlich sind. Als Privatarzt hatte ich vor allem mit den ersteren zu tun, also mit motivierten Patienten, die bereit waren, sich für ihre Gesundheit aktiv einzusetzen. Dazu haben sie auch ihre Kinder erzogen, für die ganz selbstverständlich war, es später den Eltern gleichzutun. In solchen Fällen war der Wille zur Gesundheit bereits der erste Schritt zum Therapie-erfolg, denn Gesundheit beginnt immer im Kopf.

FA: Was wür­den Sie Ihren Patienten emp­fehlen, wohin sie gehen könn­ten? Dr. Kraft: Das ist die schwie­rigste Frage überhaupt. Insge­samt dürfte ich viele tausend Patien­ten in meinem Computer ge­speichert haben, zuletzt wa­ren es mehrere hundert Patienten,  zu denen ich engeren persönlichen Kontakt hatte. Ihnen kann ich alle meine Kollegen empfehlen, denn alle geben ihr Bestes, auch wenn sie meine Spezialisierung in Ernährungs- und Orthomolekularmedizin nicht haben. Da werden sich meine Patienten sicher auch außerhalb von Fulda umschauen müssen. Wichtig wäre es für sie, einen Medizin-Allrounder zu finden, der – wie es bei einem Kinderarzt grundsätzlich sein sollte – seine kleinen Patienten ganzheitlich betrachtet und behandelt. Genau das habe ich an dem Beruf so gemocht.

FA: Wie sieht Ihre persönli­che Zukunft aus? Dr. Kraft: Mich nun komplett zur Ruhe setzen und nichts mehr tun, das kann ich nicht. Des­halb werde ich meine bisherigen Lehraufträge an der Donau-Universität in Krems, Österreich, an der, Charité’ in Berlin und an der Rhön-Akademie Schwarzer­den’ wahrnehmen. Ich werde Weiterbildungen anbieten und Vorträge halten. Außerdem möchte ich auch weiterhin als Berater für Kollegen, Labore und Privatpersonen tätig sein.  Außerdem freuen wir uns, meine Frau und ich,  nach gut 30 Jahren, einmal wieder ganz spontan in den Urlaub fahren zu können. Zudem habe ich – als gelernter Schreiner - einen Drechsel-Kurs gemacht und mir bereits eine kleine Holzwerkstatt zuhause ein­gerichtet. So wird es mir nicht langweilig.

FA: Wie sah das schönste Er­folgserlebnis in Ihrer langen Laufbahn als Mediziner aus? Dr. Kraft: Da gab es viele. Mir sind viele dank­bare Patienten in bester Erin­nerung geblieben, denen ich beispielsweise bei Darm-, Haut- oder psychischen Pro­blemen helfen konnte. Oder Kinder, die ihre  Ängste aufgrund der Behandlung  verloren haben und neue Verhaltensweisen annehmen konnten, und deren Eltern, die ich von ihrem  schlechten Gewissen, sie hätten in der Erziehung versagt, befreit und ihnen einen neuen positiven Zugang zu ihren Kindern ermöglicht habe. Ich ha­be alle meine Patienten, jeden einzelnen Menschen ernst ge­nommen, nach den Ursachen für dessen Krankheiten ge­sucht, und nicht nur die Symp­tome behandelt. Und dabei den Spagat zwischen Schul­medizin und Naturheilkunde hinbekommen, so glaube ich jedenfalls. Und das ist sicher kein Widerspruch. Denn je mehr Methoden und Werkzeuge man hat, desto mehr Möglich­keiten zur Heilung kann man anwenden.

FA: Wen werden Sie am meis­ten vermissen? Was wird Ih­nen fehlen? Dr. Kraft: Natürlich meine Patienten und mein Personal. Die unglaubliche und ehrliche Ausdrucksweise der Kinder, wenn es da­rum ging, ihre Krankheits­symptome zu beschreiben. Die Spiele, Gespräche und Erklärungen, um ihnen die Angst vor der Untersuchung zu nehmen. Im, Klinikum’ erkannten die Ärzte in der Notaufnahme gleich, welche Kinder aus meiner Praxis waren. ´Das sind Patienten von Dr. Kraft! ’, hieß es, wenn ein Kind vor dem Abhö­ren dem Untersucher die Hand entgegenstreckte. Ich ließ nämlich die Kinder vor dem Abhören im­mer an Hand oder Arm fühlen, ob das Stethos­kop warm oder kalt war. Fehlen werden mir auch die Hausbesuche bei meinen Pa­tienten, die das persönliche Verhältnis noch verstärkten. Richtig ab­schalten konnte ich schlecht, im Geiste war ich immer bei ihnen. Nun macht es mich natürlich traurig, auf all das verzichten zu müssen. Fehlen werden mir auch meine Mitarbeiter. Wir waren ein ganz tolles Praxis­team. Ich habe viel von meinen Arzthelferin­nen gelernt. Sie waren sehr hilfreich, weil sie ein gutes medizinisches Verständnis und Wissen haben und damit ebenfalls zum Praxiserfolg beigetragen haben. Danken möchte ich auch den Auszubildenden und den Praktikanten in der Praxis. Und auch das Klingeln meines privaten Handys, das meinen Patienten rund um die Uhr zur Verfügung stand. Wobei ich gleich dazu sagen muss, dass dieses Angebot nie missbraucht wurde.  Da­für und für ihr jahrelanges Vertrauen möchte ich mich bei allen kleinen und großen Patienten und bei allen Mitarbeiterinnen herzlich bedan­ken. Bitte bleiben sie gesund!

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