Für eine gesunde Pflanze: Familie Kersten steht für nachhaltige Landwirtschaft

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Die Landwirte Jochen (links) und Lukas Kersten nehmen seit 2017 am Projekt „Schau ins Feld!“ teil.

Die Bauernfamilie Kersten aus Maberzell steht für nachhaltige Landwirtschaft und möchte für gesunde Pflanzen aus der Region sorgen.

Fulda - „Wir haben in Deutschland die Möglichkeit, gutes Getreide und Früchte zu pflanzen“, ist Landwirt Lukas Kersten überzeugt. Gemein- sam mit seinem Vater Jochen bewirtschaftet er 190 Hektar Land rund um Maberzell. Die Familie Kersten ist Pächter der Domäne und baut Getreide, Gerste, Weizen und Mais an. „Zukünftig werden wir auch Bohnen anpflanzen“, so Lukas Kersten. Das Land wird von der Familie konventionell bewirtschaftet, also auch mit Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln. „Alles im gesunden Maße und natürlich effizient“, versichert Jochen Kersten. Denn zum einem sollen die Pflanzen nicht unnötig behandelt werden und zum anderen ist der Einsatz der Mittel auch eine finanzielle Überlegung. „Die Dünge- und Pflanzenmittel sind nicht kostenlos, also wäre jeder unnötige Einsatz auch Geldverschwendung“, macht der 26-jährige Lukas klar. Die Kerstens legen Wert auf eine gesunde und gute Pflanze. „Doch leider“, so Lukas Kersten, „wird der Ruf der konventionellen Landwirtschaft immer schlechter.“

Das Düngefenster soll zeigen, wie die selben Pflanzen ohne Dünge- und Pflanzenschutzmittel wachsen.

Seit 2017 sind die Landwirte Teil der Aktion „Schau ins Feld!“. Mit dieser möchte die Initiative „Pflanzenschützer“ Schluss mit Vorurteilen gegenüber der konventionellen Landwirtschaft machen. „Wir bringen den Dünger mit einer Spritze auf, um zu schauen, was die Pflanze braucht“, erklärt Lukas Kersten. Mit dem punktgenauen Einsatz des Mittels können die Landwirte kontrollieren, welche Pflanze gedüngt wurde und welche nicht. „Um zu sehen, wie viel Mittel die Pflanze benötigt, lasse ich ein kleines Stück aus und lege so eine ,Kontrollkultur‘ an, die nicht behandelt wird“, so der Landwirt. Diesen Stück dient ebenfalls als „Fenster ins Feld“. „Wir machen das bei jedem Feld, nur sieht es der Verbraucher nicht immer“, ergänzt der Vater. Eines der Maisfelder der Familie liegt direkt am Radweg R1, der entlang der Fulda auch an Maberzell vorbei führt. „Die Lage ist perfekt für ein solches Projekt“, sagt Lukas Kersten. Mit einem Schild wird das „Schaufenster“ er- klärt und der Sinn und Zweck des Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmittels aufgezeigt.

Ziel des Projektes ist: „Dem Verbraucher zu zeigen, dass wir ohne die konventionelle Landwirtschaft nicht ausreichend ernten könnten. Denn wie man sieht, nimmt das Unkraut dem Mais den ganzen Platz und auch das Wasser weg.“ „Der Verzicht auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel stellt dennoch keine BIO-Landwirtschaft dar“, hält Jochen Kersten fest. Die BIO-Landwirtschaft erfolgt durch weitere Methoden wie andere Fruchtfolgen und vielem mehr. Fruchtfolgen werden auch in der konventionellen Landwirtschaft befolgt, und auch mit der Zwischenfrucht tut die Familie etwas für die Umwelt. 60 Hektar werden dann zur Blumenweide für die Bienen. „Für uns ist Nachhaltigkeit ebenfalls ein wichtiges Thema. Wir stehen für Regionalität und sind der Meinung, dass besonders die Produkte aus der Region beim Verbraucher landen und nicht einmal um die Welt geflogen werden sollten“, so Lukas Kersten. Aufmerksam geworden sind die beiden auf das Projekt durch einen Kollegen aus Großenlüder. „Ihm wurde schon damals das Schild zerstört“, erinnert sich Jochen Kersten. Die Maberzeller Landwirte bleiben auch nicht vom Vandalismus verschont. „Uns wurde im vergangenen Jahr das Schild zweimal zerstört, wir wissen nicht, wer es war“, erzählt der Sohn und entdeckt zugleich eine Botschaft auf dem neuen Schild – geschrieben von einem an- geblichen BIO-Landwirt. „Es ist traurig, dass manche Menschen unsere Art der Landwirtschaft nicht akzeptieren und unser Projekt zerstören“, sagt Lukas Kersten und stellt klar: „Durch den Einsatz von Schutzmitteln bezwecken wir gesunde Pflanzen, die wir da- mit beispielsweise vor Pilzbefall schützen. Daher tragen wir mit diesen Methoden zu hochwertigen Produkten aus unserer Region bei.“

Hintergrund: "Schau ins Feld!"

Die Aktion „Schau ins Feld!“ wurde erstmals 2015 ausgerufen – etwa 180 Landwirte nahmen mit rund 300 Schau!-Fenstern teil. 2016 wurde die Aktion fortgesetzt. Diesmal legten 300 Landwirte mehr als 600 Schaufelder an. 2017 gab es einen Teilnahmerekord: Über 500 Landwirte nahmen mit über 1.000 Schau!-Fenstern an der Aktion teil. 2018 ist die Zahl der Teilnehmer und der Schau!-Fenster erneut gestiegen: Über 640 Teilnehmer legen deutschland- weit mehr als 1200 Schaufelder an.

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