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Eine neue Evangelische Kirche?

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Referat fhrte in die vorgeschlagene Revision der Kirchenordnung einBilder:1: Professor Dr. Peter Scherle und Dr. Volker Jung stellten vor den Ki

Referat fhrte in die vorgeschlagene Revision der Kirchenordnung ein

Bilder:1: Professor Dr. Peter Scherle und Dr. Volker Jung stellten vor den Kirchenvorstehern des Evangelischen Dekanats Vogelsberg die geplante Revision der Kirchenordnung vor.2: Interessiert verfolgten die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher den Vortrag des Experten und diskutierten anschlieend die Plne der Kirchensynode.

Vogelsbergkreis. Eine neue Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN)? so lautete der Titel eines Vortrags, den Professor Dr. Peter Scherle, seines Zeichens Direktor des Theologischen Seminars Herborn, vor Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorstehern des Dekanats Vogelsberg in Maar hielt. Prses Annedore Radvan begrte den Theologen, der seine Zuhrer in die vielschichtigen nderungen der vorgeschlagenen Revision der Kirchenordnung (KO) einfhrte. Das Plenum nahm die Informationen interessiert auf und diskutierte die Plne im Anschluss an das Referat unter der Moderation von Dekan Dr. Volker Jung.

Zum Hintergrund: Die Kirchensynode der EKHN hatte auf ihrer Tagung im vergangenen April die Revision in erster Lesung beraten. Die KO beschreibt die theologischen und rechtlichen Grundlagen fr die Kirchengemeinden, Dekanate sowie die Gesamtkirche und stellt damit die verfassungsrechtliche Grundlage der EKHN dar. Den Revisionsentwurf und weiterer Gesetze (wie die Neufassung der Kirchengemeindeordnung) haben der Kirchenordnungsausschuss der Synode unter der Leitung von Professor Dr. Hermann Weber und Pfarrer Dr. Ulf Hbel erarbeitet. Der Ausschuss schlgt berarbeitete Strukturen der Kirchengemeinden und Dekanate sowie klarere und straffere Leitungsstrukturen auf gesamtkirchlicher Ebene vor. Dazu gehrt auch, der leitenden geistlichen Person in der EKHN nicht mehr die Amtsbezeichnung Kirchenprsident sondern den Titel Bischof zu geben, sowie der Verzicht auf das Leitende Geistliche Amt als Organ der EKHN. Die neue KO soll deutlich krzer werden, da der Entwurf vieles strafft oder in nachgeordnete Gesetze berfhrt. Die Kirchensynode, die gem der KO das magebliche Organ der geistlichen Leitung und kirchlichen Ordnung ist, wird den Entwurf in drei Lesungen beraten. Eine endgltige Entscheidung ist frhestens im November zu erwarten.

Prses Professor Dr. Karl Heinrich Schfer hatte im Frhjahr erklrt, dass bei der Kirchenordnungsrevision bewhrte Strukturen mit der notwendigen Offenheit fr neue Wege und gesellschaftliche Wandlungsprozesse in Einklang gebracht werden mssten. Dabei solle die Synode den im Entwurf vorgeschlagenen Spagat zwischen Bewahrung des historischen Erbes und den bewhrten Strukturen einerseits und klarstellenden nderungen und inhaltlicher Neuorientierung andererseits sorgfltig prfen und bewerten. Die Leitungsstrukturen der EKHN seien in den vergangenen 60 Jahren im Wesentlichen unverndert geblieben. Dies zeuge von starker Kontinuitt und gebiete Respekt und Anerkennung vor der Leistung unserer Verfassungsvter. Schfer hatte betont, dass der Grundartikel der EKHN, der ein Markenzeichen der Kirchenordnung der EKHN sei, nicht verndert werden solle. Er stammt von Martin Niemller und wurde 1991 um eine Aussage zum Verhltnis von Juden und Christen ergnzt. Auf ihn werden alle Pfarrerinnen und Pfarrer der EKHN ordiniert. Reformen seien aber erforderlich, um die Gestaltungsfhigkeit der EKHN angesichts einer Zukunft, die viele Vernderungen mit sich bringen werde, zu verbessern. Die Aufgabe einer Kirche sei, so Schfer, das Gercht von Gott nirgends und nie verstummen zu lassen. Demzufolge msse die Kirche angemessen auf die Menschen in ihren konkreten und verschiedenen Lebenswelten zugehen. Dem diene die berarbeitung der Kirchenordnung. Sie flexibilisiere das Handeln der Kirche.

Der Entwurf soll die EKHN strker als missionarisch orientierte Volkskirche profilieren. Das Leitbild wird mit den Begriffen offen, einladend, aufsuchend, gesellschaftsbezogen beschrieben. Laut Entwurf sollen neben den traditionellen Gemeindeformen auch neue Anstze ausdrcklich erwnscht sein und erprobt werden. Der Kirchenvorstand soll knftig zwingend von einem Ehrenamtlichen geleitet werden und mehr Aufgaben an Ausschsse delegieren knnen. Mehr Beteiligung soll auch eine strkere Stellung der Gemeindeversammlung ermglichen. Die Ergebnisse der Strukturreformen, die das Dekanat als Kirche in der Region gestrkt haben, sollen in die KO einflieen. Der Entwurf betone das Dekanat als Gestaltungsraum fr missionarisch orientiertes Handeln in der Region. Das Dekanat werde dabei nicht als Addition der Ortsgemeinden verstanden, sondern als Gemeinschaft der Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen in der Region. Entsprechend werde die bisherige Funktion der Gemeindeaufsicht durch den Begriff Mitverantwortung der Gesamtkirche ersetzt. Damit werde das Augenmerk von der Kontrolle auf die Befhigung und Untersttzung der Gemeinden und der berwiegend ehrenamtlich besetzten Leitungsorgane auf Dekanats- und Gemeindeebene verschoben.Dem Entwurf der neuen KO liege das Ziel zugrunde, die derzeit eng miteinander verflochtenen Leitungsstrukturen zu vereinfachen sowie Doppelstrukturen, -zustndigkeiten und personelle -zugehrigkeiten zu vermeiden. Dazu sollen die Verantwortungsbereiche klarer der Synode, Kirchenleitung und Kirchenverwaltung zugeordnet werden. Der Ausschuss schlug deshalb eine andere Zusammensetzung der Kirchenleitung (KL) vor.

Die zwei Sitze, die bisher der Kirchensynodalvorstand besetzt, sollen zwei von der Synode gewhlte Gemeindemitglieder bekommen. Die Leiterin der Kirchenverwaltung solle der KL nicht mehr als stimmberechtigtes Mitglied sondern nur noch beratend angehren. Aus dem Kreis der Prpste und Prpstinnen, die derzeit im rollierenden Verfahren jeweils einen Platz in der KL besetzen, soll die Synode knftig zwei in die KL whlen. Aufgabe der Prpstinnen und Prpste solle es knftig sein, die KL in geistlichen und theologischen Fragen zu beraten und in ihrem Auftrag die geistliche Leitung im Gebiet der Propstei, darunter auch die Dienstaufsicht ber die Dekaninnen und Dekane auszuben. Das Leitende Geistliche Amt, das derzeit aus den sechs Prpstinnen und Prpsten sowie dem Kirchenprsidenten und seiner Stellvertreterin besteht, soll als Organ nicht mehr fortgefhrt werden. Die Leitungsverantwortung wrde sich damit auf die KL mit dem Leitenden Geistlichen an der Spitze und die Synode, die nach wie vor das magebende Organ der geistlichen Leitung der Gesamtkirche ist, konzentrieren.

Fr die geistliche Leitung soll die bisherige Amtsbezeichnung Kirchenprsident in Bischof gendert werden. Der Kirchenordnungsausschuss hatte betont, dass es sich dabei nicht um ein hierarchisches, sondern um ein synodales Bischofsamt handele, weil der Bischof von der Kirchensynode auf Zeit gewhlt werde und wie bisher fr die Amtsfhrung der Synode gegenber verantwortlich sein solle. Der Nachfolger des Ende 2008 aus dem Amt scheidenden Kirchenprsidenten Professor Dr. Peter Steinacker wird noch fr die derzeitige Amtsbezeichnung gewhlt, da die synodalen Beratungen bis zum 27. September, dem vorgesehenen Wahltag fr die Nachfolge von Steinacker, nicht abgeschlossen seien. Der Entwurf der KO nhere die EKHN verfassungsrechtlich an die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck an. Das knne weitere Kooperationen beider Kirchen erleichtern.

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