Ein Leben mit Musik: Anton Möller 78 Jahre lang Organist

78 Jahre lang spielte Anton Möller die Orgel in der Steinauer Kirche. 	Fotos: Göbel
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78 Jahre lang spielte Anton Möller die Orgel in der Steinauer Kirche. Fotos: Göbel

Mit zehn Jahren erlernte der heute 90 Jahre alte Anton Möller aus Steinau das Orgelspielen. Seitdem spielt er das Instrument fast jeden Tag.

Petersberg. Alles begann 1937, als Anton Möller aus Steinau zehn Jahre alt war. Da dessen Vater Küster der katholischen Kirche in Steinau war und dort ein Organist gesucht wurde, bat ihn der damalige Pfarrer, wenigstens einen der drei Söhne das Orgelspielen erlernen zu lassen. "Früher wurde man nicht gefragt. Ich war dann derjenige”, erzählt Möller, der in diesem Jahr seinen 91. Geburtstag feiern kann.

Seinen ersten Orgelunterricht bekam er bei einem Schreinermeister aus Wiesen. Am 20. Dezember 1937 war es dann soweit: Anton Möller wurde Organist in Steinau. "Da der Zweite Weltkrieg kurz danach ausbrach, war ich bald alleinverantwortlich für das Orgelspiel”, erinnert sich Möller. Seinen Unterricht beim damaligen Domorganisten und einem Pfarrer vom Frauenberg setzte er fort und so spielt er die Orgel seit nunmehr 78 Jahren.

Orgelpause im Weltkrieg

Als er mit 17 Jahren zum Reichsarbeitsdienst eingezogen wurde, musste er seine Tätigkeit als Organist ruhen lassen. Doch am 23. Mai 1945 kehrte er zurück in sein Elternhaus in Steinau und erlernte das Schneiderhandwerk. Als Organist seiner Heimatpfarrei war Möller seitdem ununterbrochen tätig. Nicht nur bei den sonntäglichen Messen, sondern auch bei Gottesdiensten an Werktagen, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen. "Ich habe schon sehr viele Steinhäuser zum Grab begleitet”, sagt er mit Wehmut in der Stimme, denn vor drei Jahren starb seine geliebte Ehefrau Maria. Sie besucht der 90-Jährige regelmäßig auf dem Steinauer Friedhof, von dem man den Blick in die Weiten der Rhön schweifen lassen kann.

Er übernahm den elterlichen Betrieb als Schneidermeister und im Laufe der Zeit verlegte sich das Geschäftsfeld auf den Bedarf der Feuerwehren. Denn Möller gehört der Freiwilligen Feuerwehr Steinhaus bereits seit 76 Jahren an und war von 1957 bis 1983 Ortsbrandmeister seines Heimatortes.

Möller kann viele Kirchenlieder auswendig, spielt aber lieber nach Noten. Vier- bis fünfmal pro Woche ließ er die Finger über die Tasten gleiten und entlockte der Orgel in der Steinauer Kirche sakrale Klänge. "Ich habe vier Neuauflagen des Gesangbuches miterlebt”, sagt er. Am vergangenen Sonntag gab er endgültig das Zepter an der Orgel aus der Hand. Tausende Male war er die 29 Stufen zur Orgelempore hinaufgestiegen, um das zweimanualigen Instrument mit Pedal zum Klingen zu bringen.

Aber das jahrzehntelange Organistenleben hatte auch Schattenseiten. "Meine Familie hat darunter gelitten, dass der Papa keine Ausflüge mitmachen konnte, weil er Orgel spielen musste”, sagt Möller, der vier Kinder, elf Enkel und zwei Urenkel hat. Von den Nachkommen spielen viele Instrumente: Akkordeon, Gitarre, Querflöte, Konzertflöte und Klavier. Er selbst hat das "St. Florians Lied” auf die Melodie eines Kichenliedes gedichtet, das über die Grenzen Hessens hinaus von vielen Brandschützern gesungen wird.

Wände voller Ehrungen

In seinem Wohnzimmer hat er eine weltliche und eine kirchliche "Erinnerungswand”. Dort hängen die zahlreichen Urkunden, die er für seine berufliche Karriere, seine Tätigkeit bei der Feuerwehr und als Organist für das Bistum Fulda erhalten hat. Bundespräsident Horst Köhler verlieh im Jahr 2008 das Bundesverdienstkreuz, Bischof Heinz Josef Algermissen 2007 die Verdienstmedaille des Bistums Fulda.

Anton Möller kann auf ein von Musik und ehrenamtlichem Einsatz als Feuerwehrmann geprägtes langes Leben zurückblicken, mit dem er den Menschen stets Freude bereitete. Die Orgeltasten lässt er auch mit 90 Jahren nicht ruhen, denn den Schlüssel zur Kirchenorgel hat er noch – und auch in seinem Wohnzimmer kann er die Finger weiterhin an der Heimorgel über die Tasten schweifen lassen.

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