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Einsatz für die Ur-Enkel: In 100 Jahren unter heute gepflanzten Bäumen

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Von: Christopher Göbel

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Der hessische Staatswald ist mehr als 340.000 Hektar groß. Hessen gilt als waldreichstes Bundesland.
Der hessische Staatswald ist mehr als 340.000 Hektar groß. Hessen gilt als waldreichstes Bundesland. © Göbel

„Tag des Waldes“ rief zahlreiche Freiwillige auf den Plan, die geschädigten Wälder Osthessens aufzuforsten

Osthessen. „Hessen forstet auf“ ist der Titel einer Aktion zum „Internationalen Tag der Wälder“ am vergangenen Montag. Die hessischen Forstämter hatten die Bevölkerung eingeladen, sich an der Aufforstung der heimischen Wälder zu beteiligen.

„Das Engagement der Bevölkerung und das Interesse am Wald sind riesig. Vielen Dank dafür“, so Michelle Sundermann, Pressesprecherin von „HessenForst“. Fast 1.300 Freiwillige haben sich in ganz Hessen an der Aktion beteiligt und unter anderem im Niesiger Forst und ich Eichenauer Wald Bäume gepflanzt.

„Heftige Stürme, hohe Temperaturen und immer wieder auftretende Trockenphasen führen in den hessischen Wäldern bei allen Baumarten zu einem in dieser Dimension noch nie dagewesenen Krankheitsbild und zum Absterben der Bäume auf großer Fläche. Die Folgen des Klimawandels finden in den hessischen Wäldern real statt und verursachen erhebliche Schäden und Kosten“, so das Hessische Umweltministerium.

Der Klimawandel hat auch in den osthessischen Wäldern Spuren hinterlassen, die teilweise sichtbar, teilweise noch nicht sichtbar sind. Unter dem derzeitigen Wassermangel leide vor allem die Buche. „Man sieht den Bäumen auf den ersten Blick nicht immer an, dass sie schon absterben“ so Florian Wilshusen, Forstamtsleiter vom Forstamt Hofbieber. Er und seine Mitarbeiter schauen genau hin: Auch wenn die Baumkronen noch grün sind, aber am Stamm die Rinde abplatzt, sei das kein gutes Zeichen. Die große Hitze und Trockenheit der letzten Sommer sei an vielen Bäumen nicht spurlos vorbeigegangen. „Nicht nur die jungen Bäume mit ihren wenig verzweigten Wurzeln- auch alte, stattliche Buchen sind direkt vor unseren Augen verdurstet“, so Wilshusen.

Die Folge: Die betroffenen Bäume müssen gefällt werden. Denn die Gefahr für Spaziergänger und Wanderer in den Wäldern wäre unter den absterbenden Bäumen zu groß. „Doch gerade jetzt zieht es viele Menschen in die Wälder, um einfach mal frische Luft zu schnappen und den Corona-Alltag hinter sich zu lassen“, so Wilshusen.

„Jeder, der sich unter diesen absterbenden Bäumen aufhält, begibt sich in Gefahr“ sagt David Nöllenheidt, Forstamtsleiter vom Forstamt Fulda. „Das gilt sowohl für die Menschen, die bei uns im nahegelegenen Gieseler Forst Erholung suchen, aber auch für jene, die Tag für Tag im Wald arbeiten. Um unsere Wälder zu stärken, pflanzen wir heimische und angepasste Baumarten wie etwa Eichen und Tannen, die mit den veränderten Bedingungen und zukünftigen Herausforderungen besser zurechtkommen.“

100.000 Bäume entwurzelt

Auch die Stürme der vergangenen Wochen haben ihre Spuren hinterlassen. laut „HessenForst“ wurden durch die Orkane 100.000 Bäume in Hessen entwurzelt. Es seien vor allem Nadelbäume gewesen, die den Winden zum Opfer fielen. Im Vergleich mit den Orkanen „Kyrill“ (2007) und „Friederike“ (2018) seien die Waldschäden in diesem Jahr allerdings vergleichsweise gering.

„Stück für Stück ergibt sich ein buntes Mosaik an Baumarten die unseren Wald vielfältiger machen“, so Sebastian Keidel, Forstamtsleiter aus dem Forstamt Burghaun. „Jeder Standort ist einzigartig, ihm gerecht zu werden ist nicht immer einfach. Wo wenig wächst geben wir durch neue Pflanzungen eine Starthilfe. Wo bereits junge Bäume vorhanden sind, ergänzen wir sie um zusätzliche Arten. Wir erhöhen die Baumartenvielfalt und stärken damit den Wald von Morgen. Mit der Pflanzung legen wir jetzt den Grundstein für mindestens die nächste Waldgeneration und tragen zu einer nachhaltigen Erhaltung des Waldes bei. In 100 Jahren werden unsere Ur-Enkel unter den heute gepflanzten, jungen Bäumen stehen“, so die drei Forstamtsleiter.

In Großenlüder haben rund 300 Helfer gemeinsam mit Bürgermeister Florian Fritsch und dem Landtagsabgeordneten Thomas Hering im Eichenauer Wald 1.200 Roteichen gepflanzt – passend zum 1200-jährigen Ortsjubiläum. Ob jung oder alt – mit Eifer und Begeisterung beteiligten sich zahlreiche Menschen an der Aktion. Im Niesiger Forst wurden rund 1.000 Bäume gepflanzt.

Mit Spaten und unter Anleitung der Forstfachleute hatten sich an mehreren Standorten in Osthessen Freiwillige an die Arbeit gemacht, um Brachflächen mit dem Setzen junger Bäume aufzuforsten. Doch dass die Pflanzung klappt hängt laut „HessenForst“ nicht nur vom Regen der nächsten Wochen und der Vielfalt der Baumarten ab. Forstpflanzen sind gerade ein knappes Gut und im ganzen Land stark nachgefragt. Die Forstämter von „HessenForst“ setzen bei Ihren Pflanzungen nur hochwertiges, zertifiziertes und zugelassenes Pflanzmaterial ein.

Die Landesregierung plant, beim Mitmach-Projekt „Unser Wald, das 2019 gestartet wurde, bis Ende des Jahres 5,5 Millionen neue Bäume im Staatswald zu pflanzen. Der Landesbetrieb bedankt sich bei allen Mitwirkenden und kündigt an, den nächsten Jahren weitere Mitmachaktionen für Waldbegeisterte anzubieten.

HINTERGRUND: Tag des Waldes

Der 21. März ist traditionell der „Tag des Waldes“, den die „FAO“ (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) bereits in den 1970er Jahren als Reaktion auf die globale Waldvernichtung ins Leben gerufen hat. „PEFC“ nutzt als weltgrößte Waldschutzorganisation den Tag des Waldes, um auf die Bedeutung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung aufmerksam zu machen.

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