Eiskalt erwischt!

Von H.-P. EHRENSBERGER Die lteren unter Ihnen werden sich noch vage erinnern: An bitterkalte Kriegswinter, als es eigentlich an allem, vor allem

Von H.-P. EHRENSBERGER

Die lteren unter Ihnen werden sich noch vage erinnern: An bitterkalte Kriegswinter, als es eigentlich an allem, vor allem aber an Brennmaterial mangelte. Als die Witwen Holz im Wald hack-en und die Kinder Kohlen klauen mussten, um wenigstens einmal am Tag eine warme Mahlzeit kochen und die Zimmer in den Ruinen notdrftig beheizen zu knnen. Als der Schwarzmarkt im Freien und im gar nicht trauten Heim daheim die Eisblumen an den wenigen heil gebliebenen Fenstern blhten und dem ganzen Elend zumindest in Teilaspekten eine kleine positive Note verliehen. Was jedoch sptestens dann schnell wieder vorbei war, wenn die Frauen mit aufgeplatzten Wasserleitungen in den Wnden und weiteren Unbilden kmpfen mussten.

Den Jngeren drften noch die beiden lkrisen aus den 1970er und 80er Jahren in Erinnerung haften, als uns die arabischen Scheichs den Hahn, die heimischen Wirtschaftsbosse nchtens den Strom und bereifrige Pseudo-Sparexperten durch Sonntagsfahrverbote den Autozndschlssel abdrehten.

Nun gibt es ein neues Beutelschneider-Kartell und das agiert nicht mehr ausschlielich im Nahen und Mittleren, sondern im unmittelbar benachbarten europischen Osten. Geleitet und (fern-)gesteuert von machtbesessenen Managern (Miller), profitgeilen Politikern (Putin) und labilen Lobbyisten (Schrder). Diese Sesselpupser sitzen beim Biathlon-Weltcup in der Gazprom-Arena auf Schalke wohlgenhrt, mollig warm und medienwirksam in ihren Vip-Lounges, und auf dem Balkan frieren sich die armen Leute den (Entschuldigung!) Arsch ab. Eiskalt hat der russische Eisbr das westliche Europa auf dem falschen Fu, sprich einer fehlgeleiteten Energie-Politik erwischt. Die ist nmlich erpessbar, weil sie sich zu sehr auf einen Monopolisten kapriziert und die Versorgung nicht auf mehreren Schultern, das heit einen breiten und effektiven Energie-Mix verteilt hat. Wer in diesen Tagen in Rumnien, Polen oder Bosnien nicht ausreichend Holz hinter der Htte hatte, der war der Angeschmierte.

Wer garantiert, dass das Gleiche demnchst nicht auch bei uns passiert, trotz angeblich ppig gefllter Gasspeicher? Und schon kochen wieder von vielen Seiten die Argumente fr die angeblich unabhngige Atomkraft hoch was aus Sicherheitsaspekten davon zu halten ist, wissen wir frhestens seit Tschernobyl und sptestens seit Temelin.

Wenn die EU nun mit juristischen Schritten droht, dann lacht sich die wiedererstarkte Ex-Weltmacht doch nur ins Fustchen. Diesmal wird nicht der russische Br vom Westen am Nasenring vorgefhrt, diesmal ist es umgekehrt. Und im speziellen Falle hilft auch das mitunter passende Motto immer schn cool bleiben nicht wirklich weiter. Das wrden viele frierende Menschen dann blo als blanken Zynismus empfinden!

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