Ekelerregend, widerwärtig

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Osthessen. Das dreckige Geschäft mit der Kinderpornogarfie. "Kinderschutzbund" und "Kripo" äußern sich zu Prävention und Ermittlungserfolgen.

Osthessen. Der "Deutsche Kinderschutzbund" fordert in der  Diskussion um Kinderpornografie im Zusammenhang mit dem "Fall Edathy" mehr Schutz für Kinder und setzt sich für eine Verschärfung des Strafrechts ein.

Die aktuelle Debatte hat eine Gesetzeslücke deutlich gemacht. Das Strafgesetzbuch (Paragraph 184 b) verbietet zwar sexuelle Handlungen von, an oder vor Kindern. Darunter fallen auch so genannte Posing-Fotos, auf denen Kinder ihre Genitalien oder ihr Gesäß aufreizend zur Schau stellen. "Der Verkauf und der Besitz von Bildern von nackten Kindern ohne aufreizendes Posieren aber waren bislang legal", informiert Ulrike Westphal-Geiger, Vorsitzende des "Kinderschutzbundes" in Fulda.

Die Position des "Deutschen Kinderschutzbundes" ist eindeutig: Die gewerbsmäßige, massenhafte Produktion und der Verkauf solcher Bilder –  mit dem Ziel der kommerziellen Ausbeutung – verletzt die Würde der Kinder massiv und muss strafbar sein. "Auch der Erwerb und Besitz von solchen Aufnahmen muss verboten werden, denn hinter jeder dieser Aufnahmen steht ein Kind mit seinem individuellen Schicksal", beklagt  Westphal-Geiger.

"Selbstverständlich sind davon keine privaten Familienfotos vom Strand oder der Badewanne betroffen", so Westphal-Geiger weiter. "Diese Bilder sind für die Familie bestimmt und nicht für den massenhaften Verkauf im Internet." Aber auch Eltern müssten mit der Privatsphäre ihres Kindes sensibel umgehen. Bei Kinderfotos in sozialen Netzwerken sollten Eltern sich überlegen, wie ihr Kind sich in einigen Jahren fühlt, wenn die Bilder für die Öffentlichkeit sichtbar sind.

Auch der "Kinderschutzbund Fulda" beschäftigt sich intensiv mit dieser Debatte und setzt zum Schutze des Kindeswohl auf individuelle Beratung. "An unserem Kinder-und Jugend- sowie am ElternTelefon sitzen zwischen 60 und 100 Wochenstunden geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", informiert die Vorsitzende. In regelmäßigen Abständen werden diese durch Fortbildungen – gerade aktuell zum Thema "sexueller Missbrauch" – geschult.

Die "Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung" und die "Nummer gegen Kummer" stehen darüber hinaus für die inhaltlichen Strukturen, erfahrene Dozenten vor Ort setzen die Inhalte praxisnah für die Fachberater am Telefon um. Außerdem stehenausgebildete Supervisoren  den MitarbeiterInnen am Sorgentelefon  des Kinderschutzbundes Fulda  regelmäßig in festen Supervisionsgruppen zur Seite.

"Dass wir inhaltlich zu den Telefonanrufen nichts sagen können, versteht sich von selbst. Wir nehmen Anrufe anonym und streng vertraulich aus dem gesamten Bundesgebiet entgegen. In Akutfällen – bei Gefährdung des Kindeswohls – nehmen wir zu "Nummer gegen Kummer" Kontakt auf, die mit der Staatsanwaltschaft zusammen arbeitet", so Ulrike Westphal-Geiger. Dabei stehe sowohl die gute Vernetzung mit überregionalen Fachstellen als auch innerhalb Fuldas als Qualitätsmerkmal des hiesigen Beratungsangebots.

Die Geschäftsstelle des "Kinderschutzbundes Fulda" in der Magdeburger Straße 17 ist  täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Hier wird auch umfangreiches Informationsmaterial zu allen Bereichen des Kindeswohls angeboten.

Polizeiliche Ermittlungen ­Steigende Fallzahlen

Die Polizei in Osthessen führt seit Jahren in ihrem Zuständigkeitsbereich Ermittlungsverfahren wegen der Herstellung, Verbreitung und Besitzverschaffung kinderpornografischer Schriften durch. "Mit der flächendeckenden Einführung des Internets und seit dessen Nutzung über Smartphones  sind auch hier bei uns steigende Fallzahlen erkennbar", informiert Kriminalhauptkommissar Martin Schäfer,  Leiter der Pressestelle des Polizeipräsidiums Osthessen.

Die Ermittlungsverfahren resultieren – so die Terminologie der Kripo – aus "anlassunabhängigen Recherchen der Polizei im Internet", Beweissicherungen von Computerauswertungen (zum Beispiel bei Tatverdacht gegen Chat- oder Tauschpartner) sowie       mündliche oder schriftliche Hinweise auf Tatverdächtige."Die Recherchen im Internet werden zentral beim "Hessischen Landeskriminalamt"  koordiniert, so auch Kontakte mit internationalen Behörden, gegebenenfalls auch über das "Bundeskriminalamt", sagt Schäfer.

Ergänzend kommt hinzu, dass durch polizeiliche Sachbearbeiter hin und wieder telefonische und schriftliche Anfragen zum Umgang mit Webseiten mit möglicherweise kinder- oder jugendpornografischen Inhalten beantwortet werden."Dabei werden auch Verhaltensweisen besprochen und Handlungsanleitungen zur Prävention gegeben, Hinweise auf Webseiten mit strafbaren Inhalten überprüft, Löschungen veranlasst oder Ermittlungsverfahren eingeleitet. Des Weiteren gibt es koordinierte Präventionsangebote durch die hessische Polizei", so der Pressesprecher abschließend.

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