Emotionaler Abschied

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Fulda. Stadtbaurätin Cornelia Zuschke nach Darmstadt gewechsel. Emolionale Abschiedsfeier im Stadtschloss.

Fulda. "Erforsche, träume, entdecke" – dazu ermunterte Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann (CDU) in Anlehnung an ein Zitat Mark Twains Fuldas bisherige Stadtbaurätin Cornelia Zuschke (parteilos) für die vor ihr liegende Zeit. Nach 14 Jahren an der Spitze des Baudezernats hat die gebürtige Weimaerin nun die Domstadt verlassen, in der sie, wie Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU)  in seiner Rede formulierte, "Außerordentliches, Wegweisendes ... mit Fleiß, Umsicht, Ausdauer und Kreativität" geleistet habe.

Großes Bedauern über ihr Ausscheiden als Stadtbaurätin brachten neben Möller und Hartmann auch Bauausschussvorsitzender Walter Krah (CDU) Umweltausschussvor-sitzender Peter Jennemann (SPD), Architektin Susanne Sturm-Wartzeck, Ernst Sporer (Die Grünen), der Sprecher der Ortsvorsteher Otmar Heil  sowie Amtsleiter Dirk Handwerk in teils sehr emotionalen Abschiedsworten zum Ausdruck.

Gefordert und herausgefordert

Mit Theodor FontanesGedanken "Leben ist immer wieder Abschied, aber auch Liebe" sagte Cornelia Zuschke nach 21 Jahren in städtischen Diensten Fulda und den Fuldaern auf Wiedersehen. In Fulda sei sie vor 24 Jahren aufgenommen worden, die Stadt sei ihr Heimat geworden, meinte die bisherige "Chefin" des städtischen Baudezernats rückblickend. "Hier konnte ich leben, lieben, lachen, weinen – und gestalten. Ich wurde gefordert und herausgefordert und bin daran gewachsen." Immer wieder hob Zuschke den Gemeinschaftsgedanken hervor, indem sie vom "Wir"-Gefühl sprach und unter anderem betonte: "Wir alle haben viel erreicht." Bei ihr selbst komme die ihr eigene "Mischung aus Analytik und Gefühl"  noch hinzu.  Harte Arbeit wandele sich nun in dankbare Rückschau. "Fulda ist eine wunderbare Stadt", bekannte Zuschke und lobte die hier lebenden Menschen. Sie, die Menschen als Wegbegleiter und die Stadt, "sind für mich eins." Mit den Worten "Für Fulda das Beste" verabschiedete sich Stadtbaurätin Zuschke "in tiefer, dankbarer, innerer Verbundenheit."

Krug der Erinnerung

Zuvor hatte Fuldas Verwaltungschef Gerhard Möller davon gesprochen, dass "nicht nur der Wehmut des Abschieds, sondern ein voller Krug der Erinnerung" bleibe, wenn Cornelia Zuschke nach 21 Jahren in städtischen Diensten Fulda verlasse. Die Baugebiete der Fulda Galerie, der Flächennutzungsplan, der Universitäts- und Borgiasplatz, die Bahnhofstraße, der Gemüsemarkt, H&M, die Entwicklung der "Südlichen Innenstadt", der Westring und die Osttangente - all das seien nur Stichworte, die unvollkommen die Leistung, Mühen, aber auch Widerstände, widerspiegeln, die die Arbeit der Stadtbaurätin ausgemacht haben. Auf die Wahrnehmung der Beteiligung  habe Cornelia Zuschke sehr viel Wert gelegt: in Workshops oder in der Bürgerbeteiligung. Mit zunehmender beruflicher Erfahrung habe sie jedoch erkannt, dass am Ende die Entscheidung steht, nicht der "herrschaftsfreie Diskurs". Für Zuschke war klar, dass Kritik als "belebendes Element" in der Diskussion dazugehöre. Manche Kritik aber habe auch Wunden geschlagen. Dennoch habe die Stadtbaurätin immer wieder neu denken können. "Ihrem Denken haben Sie keine Grenzen gesetzt", hob Möller hervor. Am Ende sei es immer wieder "Ihre Fachkompetenz, Fleiß und Zügigkeit gewesen, die Sie eingebracht haben." Mit "Hingabe in eine Lebendaufgabe" habe Cornelia Zuschke ihr Amt als Stadtbaurätin ausgefüllt. Das Oberzentrum attraktiv zu erhalten, die Bauqualität nicht zu vernachlässigen, das seien ihre wesentichen Ziele gewesen wie auch den "Städtebau als Beitrag zur lebendigen Heimat zubetrachten." Nach 5.100 Tagen "Stadtbaurätinnenzeit" wünschte Möller seiner Dezernentenkollegin einen guten Start in Darmstadt, Erfolg und persönliche Zufriedenheit verbunden mit der Hoffnung, dass die Verbindung zu Fulda nie abreißen werde.

Mensch der leisen Töne

Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Hartmann zitierte Mark Twain mit den Worten "In 20 Jahren wirst Du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die Du nicht getan hast als über die Dinge, die Du getan hast." Im Sinne des Schriftstellers riet Hartmann Cornelia Zuschke deshalb auch in Zukunft zu forschen, träumen und zu entdecken. Nurungern ließen die Fuldaer ihre Stadtbaurätin gehen. Denn: "Wir schätzen ihre Kreativität und wissen, wie gerne Sie in und für Fulda gearbeitet haben." Deshalb könne sie  immer wieder gerne im Hafen der Stadt Fulda ankern. Fuldas Stadtverordnetenvorsteherin beschrieb Cornelia Zuschke als "Menschen, der eher die leisen Töne liebt und von allen anerkennt war." Sie habe alle gedanklich mitnehmen und von der Richtigkeit der Entscheidungen überzeugen wollen.

Einen breiten, sehr persönlichen Erinnerungsbogen spannte Bauausschussvorsitzender Walter Krah Fulda habe sich unter Stadtbaurätin Zuschke seit ihrer Berufung im Jahr 2000 ständig weiterentwickelt. Wer am Stadtrand über die Stadt sah, habe überall Kräne sehen können. "Als wir in Rom waren, sahen wir nur drei Kräne. Meine Frau meinte  spontan: In Fulda ist mehr los", sagte Krah schmunzelnd. Besonders lobte er den speziellen Umgang, der im Bauauschuss gepflegt wurde. Zuschke Fähigkeit fachlich schwierige Themen bis ins letzte Detail darzulegen, habe wichtige Erkenntnisse reifen lassen. Im persönlichen Umgang habe sie das vertrauliche "Du" gepflegt. Nie habe er erleben können, dass dies fachliche Entscheidungen negativ beeinflusst hätte. "Auch wenn wir in der Sache nicht immer einer Meinung waren, dann kam ein Anruf und wir haben uns ausgesprochen." Das seien die speziellen Fähigkeiten, ja die "Waffen einer Frau", die weitergeholfen haben, unrteilte Krah. Und ergänzte, "Alpha-Tiere gingen zur Stadtbaurätin rein, um es ihr zu zeigen und kamen völlig entspannt wieder heraus."  Auch Fuldas Titel "Schönste Stadt Hessens" sei auf die Handschrift der Cornelia Zuschkes zurückzuführen. Die Erwartungen in Darmstadt seien nun sicherlich hoch, wie Walter Krah vermutete. Nach der Rede der Grünen–Vertretern  habe er den Eindruck, dass Darmstadt eine "neue Heilbringerin" sucht.

Umweltausschussvorsitzender Peter Jennemann bedauerte  - wie auch nach ihm Ernst Sporer von den Grünen - Cornelia Zuschkes Weggang außerordentlich. Ihre Bilanz sei beeindruckend. Der anwesenden Darmstädter Delegation unter Bürgermeister  Rafael Reißer rief Jennemann zu: "Sie bekommen eine gute Stadtbaurätin, gehen Sie pfleglich mit ihr um und lassen Sie sie ihre Kreativität ausleben."

Mit Cornelia Zuschkeverbinde sie, dass in Fulda etwas in Bewegung kam, als sie ihr 2003 erstmals begegnet sei, sagte Susanne Sturm-Wartzeck, die für den Verband der Architekten sprach. Fuldas Attraktivität habe enorm zugenommen – "auch ich konnte das feststellen." Die vitale, lebendige, zukunftsfähige Stadt – diese Ziel habe Zuschke nie aus den Augen verloren. Otmar Heil, Sprecher der Ortsvorsteher,dankte ebenfalls für die guten Zusammenarbeit mit den Ortsvorstehern der Stadtteile.

Heldenreise antreten

Was war außergewöhnlich, schwierig, mitreißend, modisch, leidenschaftlich an der Führungsperson Cornelia Zuschke – mit diesen Fragen beschäftigte sich Gartenamtsleiter Dirk Handwerk stellvertretend für seine Amtsleiterkollegen des Baudezernats und attestierte seiner bisherigen "Chefin", sie habe mit einer effizienten, kleinen Crew hart und wertsteigernd gearbeitet. Immerhin 87,2 Millionen Euro flossen in bauliche Investitionen. Der 21jährige Lebensabschnitt in Fulda sei nun beendet. "Unsere Meisterin kann nun mit großer Gelassenheit ihre Heldenreise nach Darmstadtantreten," betonte Handwerk, der OB Möller bescheinigte, für die Stadtbaurätin  "Lehrmeister und Prüfstand zugleich"  gewesen zu sein. Cornelia Zuschke habe Anteil am persönlichen Leben, "zuerst sich und dann uns in die Pflicht genommen." Augenzwinkernd zitierte Handwerk zum Schluss seiner emotionalen Rede einen Kollegen: "Wir lieben unsere Chefin, aber aushalten muss man sie auch."

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