Enissa Amani: Eine Komikerin kämpft gegen Rassismus

Ein Klartext von Redaktionsvolontärin Martina Lewinski.
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Die iranisch-deutsche Komikerin Enissa Amani reagiert auf rassistische Aussagen eines AfD-Politikers. Nun geht die 39-Jährige dafür freiwillig für 40 Tage ins Gefängnis. Was ist passiert, dass es soweit kommen musste?

Auf einer Wahlkampfveranstaltung 2018 beschimpfte der Politiker Andreas Winhart schwarze Menschen mit dem N-Wort und hatte pauschal suggeriert, dass diese Krankheiten in sich trügen. Belangt etwa wegen Volksverhetzung wurde er nicht, obwohl Amani und weitere Künstler sich fassungslos zeigten und Winhart anzeigten.

Im März 2019 machte sie dann auch über die sozialen Medien auf den Fall aufmerksam. „Andy Winhart, du elender Rassist“, schrieb sie auf ihrer „Instagram“-Profil. Außerdem nannte Amani den Politiker, in einem Video, einen „Bastard“ und „Idiot“. Das Ganze hat ein juristisches Nachspiel für die Entertainerin. Denn der AfD-Politiker fühlte sich durch Amanis Posts persönlich beleidigt – es folgte eine Anzeige und eine Verurteilung zu einer Geldstrafe von 1.800 Euro. Doch Amani will nicht zahlen. Die 39-Jährige weigert sich allerdings nicht etwa, weil sie die Strafe nicht einsieht oder das Geld nicht hat. Sie sagte bei einem Bildungstalk in Frankfurt dazu: „Ich finde es richtig, dass ich zahlen muss. Ich finde es nur falsch, dass er nichts zahlen muss.“ Deswegen hat sich Amani entschieden: Sie wird nicht zahlen, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Und dafür bekommt Amani, zu Recht, viel Zuspruch in den sozialen Netzwerken. Viele Prominente wie die deutsche Journalistin und Buchautorin Alice Hasters oder Fernsehmoderatorin Hadnet Tesfai stehen auf der Seite der Komikerin. Die Zahlung zu verweigern, sei momentan Amanis einziges Mittel um darauf aufmerksam zu machen, dass Winhart straffrei davongekommen ist. Und dafür habe auch ich größten Respekt. Amani kämpft für Gleichberechtigung und für eine Welt, in der es nicht normal sein sollte öffentlich volksverhetzende Parolen zu schwingen, ohne mit einer Strafe rechnen zu müssen. Sie steht momentan für viele Menschen, die tagtäglich menschenverachtender Sprache oder solchem Verhalten ausgesetzt sind, ohne das es Folgen für die Urheber hat.

Doch bleibt es meist nicht folgenlos für die Menschen, die damit konfrontiert werden. Beispielsweise für Kinder, die durch Aussagen wie vom genannten AfD-Politiker das Gefühl vermittelt bekommen, schlechter zu sein als der Durchschnittsdeutsche, oder sich immer für ihre Herkunft oder ihr Aussehen rechtfertigen müssen. Dieses Urteil im Fall von Amani zeigt leider wieder einmal, wieviel interkulturell in unserem Land noch aufgearbeitet werden muss und wie fehlerhaft unser Rechtssystem teilweise immer noch urteilt.

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