Entscheidungen für die Ewigkeit: Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber im Redaktionsgespräch

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Um Themen, die NordOstHessen betreffen, ging es beim Gespräch mit Hermann-Josef Klüber in Fulda.

Im „Fulda aktuell”-Redaktionsgespräch thematisierte der in Fulda lebende Kasseler Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber das, was seine Behörde tut, was NordOstHessen ist und was ihn und rund 1.400 Mitarbeiter täglich beschäftigt.

Fulda/Kassel - „Meine Aufgabe ist einfach und schwer zugleich.“ Das sagt Hermann-Josef Klüber, der seit dem 27. September Regierungspräsident in Kassel ist. Seit 2014 war er kommissarisch Stellvertreter von Dr. Walter Lübcke, seit 2017 offiziell Vize-Regierungspräsident. Nach der Ermordung Lübckes im April dieses Jahres führte Klüber die Geschäfte bis zu seiner Ernennung weiter. Er sieht das Regierungspräsidium als Behörde, „die sich um die Region kümmert“.

„Wir sind eine Aufsichts- und Genehmigungsbehörde, wir sind Vermittler und Moderator“, sagt er. Geboren wurde Klüber vor 63 Jahren in Fulda. Dort hatte er auch seinen Lebensmittel- punkt, bis er zum Jura-Studi- um nach Würzburg und im Anschluss zum Referendariat unter anderem nach Traunstein ging. „Ich war zu der Zeit schon verheiratet und hatte zwei Kinder“, erzählt der RP in der Gesprächsrunde bei „Fulda aktuell“.

Im Jahr 1995 wechselte er nach Erfurt, zunächst als Staatsanwalt, später ins thüringische Innenministerium. Als Abteilungsleiter Polizei ging er als Vizepräsident der Hessischen Landespolizei nach Wiesbaden, ehe er 2014 den Weg ins Kasseler Regierungspräsidium beschritt.

Osthesse in Nordhessen

Fulda als Wohnort hat er nie verlassen, und auch heute noch pendelt er täglich nach Kassel. Als Osthesse in Nordhessen habe er, so sagt Klüber, „Lübcke den Fokus für Osthessen geöffnet.“ Klübers Regierungsbezirk besteht aus fünf nordhessischen Landkreisen – und dem Landkreis Fulda. „Es ist historisch bedingt, dass das Regierungspräsidium bei den Nordhessen einen anderen Stellenwert hat als bei den Osthessen“, sagt Klüber. „Seit der Kurfürstenzeit war die Regierung in Nordhessen schon sehr präsent“, so der RP über die vergangenen 152 Jahre. Amtsvorgänger Lübcke hatte einmal humorvoll erwähnt, er sei der „Nachfolger des Kurfürsten“.

Der Kasseler Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (Zweiter von rechts) und sein Pressesprecher Michael Conrad (Dritter von rechts) im Redaktionsgespräch mit „Fulda aktuell“-Verlagsleiter Michael Schwabe (Mitte), „Extra Tip“-Chefredakteur Rainer Hahne (rechts), und den „Fulda aktuell“-Redaktionsmitgliedern Christopher Göbel, Antonia Schmidt und Bertram Lenz (von links).

Engere Verknüpfung Lübcke und nun auch Klüber wollten und wollen Nord- und Osthessen enger verknüpfen und das Projekt NordOstHessen voranbringen. So sieht Klüber nördlich des Landkreises Fulda eine deutliche „gefühlte“ Grenze. „Ich möchte keine Strukturen verändern, sondern in den großen Themen, die alle Landkreise des Bezirks berühren, als gesamten Regierungsbezirk gemeinsam voranbringen“, so Klüber. Er selbst komme mit den Mentalitäten im Norden und im Osten des Landes „sehr gut zurecht“.

Zukunftsthemen

„Wir möchten ein Bewusst- sein für NordOstHessen in den Regionen schaffen“, sagt der RP. „Gesundheit, Mobilität, Energie“ nennt er als gemeinsame Zukunftsthemen. Die Kliniken in Kassel und Fulda sowie die beiden Hochschulen würden „von allein kooperieren“. Gemeinsame Projekte könnten beispielsweise auch die „Rhön- Energie Fulda“ und die die „Kasseler Stadtwerke“ in Angriff nehmen.

Derzeit gebe es im Regierungsbezirk Kassel zahlreiche Verfahren, für die das Regierungspräsidium Kassel Entscheidungen treffen müsse, „die bis in die Ewigkeit Folgen haben“, so Klüber. Das Unternehmen „K+S“ (Stichwort Salzeinleitung in die Werra) oder auch „Wilke Wurstwaren“ mit der bundesweit mit Listerien verseuchter Wurst seien beispielsweise „Baustellen“, die das Regierungspräsidium auch weiter beschäftigen würden. Und auch der Nachwuchs und die Zukunftsfähigkeit der Feuerwehren sei auf seiner Agenda. „Die Feuerwehr wird wohl weiblicher werden“, ist Klüber überzeugt. Das Thema Windkraft ist ebenfalls ein andauerndes. „Der Stromverbrauch wird – unter anderem durch die E-Mobilität – größer. Es reicht nicht, keine Windkraft haben zu wollen“, sagt der RP. „Dann muss man auch Alternativen benennen“. Laut Klüber findet die Energiewende hauptsächlich in Nordhessen statt und nur zu einem kleinen Teil in Osthessen. „E-Mobilität macht aber nur Sinn, wenn man genügend regenerativen Strom hat“, so Klüber.

Erinnerungsfoto mit Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (Dritter von rechts) und Pressesprecher Michael Conrad (rechts): Chefredakteur Rainer Hahne (Zweiter von rechts), „Fulda aktuell“-Verlagsleiter Michael Schwabe (Mitte), Redaktionsleiter Bertram Lenz (Dritter von links) und die Redakteure Antonia Schmidt und Christopher Göbel.

Klüber kennt das Geschäft im Regierungspräsidium bestens, doch als er von der Ermordung seines Vorgesetzten erfuhr, „konnte ich gar nichts denken“. „Dieses Ereignis ist mir auch heute noch sehr präsent und hat auch die Mitarbeiter sehr persönlich getroffen“, sagt Klüber. Es gehe auch Angst unter den rund 1.400 Angestellten um. Er selbst jedoch habe keine Angst vor Attentaten. „Laut Landeskriminalamt bin ich nicht bedroht.“

Sechs Abteilungen

Was den Umgang mit den Mitarbeitern angeht, so bezeichnet Pressesprecher Michael Conrad seinen Chef so: „Mach‘ mich besser.“ Klüber sei „offen für Kritik aus jeder Richtung und kann diese auch annehmen“, so Conrad. Als Regierungspräsident, und zeitgleich auch bis zur Neubesetzung zusätzlich Vizepräsident, geht bei Klüber die Arbeit nicht aus.

Das Regierungspräsidium hat sechs Abteilungen und acht Liegenschaften in Kassel, Fulda, Hünfeld und Bad Hersfeld. Im Regierungspräsidium selbst steht gerade der Digitalisierungsprozess als Herausforderung an. „Wir sind eine digitale Modellbehörde “, sagt der 63-Jährige. Für die IT Aufgaben im Land insgesamt benötige man mehr als 90 Informatiker.

Um Themen, die NordOstHessen betreffen, ging es beim Gespräch mit Hermann-Josef Klüber in Fulda.

Und auch die Demografie macht vor seiner Behörde nicht Halt: „Es wird in drei bis vier Jahren einen Umbruch geben.“ Grund dafür sei, dass ein Großteil der Führungskräfte und Mitarbeiter in diesem Zeitraum das Rentenalter erreicht hätten und Nachwuchs nicht so leicht zu finden sei. „Wir müssen jetzt Vorsorge treffen. Es wird eine Metamorphose“, so Klüber. „Wir wissen nicht genau, was Neues auf uns zukommt. Wir wissen nur, dass etwas kommt“, sagt er.

Als Arbeitgeber sei das Regierungspräsidium attraktiv. Die Behörde hat sogar ein „Youtube“-Video erstellt, um für Nachwuchs zu werben. Je nach Fachgebiet arbeiteten unterschiedliche Berufsgruppen im Regierungspräsidium. „Wir haben zahlreiche Arbeitszeitmodelle“, macht Pressesprecher Conrad noch ein bisschen Werbung in eigener Sache.

"Ein bisschen Musik" 

In seiner wenigen Freizeit macht Hermann-Josef Klüber „ein bisschen Musik“ und verbringt Zeit mit seinem Enkelkind. „Rasenmähen entspannt mich“, schmunzelt er. Und er hofft, dass das Hessische Innenministerium bald die Stelle seines Stellvertreters ausschreibt. Doch für mindestens zweieinhalb Jahre wird sich der Osthesse in Nordhessen weiter als „Kümmerer“ für den gesamten Regierungsbezirk einsetzen.

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