Schlagersängerin aus Tann: Erinnerungen an Renate Kern

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Renate Kern während eines Auftritts in der „ZDF-Hitparade“ bei Dieter Thomas Heck.

Künstlerin wurde am 23. Januar 1945 im Rhönstädtchen Tann geboren und hatte in den 60er und 70er Jahren großen Erfolg

Tann/Rhön - Die Welt ist, wie wir alle wissen, manchmal sehr klein. Da hört man im Radio ein Lied, das einem gefällt, forscht neugierig nach der Sängerin – und liest plötzlich, dass diese im Rhönstädtchen Tann zur Welt gekommen ist: Vor 76 Jahren, am 23. Januar 1945, wurde Renate Kern (so ihr Künstlername) geboren.

Ihre herb-markante Stimme und ihre Ausstrahlung sorgten dafür, dass sie in den 60er und frühen 70er Jahren eine der bekanntesten Schlagersängerinnen Deutschlands war, später dann ein kleines Comeback als Country-Sängerin feierte und sich – von Depressionen und Selbstzweifeln geplagt – am 18. Februar 1991 in Hoyerswege (Gemeinde Ganderkesee, Kreis Oldenburg) das Leben nahm. Eine Rolle dürften dabei freilich auch ihre Mitgliedschaft bei „Scientology“ und das Drängen ihres Mannes Klaus-Dieter Hildebrandt gespielt haben, die Sekte zu verlassen.

Bei den Großeltern in Tann

Doch zurück ins Jahr 1945, in die letzten Monate des Zweiten Weltkrieges: Renates Mutter Gertrude Poggensee, eine ausgebildete Konzertpianistin mit Musikstudium, hatte zehn Jahre zuvor schon ein Mädchen geboren, Charlotte. Beide lebten nicht zuletzt wegen der Wirren des Krieges bei den Eltern mütterlicherseits – eben in Tann. Renates Vater, Karl Poggensee, war als Raketentechniker tätig. Seines Berufes wegen zog die Familie später aus der Rhön nach Wildeshausen im Landkreis Oldenburg, wo Renate aufwuchs. Schon als junges Mädchen fiel ihre Musikalität auf, wohl ein von ihrer Mutter geerbtes Talent. Das Delmenhorster Max-Planck-Gymnasium ermöglichte dem jungen Mädchen 1962 einen Aufenthalt als Austauschschülerin in den USA, wo sie bei Lokalsendern erste Studioaufnahmen aufzeichnete.

Im Dezember 1964 bestritt sie mit ihrer Band „The Foot Tappers“ einen Sängerwettbewerb und fiel dem Produzenten Werner Last (alias Kai Warner, Bruder von James Last), auf. Dieser produzierte mit ihr unter dem Künstlernamen Renate Kern bei Polydor eine erste Single mit den Titeln „Kiss And Shake“ und „Die Welt ist so schön wie ein Traum“. Nach dem Abitur 1965 arbeitete Renate verstärkt an ihrer Karriere, nahm Gesangs- und Schauspielunterricht. Der Durchbruch gelang ihr mit den 1968 erschienenen Singles „Lieber mal weinen im Glück“ und „Du musst mit den Wimpern klimpern“. Es folgten Auftritte im In- und Ausland, und 1969 tourte sie mit dem Orchester von James Last durch die USA. Mit „Alle Blumen brauchen Sonne“ errang sie 1970 den zweiten Platz beim „Deutschen Schlager-Wettbewerb“ in Mainz. Nach einer Reihe weiterer Erfolge wurde es ruhiger um sie, wie der "Weser-Report" schreibt. 1974 erreichte Renate mit „Wenn Du gehst“ eine ihrer letzten Platzierungen in den deutschen Charts.

Im gleichen Jahr heiratete sie ihren Manager und Produzenten, den Toningenieur Klaus Dieter Hildebrand. Das Paar gründete einen eigenen Musikverlag und richtete sich in Hoyerswege ein modernes Tonstudio ein. 1981 folgte ein Versuch, wieder an die Spitze zu kommen. Renate sang nun Country-Titel und legte sich den neuen Künstlernamen Nancy Wood zu. In den USA veröffentlichte sie den Song „Imagine that“, mit dem sie einen Achtungs-Erfolg verbuchen konnte und bis auf Platz 79 der Country-Charts kletterte. 1984 kürte sie das holländische Country-Magazin „Gazette“ zur besten europäischen Country-Sängerin. Diesem Genre blieb sie bis zu ihrem Tode treu. Ihr Grabstein auf dem Neuen Friedhof von Rostock trägt als Inschrift den Titel eines ihrer Hits: „Alle Blumen brauchen Sonne“.

Dokumentarfilm

 1998 erschien der von Ulrike Franke und Michael Loeken gefertigte Dokumentarfilm „Und vor mir die Sterne – Das Leben der Schlagersängerin Renate Kern“: Eine laut Kritik beeindruckende Biografie, „die über das Porträt einer eigentlich schüchternen Frau hinaus die deutsche Schlagerbranche hinterfragt und die übergroß beschworenen Gefühle des Metiers auf kleinbürgerliche Dimensionen schrumpfen läßt“.

Konzerterinnerung

Bernd Witzel aus Tann erinnert sich gegenüber „Fulda aktuell“ noch sehr gut an eine Begegnung mit Renate Kern, als diese 1968 quasi für ein „Heimspiel“ ein Konzert in der „Rhönhalle“ gab. „Das ging bis in den frühen Morgen“, sagt Witzel, die Stimmung in der proppevollen Halle sei sehr ausgelassen und einsame Spitze gewesen. Dies habe auch daran gelegen, weil Kern sehr zugänglich gewesen sei und keine Starallüren gezeigt habe. Besonders ist ihm natürlich „Du musst mit den Wimpern klimpern“ im Gedächtnis geblieben.

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