Erstes Fuldaer Konjunkturgespräch mit drei Referenten

Per „Zoom“-Meeting hatte die „IHK Fulda“ am Mittwochabend zum „1. Fuldaer Konjunkturgespräch“ eingeladen.

Fulda. Mit drei Referenten, darunter „IHK“-Hauptgeschäftsführer Michael Konow, gab die „IHK“ damit einen Überblick, wie es in der Corona-Pandemie um die Wirtschaft in der Region als auch weltweit bestellt ist.

Anhand der aktuellen „IHK-Konjunkturumfrage, an der sich 154 Unternehmen aus der Region beteiligt hatten, stellte Konow fest, dass die „Geschäftslage deutlich schlechter geworden ist“. „Das ist der schlechteste Wert, den wir jemals gemessen haben“, so Konow. Mehr dazu lesen Sie im nebenstehenden Artikel.

Kein Anstieg der Insolvenzen

Wolfram Busold, der seit 25 Jahren für die „Creditreform“ arbeitet, beschäftigte sich mit der Frage, wie angeschlagen die deutsche Wirtschaft in das Jahr 2021 startet. Es sei ein „Blick in die Glaskugel“, so Busold. Was er aber anhand der erhobenen Daten sagen konnte, war, dass die Zahl der Privat- und Firmeninsolvenzen auch im Coronajahr 2020 nicht gestiegen sei. „Das hat allerdings auch mit der Aussetzung der Insolvenzpflicht und staatlichen Hilfen wie Kurzarbeitergeld oder Überbrückungshilfen zu tun“, sagte Busold. „Dadurch ist die Beschreibung des Zustands der Wirtschaft nicht mehr ablesbar“, so der Referent.

Er erwartet aber auch für das Jahr 2021 keine „Insolvenzwelle“. Prognostiziert wurde jedoch, dass im Jahr 2021 bundesweit 24.000 Unternehmensinsolvenzen angezeigt werden könnten. 2020 waren es 17.000. „Das ist allerdings nur eine Momentaufnahme“, so Busold. Er ging auch auf die Verschuldungsquote ein. „Im Landkreis Fulda ist die Quote niedrig“, so Busold.

Auf die Lage der deutschen Wirtschaft konnte Busold keine definitive Antwort geben. „Wir wissen nicht, was in diesem Jahr steckt. Wir sind in einer tiefen Rezession und müssen abwarten, was noch kommt“, sagte Busold. „Schwierige Zeiten“ sieht er auf die Branchen Gastgewerbe, Veranstaltungen und Reise zukommen.

„Historischer Einbruch“

Einen Blick auf die Weltwirtschaft warf Prof. Dr. Tobias Knedlik von der Hochschule Fulda. „Der Einbruch des Bruttoinlandsproduktes ist historisch“, so der Referent. Er widmete sich auch der Frage, welche Länder a, schnellsten aus der Krise kommen könnten. „Das sind die Länder, die viel produzieren, mit verarbeitendem Gewerbe. Am schlechtesten sieht es in den Ländern aus, die zum großen Teil vom Tourismus leben“, sagte Knedlik. Denn ausgefallene Reisen und Urlaube im Jahr 2020 würden nicht nachgeholt werden können. „Vielleicht reisen viele Menschen in diesem Jahr wieder in südliche Länder, aber eben nur einmal und nicht zweimal“. Die Verluste des Jahres 2020 in den Urlaubsregionen seien nicht zu kompensieren.

„Es dauert noch eine Weile“

In Deutschland sei in der Corona-Pandemie zwar mehr gespart worden, aber Prognosen besagten, dass der Konsum im Jahr 2022 nachgeholt werden könnte. Die Neuverschuldung der BRD von fünf Prozent sei „sehr gering“. Berechnet am Bruttoinlandsprodukt BIP) werde Deutschland frühestens Anfang 2022 das Vorkrisenniveau erreichen. „Das ist dann aber nicht der Wert, den unser Land hätte, wenn es die Krise nicht gegeben hätte“, so Knedlik. Durchschnittlich steige das BIP normalerweise um 1,3 Prozent pro Jahr. In der Krise seien es rund 400 Milliarden Euro gewesen, die „nicht stattgefunden“ haben. „Trotz der recht optimistischen Prognosen wird es noch eine Weile dauern, bis sich die Wirtschaft erholt“, so Knedlik.

Dass die Region Fulda im Hessen- und bundesweiten Vergleich „besser aufgestellt“ ist, erklärte Konow damit, dass Fulda und Umgebung ein vielfältiges Branchenangebot habe. „Wir haben keine Spezialisierung wie beispielsweise die Region Wolfsburg“, so Konow. „Es könnte sein, dass wir durch viele kleine und mittlere Unternehmen gut durch die Krise kommen“, wagte der „IHK“-Hauptgeschäftsführer einen positiven Blick auf die kommenden Monate.

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