Erweiterung der Lebensbrücke in Gersfeld

Führung durch die Räumlichkeiten, hier wurde den Gästen die Möglichkeiten der Klangschalentherapie gezeigt.

Die Tanner Diakonie hat sich mit der Lebensbrücke in Gersfeld erweitert.

Gersfeld - Die Einrichtung "Lebensbrücke" bietet die Bereiche Leben, Arbeit und Freizeit für Menschen aus dem Autismus-Spektrum. Nach nahezu zweijähriger Bauzeit und einem Investitionsvolumen von rund 3,8 Millionen Euro konnte die "Tanner Diakonie" der Öffentlichkeit bei einer offiziellen Einweihungsfeier und einem Tag der offenen Tür die neuen Räumlichkeiten präsentieren. Nun sind die ersten Klienten eingezogen und die Einrichtung füllt sich mit Leben.

Künftig werden 21 Menschen mit Autismus in der "Lebensbrücke" ihr neues Zuhause finden. Die ersten Klienten sind bereits eingezogen, mit einer Vollbelegung rechnet die Einrichtung ab Mitte Mai 2019. Am 5. Februar wurde die Einrichtung feierlich eingeweiht. Nahezu 60 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft konnte die Einrichtungsleitung zu dieser Feierstunde begrüßen. Besonders freute sich die Einrichtungsleitung über die Ehrengäste Bundestagsabgeordneten Michael Brand, Landesdirektorin Selbert, Gersfelds Bürgermeister Dr. Korell, Tanns Bürgermeister Mario Dänner sowie Jutta Brandhorst von der "Diakonie Hessen". Lobende Worte fanden die Ehrengäste für dieses tolle Projekt und wünschten der "Lebensbrücke" einen guten Start. Neben dieser feierlichen Stunde gab es einen Tag der offenen Tür, zu dem Kooperationspartner, Nachbarn und Angehörige geladen wurden. Neben geführten Rundgängen durch die neuen Räumlichkeiten bot die Einrichtung Einblicke in die Förderangebote des Kreativbereichs, der Holzwerkstatt, der Klangschalentherapie und der Angebote im Bereich der Unterstützten Kommunikation.

Erweiterung der Besonderen Hilfen für Menschen aus dem Autismus-Spektrum – zehn Jahre "Haus Abraham":  Die "Tanner Diakonie" bietet ein konzeptionell eigenständiges Betreuungsangebot für Menschen mit Autismus an. Dabei werden die Lebensbereiche „ Wohnen, Beschäftigung, Freizeit und therapeutische Angebote“ abgedeckt. Seit 2009 werden Menschen mit Autismus in Haus Abraham betreut. Derzeit leben und arbeiten in dieser Einrichtung sieben männliche erwachsene Klienten mit Autismus. Mit der Erweiterung in Form von Neubauten (zwei Wohnhäuser, eine Tagesstätte) hat die "Tanner Diakonie" ein weiteres Angebot für insgesamt 14 Menschen aus dem Autismus-Spektrum geschaffen. Die Einrichtung heißt „Lebensbrücke“.

Baumaßnahmen: Auf dem Gelände der Lebensbrücke, auf dem sich seit 2009 das Haus Abraham befindet, sind zwei eingeschossige Häuser für Wohnzwecke entstanden. Die beiden Wohnhäuer sind baugleich. Sieben Einzelzimmer mit Sanitärzelle, ein Gemeinschaftsraum mit Küche, ein Pflegebad, ein Trainingsraum Innen-/Außenwelten, ein Dienstzimmer, ein Time-Out-Raum und weitere Logistikräume bilden die Raumstruktur. Eine besonders robuste Bauausführung sorgt für geeigneten Schallschutz und soll Schutz bei Verhaltenskrisen bieten. Das Wohnumfeld ist reizarm, klar gegliedert und nachvollziehbar gestaltet.

Bild von der offiziellen Eröffnungsfeier am 5. Februar.

Individualität und Normalität der Zimmereinrichtung wird durch die übliche Ausstattung mit Bett, Tisch, Stühlen und Schränken erreicht. Eigene Gegenstände und Möbel können mitgebracht werden. Sanitärzellen sind jedem Zimmer zugeordnet, so dass eine individuelle Struktur für Körperpflege, Körperhygiene und Toilettentraining vermittelt wird. Sanitärräume sind so gestaltet, dass sie eine beruhigende und harmonisierende Wirkung ausstrahlen.

Die räumliche Umgebung wird durch geeigneten Einsatz von Farbe für Stabilisierung sorgen. Auf eine gleichmäßige Ausleuchtung der Tätigkeitsflächen wurde geachtet, wobei die Priorität auf warmem Licht liegt. Die Grundelemente des sogenannten „Würzburger Modells“ sind eingesetzt. Die gesamte Einrichtung im Außenbereich und in den Gebäuden ist nach den Grundsätzen der DIN 18040-R hergerichtet. Barrierefreiheit wurde mit besonderem baulichem und kostentechnischem Aufwand betrieben.

Konzept des neuen Wohnangebots: Die in der neuen Einrichtung lebenden Menschen aus dem Autismus-Spektrum werden in den vier Lebensbereichen Wohnen, Beschäftigung, Freizeit und therapeutische Angebote begleitet. Mit Hilfe eines sogenannten TEACCH – Programmes wird eine Struktur geschaffen, die die soziale Handlungskompetenz in lebenspraktischen Belangen verbessert, Ängste vermindert, Flexibilität erhöht und das Selbstwertgefühl stärkt. Das Raumangebot für Menschen mit Autismus wird individuell gestaltet (Einzelzimmer mit eigenem Sanitärbereich) und bietet Möglichkeiten zur Reizreduzierung, Strukturierung, Orientierung, Begegnung, Freizeitgestaltung und zur gemeinschaftlichen Haushalts- und Lebensführung. Das Erlangen und die Erweiterung von lebenspraktischen Handlungskompetenzen stehen im Vordergrund. Im Gruppenalltag werden die Bewohner/innen von den Mitarbeitern zu hauswirtschaftlichen Tätigkeiten angeleitet (z. B. Tätigkeiten im Essbereich oder Küche, Spülmaschine einräumen und ausräumen, Kaffee kochen).

Neben dem Angebot des Wohnens ist ein Angebot der Beschäftigung / Arbeit in der Tagesstätte entstanden. Der Schweregrad der Behinderung und die autismusspezifischen Besonderheiten der betroffenen Menschen machen den Besuch einer üblichen Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) bzw. die Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum möglich.

Die Gestaltung der Freizeit ist ebenfalls Bestandteil des Gesamtkonzepts. Freizeit dient der Entspannung und Erholung, der Erfahrung neuer Situationen und der Teilhabe, der Entwicklung und Förderung individueller Interessen. Dazu gehören: Sport und Spiel im Freien, Spazieren gehen, Bewegung im Wasser, Reiten, Stadtbesuche und individueller Einkauf, Besuch von Cafés, Urlaubsreise, kulturelle Veranstaltungen, Ausflüge, Feiern und Feste, Besuche empfangen und zu Besuchen fahren.

Auch verschiedene therapeutische Elemente basieren auf dem Hintergrund der Bedürfnisse und Beeinträchtigungen des Menschen mit Autismus. Von folgenden Verfahren kommen Elemente in allen Lebensbereichen zum Einsatz: Ergotherapie, Logopädie, Musiktherapie, Entspannungsbäder, Klangtherapie, Snoezelen, Massagen mit verschiedenen Materialien zur Reizreduktion und zur Unterscheidung von Empfindungen, Körperwahrnehmung in Form der basalen Stimulation durch Nutzung der Nahsinne.

Infos zur Tanner Diakonie

Die Tanner Diakonie ist eine Einrichtung der Eingliederungshilfe und betreut über 150 Menschen mit Beeinträchtigungen. In der Einrichtung finden die Bewohner/innen ein Zuhause, in dem sie sich wohlfühlen und Lebensfreude erfahren. Sie erhalten Assistenz im Alltag und Beratung in der Entwicklung von Lebensperspektiven, um Raum für Individualität und größtmögliche Normalität zu geben. Die seit 1991 bestehende Tanner Diakonie bietet folgende Hilfe- und Unterstützungsleistungen an: Ambulant Begleitetes Wohnen Verhinderungspflege Besondere Wohnformen Tagesstrukturierende Maßnahmen in Form von Tagesstätte innerhalb des Wohnheims - Freizeitangebote.

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