EXKLUSIVE TOP-STORY BEI FULDA AKTUELL

Bad Brckenau/Ottobrunn. Ich dachte, ich komme da nie wieder raus. Dies war der erste Satz, den Rudolf Blechschmidt seiner von ihm

Bad Brckenau/Ottobrunn. Ich dachte, ich komme da nie wieder raus. Dies war der erste Satz, den Rudolf Blechschmidt seiner von ihm getrennt lebenden Ex-Frau Reingard am Mittwoch amTelefon sagte. Noch in der Nacht rief er aus der Deutschen Botschaft in Kabul als erstes bei ihr und den gemeinsamen Shnen Marcus (30) und Tobias (24 Jahre) in Ottobrunn bei Mnchen an, um die frohe Botschaft persnlich zu berbringen und die Meldungen, die seit dem frhen Nachmittag ber alle Nachrichtenagenturenliefen, zu besttigen: Die deutsche Afghanistan- Geisel ist nach Dreimonatiger Gefangennahme, vermutlich durch Taliban-Terroristen, endlich in Freiheit. Und auch in derHeimatstadt von Rudolf Blechschmidt, im unterfrnkischen Bad Brckenau herrscht bei Freunden undBekannnten natrlich eine Riesenerleichterung.

Exklusiv gegenber Fulda Aktuell schilderte Reingard BlechschmidtWorte und Eindrcke ihres Mannes, die nur erahnen lassen, wie schlimm es dem 62-jhrigen Bauingenieur in der 85-tgigen Geiselhaft in den unzugnglichen afghanischen Bergen in der ProvinzWardak erging. Er hat gesagt, dass es in den letzten Tagen nur noch sehr wenig zu essen gab eine Scheibe trockenes Brot, zwei rohe Zwiebeln und ein Stckchen Melone. Auch der Transport von Wasser in das Gefangenenlager war ein greres logistisches Problem und dauerte in der Regel sechs bis sieben Stunden. Eine Situation unter der mein Mann und seine fnf Mitgefangenen sehr zu leiden hatten, obwohl er eigentlich sehr gengsam ist, so Reingard Blechschmidt. Gleichwohl htten sich alle Entfhrer und Geiseln das Essen geteilt, dennoch, so Rudi Blechschmidts eigene Einschtzung, habe er rund 25 Kilo abgenommen. Ich bin ziemlich abgemagert, zitiert Reingard Blechschmidt ihren Ex-Mann.

Ein weiteres Problem sei die medizinischeVersorgung und Belieferung mit Medikamenten gewesen. Rudolf Blechschmidt war auf Herz-, Kreislauf- und Diabetesprparate angewiesen, die zuletzt immer rarer wurden. Deshalb wurde er bei der rztlichen Erstversorung durch die Bundeswehr in Kabul mit Infusionen gegen den groen Wasserverlust behandelt und bekam auch sofort seine dringend bentigte Medizin. Und noch ein Problem sollte nicht unerwhnt bleiben: Im aufziehenden afghanischen Winter waren alle Gefangenen nur mit Sommerkleidung unterwegs. Ich ess jetzt noch ne Kleinigkeit, lege mich kurz schlafen, bevor es endlich wieder nach Hause geht, so Rudolf Blechschmidts mitternchtlichen Worte am Telefon. Etwa um diese Zeit gab es bei den brigen Familienmitgliedern in Ottobrunn auch die letzten Anrufe von Journalisten. Und um halb fnf Uhr am frhen Donnerstagmorgen schon wieder die ersten. Ich hoffe, dass es jetzt ruhiger wird und wir alle wieder ein normales Leben fhren knnen. Das waren schon ziemlich heftige Belastungen in den vergangenen drei Monaten, sagt Reingard Blechschmidt, die sich gemeinsam mit ihren Shnen intensivst um die Freilassung des Vaters und Ex-Mannes bemht hatte. Wir alle sind unheimlich froh, dass es nun endlich gut ausgegangen ist.

Das sagen auch Bad Brckenauer Freunde und Bekannte ber ihren Rudi, der in der unterfrnkischen Kleinstadt an der Sinn seine Kindheit und Jugend verbrachte, mit dem Motorradklub durch die Rhnberge fuhr, in der Kurstadt heiratete, einHaus baute und im rtlichen Metallwerk arbeitete, bevor es ihn als Ingenieur in die groe weite Welt hinauszog. Hin und wieder sei mal eine Postkarte aus dem Ausland angekommen, zuletzt die Besuche in der alten Heimat freilich seltener geworden. Edgar Lie, Vorsitzender des Bad Brckenauer Schtzenvereins, in dem Rudolf Blechschmidt von 1974 bis 1994 zwanzig Jahre aktives Mitglied war, bewahrt noch immer den Schtzenpass von Rudolf auf.Auch Kino-Paul Lhmer hat Fotos von frher im Archiv. Beide sprechen von Rudolf Blechschmidt als einem ruhigen und ausgelichenen Mann, dessen zhe Konstitution und Kmpfernatur ihn letztlich wohl vor Schlimmerem bewahrt habe. Wir sind riesig erleichtert,dass er endlich aus dieser unmenschlichen Geiselhaft freigekommen ist, so ihr Schlusswort.

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