Im Fadenkreuz

Von H.-P. EHRENSBERGERMit Stahlhelm und kugelsicherer Weste steht er seinen Mann. Der Reporter des arabischen Nachrichtensenders Al

Von H.-P. EHRENSBERGER

Mit Stahlhelm und kugelsicherer Weste steht er seinen Mann. Der Reporter des arabischen Nachrichtensenders Al Jazzerah. Mitten in Gaza-Stadt, wie in einer Trutzburg, trotzt er allen Unbilden, obwohl er und seine wackelige Kamera wie Zielscheiben auf dem Dach des Fernsehgebudes positioniert sind. Mitten in der israelischen Militroffensive, whrend ber ihm Kampfhubschrauber kreisen, hinter ihm Treibstofflager explodieren, neben ihm Granaten einschlagen. Die Reporterin vom ZDF mchte ihre fesch gefnte Frisur offensichtlich nicht durch eine Pickelhaube ruinieren, sie steht auch zensurbedingt einige Kilometer hinter der Grenze auf vermeintlich sichererem Terrain. Doch auch sie ist in Reichweite der Hamas-Raketen, die ber das Heilige Land fliegen.

Was hier in leicht flapsigen Worten formuliert wird, ist der Arbeitsalltag von vielen Journalisten in allen mglichen Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt. Ein harter, nicht selten lebensgefhrlicher, mitunter sogar tdlicher Job, wie der aktuell vor einem russischen Gericht verhandelte prominente Fall der ermordeten Tschetschenien-Korrespondentin Anna Politkowskaja zeigt. Nach Erhebungen des International News Safety Institute (INSI) wurden im vergangenen Jahr 104 Journalisten in Ausbung ihres Berufes gettet. Eine grauenvolle Bilanz, wie es der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes, Michael Konken, ausdrckt. Auch wenn die Zahl der Getteten gegenber dem Vorjahr, als 179 Journalisten und Journalistinnen ihr Leben lieen, deutlich zurckgegangen ist, so ist dies kein Fortschritt. Jeder gettete Kollege ist einer zuviel!

Die Todesflle zeigen aber auch, dass Freiheit und Unabhngigkeit von Korrespondenten in Krisenregionen vielfach berhaupt nichts zhlen. Ungewollt, mitunter sogar ganz gezielt, geraten die Reporter ins Fadenkreuz von Freischrlern, Despoten, Piraten, Militrs, totalitren Regimes und korrupten Regierungen. Wenn`s gut geht, werden sie aus kriminellen, politischen oder ideologischen Grnden nur gekidnappt, verhaftet oder zur Lsegeld-Erpressung eingekerkert. Und eine weitere Bedrohung ist mit der wachsenden Bedeutung von Online-Medien und -Blogs gegeben. Zunehmend strker konzentrieren repressive Regierungen ihre Manahmen auf das Internet.

Dann werden kritische Geister, die Pressefreiheit, wie beispielsweise zuletzt bei den Olympischen Spielen in Peking, eben mundtot gemacht.Mit diesen Zeilen mchte ich eine Lanze fr meine mutigen Kollegen weltweit brechen und ihnen zumindest moralische Untersttzung angedeihen lasDiese Courage knnte ich nicht aufbringen. In der Pflicht stehen allerdings auch alle demokratischen Regierungen, damit die Prinzipien der UN-Menschenrechtsdeklaration eingehalten werden, die sich international zur Freiheit einer ungehinderten, unzensierten Berichterstattung bekennt und sich fr die Sicherheit von Journalisten einsetzt.

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