Familientragödie in Künzell: Gemeinsame Tötung war präzise geplant 

Neue Erkenntnisse: Mutter gibt Mann und Sohn tödliche Spritze / Haftbefehl gegen 47-Jährige

Künzell - Eine Familientragödie hatte sich gleich zu Beginn des neuen Jahres in Künzell ereignet: Am Dienstag hatte die Polizei in einer Wohnung die Leichen von Vater (51 Jahre) und Sohn (16 Jahre) gefunden. Die 47-jährige Ehefrau des Mannes wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die Beamten waren am Dienstagmorgen vom Arbeitgeber des 51-Jährigen alarmiert worden, der einen Abschiedsbrief erhalten hatte.  Am Donnerstagmittag veröffentlichten Staatsanwaltschaft und Polizei weitere Erkenntnisse zu dem tragischen Geschehen. Die Leichen waren am Mittwoch obduziert worden.

Tödliche Infusion

Nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen war die gemeinsame Tötung präzise geplant. Es sei zu vermuten, dass die Ehefrau, die als Anästhesiekrankenschwester gearbeitet hat und hierdurch Zugang zu dem Anästhetikum Propofol hatte, dieses in größerer Menge bei ihrem Arbeitgeber entwendet hat, um es in der Folge zum Suizid einzusetzen. Bei dem jetzigen Ermittlungsstand wird laut Staatsanwaltschaft und Polizei davon ausgegangen, „dass zur Ausführung des gemeinsamen Planes die Ehefrau sowohl ihrem Ehemann als auch dem Sohn einen Venenzugang gelegt und das Propofol hierüber mittels einer Infusion in tödlicher Dosis zugeführt und anschließend versucht hat, sich selbst einen Venenzugang zu legen, was jedoch an der Beschaffenheit ihrer Venen scheiterte. Ehemann und Sohn wurden in dem Ehebett der Familie liegend tot aufgefunden. Die Ehefrau überlebte verletzt.

Ob der wohl an einer autistischen Störung leidende Sohn der Familie in die geplante „Selbsttötung“ eingeweiht war oder ob er gegebenenfalls zuvor anderweitig betäubt wurde, müssen die weiteren toxikologischen Untersuchungen ergeben. Die 47-Jährige habe sich bisher zum konkreten Tatablauf nicht eingelassen, ebenso wenig zum Motiv. Die Eheleute haben jedoch einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem der Suizid mit Propofol angekündigt war. Es sei nicht auszuschließen, dass das Motiv in der Belastung durch die Erkrankung des Sohnes lag.

Die Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch gegen die 47-Jährige "Haftbefehl wegen Totschlags zum Nachteil des Sohnes" beantragt, der am selben Tag durch den Haftrichter des Amtsgerichts Fulda erlassen und verkündet wurde. Die Frau wird wegen akuter Suizidgefahr derzeit in einem Krankenhaus rund um die Uhr bewacht und soll demnächst in ein Justizvollzugskrankenhaus überführt werden.

Weitere Erkenntnisse werden bekannt gegeben, sobald alle Ermittlungsergebnisse vorliegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

"Handwerkersommer" im Landkreis Fulda für Demografie-Preis nominiert

Auszeichnung wird im September in Wiesbaden verliehen / Staatsminister Wintermeyer in Neuhof zu Gast
"Handwerkersommer" im Landkreis Fulda für Demografie-Preis nominiert

"Altkreis Allstars" triumphieren bei Nostalgiespiel in Eiterfeld

Spannende Neuauflage des A-Jugend-Kreispokalendspiels von 1998
"Altkreis Allstars" triumphieren bei Nostalgiespiel in Eiterfeld

"Starkes Dorf Arzell": 4.560 Euro für den Erhalt des Schützenhauses

Förderbescheid übergeben / Schützenverein Hubertus 04 Arzell will sanitäre Anlagen sanieren und modernisieren
"Starkes Dorf Arzell": 4.560 Euro für den Erhalt des Schützenhauses

"Mythen und Märchen" beim "Tag der offenen Gärten" in und um Fulda

Eröffnungsabend am kommenden Freitag, 20. Juli / Verborgenes wird wieder sichtbar gemacht
"Mythen und Märchen" beim "Tag der offenen Gärten" in und um Fulda

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.