Zu Guttenberg: Point Alpha ist ein Ort, der meinem Herzen sehr nahe ist

                                      

Festakt „30 Jahre Deutsche Einheit“ in der Gedenkstätte Point Alpha mit dem ehemaligen Bundesverteidigungsminister

Rasdorf/Geisa - Freiheitswille, eine friedliche Revolution und das Zusammenwachsen einer Nation - die Wiedervereinigung jährt   sich am heutigen 3. Oktober zum 30. Mal. Um die Erinnerung daran wach zu halten, fand am Freitag in der Gedenkstätte Point Alpha der traditionelle Festakt mit Kranzniederlegung zum Tag der Deutschen Einheit statt. Als Hauptredner sprach der ehemalige Verteidigungsminister Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg, der verriet, dass die Gedenkstätte im sehr am Herzen liegt.

Gründe dafür lieferte er in einem eindrucksvollen Vortrag. Der Besuch des ehemaligen US-Camps Point Alpha weckt bei zu Guttenberg Erinnerungen an unbeschwerte Sommerwochen in seiner Kindheit in Eckweisbach. Hier fuhr er mit seinem Vater auch entlang der innerdeutschen Grenze mit ihren Wachtürmen und dem Stacheldraht. Zwischen Rasdorf und Geisa werden bei ihm aber auch berührende Augenblicke der Jahre 1989 und 1990 lebendig. „Wo immer Frieden und Freiheit bejubelt wurden, gab es Glücksmomente“, sagt der 48-Jährige.

Die Festigung und der Erhalt dieser Güter sei dann aber oft gewaltigen Anstrengungen unterworfen. Eine Folgeerscheinung dieser historischen Glücksmomente unterstreiche die triviale Erkenntnis, dass es sich bei Frieden, Freiheit und Demokratie niemals um ein Perpetuum Mobile handeln könne. Zu Guttenberg glaubt, die letzten 30 Jahre hätten gezeigt, dass man das Wechselspiel von Wendepunkt und Auftrag begriffen habe. Deutschland sei ein Land mit alten und neuen Schwächen, aber eben auch ein Land mit alten und neuen Stärken.

Die Gedenkstätte Point Alpha ist für zu Guttenberg aber auch ein Ort des Herzens. Er mahnte mehr zu tun, als sich lediglich nur zu erinnern oder es uns in Europa bequem zu machen. Deutschland müsse sich in der erneuerten Mitte Europas wiederfinden und es gelte sich gegen Tendenzen der Renationalisierung einzusetzen sowie Reform von internationalen Institutionen wie den Vereinten Nationen, der WTO aber auch der Europäischen Union anzustoßen.

Der frühere deutsche Minister und heutige Vorsitzender der Spitzberg Partners LLC, einer globalen Investment- und Beratungsfirma, schlussfolgerte schließlich, dass die Gedenkstätte Point Alpha allen Herzen nah sein müsse, als er die ganze Spannbreite menschlichen Handelns und Empfindens reflektierte – Abgründe, Ängste, Hoffnung, Glücksmomente und vieles mehr.

Der Stiftungsratsvorsitzende und Staatssekretär im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport Dr. Stefan Heck begrüßte zum Festakt in der Fahrzeughalle des US-Camps zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft. „Der 3. Oktober markiert einen historischen Wendepunkt für Deutschland, Europa und die Welt. Einzeln, aber auch im Zusammenhang betrachtet, ergibt sich ein klares Plädoyer: weg vom Gegeneinander, hin zum Miteinander. 71 Jahre nach dem Inkrafttreten des Grundgesetzes, fast 60 Jahre nach dem Mauerbau können wir heute auf 30 Jahre Deutsche Einheit mit Dank zurückblicken“ stellte Heck fest.

Er übermittelte auch eine Botschaft des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und der Hessischen Landesregierung: „Wir sind es den Opfern der SED-Diktatur schuldig, für den Erhalt der Gedenkstätten und Museen an der ehemaligen Grenze Sorge zu tragen. Nur durch Authentizität und Anschaulichkeit können wir gewährleisten, dass das historische Erbe der Nachkriegsjahre auch in Zukunft erhalten bleibt."

Als weitere Redner überbrachten die Ministerialdirigentin für Kultur in der Thüringer Staatskanzlei, Elke Harjes-Ecker die Grußworte für den Freistaat Thüringen und für die United States Army Europe sprach der Brigadegeneral Joseph A. Papenfus. Als Dolmetscher fungierte Major Eric Kirsch, vom Hauptquartier der US-Army in Wiesbaden.

„Es wird immer schwieriger nachzuempfinden, wie es den Menschen damals ergangen ist. Aber glücklicherweise können wir nach 30 Jahren noch mit vielen, die die Zeit selbst erlebt und diese Erfahrungen gemacht haben, ins Gespräch kommen“, stellte Sebastian Leitsch, Geschäftsführer der Point Alpha Stiftung, fest. Die Zeitzeugen in der Gedenkstätte Point Alpha, die bereit seien, den Besucherinnen und Besuchern aus ihrem eigenen Erleben zu berichten, wie sie das westdeutsche Zonenrandgebiet oder das Sperrgebiet der Deutschen Demokratischen Republik erlebt hätten, leisteten mit ihren Erzählungen einen wertvollen Dienst und ließen den Besuch der Gedenkstätte zu einem prägenden Ereignis werden.

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