Feuerwehrleute: Wie viel Leid könne sie ertragen?

Der Themenbereich psychisch belastender Einsätze ist Bestandteil der Ausbildung der Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr.
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Der Themenbereich psychisch belastender Einsätze ist Bestandteil der Ausbildung der Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr.

Kampf gegen psychische Belastungen: „Fulda aktuell“ hat Kreisbrandinspektor Adrian Vogler befragt.

Wenn der „Pieper“ los geht, eilt die Feuerwehr zum Ort des Geschehens. Flammen, Unfälle, vermisste Menschen oder gar Tote – das alles erwatet sie. Wie auch am Abend zum Pfingstsonntag, als in Künzell ein Großbrand ausgebrochen war. Doch wie geht die Feuerwehr mit solchen schlimmen Ereignissen um? Wie sehr greift es die Psyche dieser Männer und Frauen an, die größtenteils ehrenamtlich aktiv sind? „Fulda aktuell“ hat bei Adrian Vogler, Kreisbrandinspektor des Landkreises Fulda, nachgefragt.

„Die psychosozialen Herausforderungen der Einsatzkräfte der Feuerwehren sind bei Einsätzen wie aktuell in Künzell hoch. Anderen Menschen im Notfall zu helfen, ist ein sehr positives Erlebnis. Doch der Feuerwehralltag birgt auch die Konfrontation mit dem Leiden und Sterben von Menschen. Diese Extremsituationen werden von den Rettungskräften während des Einsatzes zunächst oft gar nicht wahrgenommen, weil diese am Einsatzort professionell funktionieren und ihr Bestes geben. Es ist jedoch nicht zu verkennen, dass es einen Unterschied macht, ob der Brand einer leeren Scheune gelöscht werden muss, oder ob es sich um ein Gebäude handelt, in dem sich Menschen befinden, die nicht mehr zu retten sind. Entsprechend stellen sich Belastungsreaktionen auf das Erlebte oft erst einige Tage später ein. Das können Schlafstörungen sein, Konzentrationsstörungen, Unruhe oder Ängste. Nicht jeder kann diese Bilder im Kopf, die das Geschehene erzeugt hat, gut und zügig verarbeiten. Zurückbleibt bei manchen eventuell auch das Gefühl der Schwäche oder der Zweifel daran, alles getan zu haben“, berichtet Vogler.

Aktuell befinden sich zirka 4.740 ehrenamtliche Feuerwehrmänner im Landkreis Fulda. In Fulda, Hünfeld und dem Fachdienst Gefahrenabwehr des Landkreises gibt es 97 Personen, die dieser Tätigkeit hauptberuflich nachgehen.

„Um diese Einsatzkräfte und vor allem auch die ehrenamtlichen Tätigen professionell zu unterstützen, hat der Landkreis Fulda ein zwölfköpfiges Team der Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) aufgestellt, das befähigt ist, sich um jene Helfer zu kümmern, die besonders belastende Einsätze absolviert haben. Das Team setzt sich aus Feuerwehrleuten, Notärzten sowie aus Rettungskräften des ‚DRK‘ und des ‚Malteser Hilfsdienstes‘ zusammen.

Die ‚PSNV-E‘ ist bereits an der Einsatzstelle vor Ort, wie auch bei dem Brand in Künzell, und steht ebenfalls zur Nachsorge in den Tagen nach besonders dramatischen Einsätzen zur Verfügung. Die Einsatzkräfte können sich jederzeit und vertraulich an das Team wenden“, so der Kreisbrandinspektor.

Der Themenbereich psychisch belastender Einsätze sei auch Bestandteil der Ausbildung der Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren. Außerdem sei es wichtig und diene der Prävention, sich früh damit auseinanderzusetzen, dass eine Belastungssituation sehr individuell erlebt und verarbeitet werden, und auch nicht ausschließlich bei Großschadenslagen eintreten kann. „Vor allem wenn Kinder betroffen sind, wenn ein persönlicher Bezug zu Betroffenen besteht oder der Einsatz ein Gefühl der Hilflosigkeit hinterlässt, ist die Belastung meist sehr hoch. Das wird in der Ausbildung ebenso thematisiert wie mögliche physische, seelische und kognitive Symptome sowie die vorhandenen Hilfsangebote. Jeder soll wissen, dass man als Einsatzkraft auch Schwäche zeigen und sich Hilfe holen darf, um damit nicht allein zu bleiben. Dieses Bewusstsein zu schaffen, ist ein ganz wichtiger Schritt “, so Vogler.

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