Flucht vor der Kälte

Obdachlose sind bei Minustemperaturen auf karitative Einrichtungen angewiesen.

Fulda - In dieser kalten Jahreszeit ist man froh, wenn man ein Zuhause hat. Man kuschelt sich unter eine warme Decke und trinkt eine heiße Tasse Tee. Doch viele Menschen können davon nur träumen. Sie haben keinen warmen Schlafplatz und auch kein Dach über dem Kopf. Gerade bei Minustemperaturen wird es dann lebensgefährlich für Obdachlose.

Laut der „Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe“ (BAG W) sind im Winter 2018/2019 zwölf Obdachlose durch niedrige Temperaturen ums Leben gekommen. Von Bund, Ländern und Kommunen existieren keine offiziellen Statistiken zu den Kältetoten. Die „BAG W“ stützt sich bei ihrer Zählung auf Medienberichte. Der Verband geht sowohl bei der Anzahl der auf der Straße lebenden Menschen als auch der erfroren Obdachlosen von einer hohen Dunkelziffer aus. Einige Städte bieten daher im Winter Notunterkünfte oder Kältebusse an, um die Bedürftigen vor der Kälte zu schützen.

Auch in Fulda gibt es laut Magistratspressestelle ein gut funktionierendes Netzwerk von städtischen und karitativen Einrichtungen, die ganzjährig die Versorgung der Obdachlosen sicherstellen. Dieses Netzwerk aus Suppenküchen, Aufwärmmöglichkeiten und städtischen Übernachtungsheimen soll sicher stellen, dass kein Obdachloser in der Kälte ausharren muss. Beteiligte Institutionen des Netzwerks sind unter anderem die „Bahnhofsmission“ und die „Vinzenzküche“. In der „Bahnhofsmission“ können Obdachlose kostenlos und ohne Anmeldung Hilfe bekommen. Die Mitarbeiter bieten einen Aufenthaltsraum, Brot, warme Getränke und eine allgemeine Beratung. Die „Vinzenzküche“ in der Kanalstraße 22, als Essensausgabe und Wärmestube wird täglich von circa 20 bis 30 Menschen aufgesucht. Drei Mitarbeiter kümmern sich um die Bedürftigen. Obdachlose können dort frühstücken und zu Mittag essen. Brote für den restlichen Tag können mitgenommen werden. Auch das „Haus Jakobsbrunnen“ in der Kronhofstraße 1, als Tagesstätte der „Caritas“ und als ambulante Fachberatungsstelle ist eine große Hilfe für Menschen ohne festen Wohnsitz. Die städtischen Obdachlosenunterkünfte geben zudem eine Chance auf eine sichere und warme Nacht. Viele Ehrenamtliche sind, laut Magistratspressstelle, in diesen Einrichtungen tätig, um den Bedürftigen zur Seite zu stehen und ihnen durch den Winter zu helfen.

Etwas anders schätzt Peter Axt, Stellvertretender Leiter der „ökumenischen Bahnhofsmission Fulda“, die Lage in der Region ein. Auf Anfrage von „Fulda aktuell“ äußerte sich Axt zu der Situation in der städtischen Unterkunft.„Die Obdachlosen dürfen auch nur maximal sieben Nächte im Monat dort übernachten danach ist Schluss“, so Axt. Viele der Obdachlosen würden in Vorräumen von Banken schlafen, denn es gäbe deutlich zu wenige Schlafmöglichkeiten in Fulda. Außerdem werde nicht jeder Bedürftige in eine Unterkunft aufgenommen. Ausschlusskriterien seien häufig die Haltung eines Hundes, Alkoholkonsum oder fehlende Sprachkenntnisse.

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