Weihnachtsgeschichte: Herr Bombelmann und das geheimnisvolle Geschenk

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Die exklusive Weihnachtsgeschichte für lokalo24.de von Wolfgang Lambrecht.

Der Duft der leckeren Weihnachtsplätzchen, die während des ganzen Tages in der Küche gebacken worden waren, schwebte bis in den hintersten Winkel des kleinen, bunten Hauses in Poppelsdorf und hing überall in der Luft. So spät hatte Herr Bombelmann noch nie sein Gebäck fertiggemacht, heute, am letzten Tag – es war schließlich schon der 24. Dezember. Allerdings war auf diese Weise auf jeden Fall gewährleistet, dass zum Fest noch Kekse übrig waren, nicht wie im letzten Jahr, als Herr Bombelmann bereits vorher alle weggefuttert hatte.

Müde, weil die vergangene Nacht wegen des frühen Aufstehens recht kurz und die Arbeit am Tag in der Küche anstrengend war, wollte sich Herr Bombelmann für etwa zwei Stunden auf’s Ohr hauen. Kurz hinlegen, die Augen zuklappen, ein wenig schnarchen und dann fit für den Abend sein. Bestimmt würden Frau Lieblich, Professor Achtmalklug und Hubert, der Maulwurf zu Besuch kommen – eingeladen waren sie und freuten sich schon darauf.

Kaum lag Herr Bombelmann unter der kuschelig weichen Decke, war er schon auf dem Rücken liegend eingeschlafen. Ruhig und gleichmäßig atmete er, schnarchte ab und zu leise und wenn man ihn gesehen hätte, man wüsste dass er zufrieden war.

Als er wach wurde, nahm er die Decke zur Seite, schwang seine Beine aus dem Bett, setzte sich aufrecht hin, reckte die Arme nach oben und wollte in seine Hausschuhe schlüpfen – doch diese standen nicht vor seinem Bett. Hatte er sie etwa vorhin aus Versehen vor lauter Müdigkeit mit Hemd und Hose in den Wäschekorb geworfen? An einem solchen Tag konnte man schon mal durcheinander sein, gestand er sich zu, stand auf und schlurfte barfuß hinüber zum Kleiderschrank. Frische Sachen brauchte er ohnehin für den Abend, denn er wollte für seine Gäste nicht nach Gebackenem riechen, auch wenn er selbst es mochte.

Kaum hatte Herr Bombelmann die rechte Tür geöffnet, riss er die Augen weit auf und trat verunsichert einen kleinen Schritt zurück. Wo war all seine Kleidung hingekommen? Fächer und Kleiderstangen waren wie geplündert, nur eine rote Hose, ein dicker Pullover, eine rote Mütze und ein roter Mantel mit einem weißen Pelz um die Kapuze waren darin. Herr Bombelmann schob die Tür wieder zu, schüttelte sanft den Kopf und zweifelte an seinem Verstand. Vielleicht würde ihm ja eine erfrischende Wäsche im Bad helfen. Auf dem Weg dorthin kam er an seiner Garderobe vorbei und schaute aus den Augenwinkeln in den Spiegel. Erschrocken blieb er stehen und betrachtete sich genauer. Den Oberkörper nach vorne gebeugt brachte er sein Gesicht ganz nahe heran, drehte den Kopf etwas nach links und nach rechts, hob ihn an und drehte ihn wieder. Sein Bart war so stark gewachsen wie normalerweis in vier Tagen! Hatte er das Weihnachtsfest verschlafen? Warum hatten Frau Lieblich und die anderen ihn nicht wachgeklingelt? Oder ging hier etwas anderes vor?

Im Bad angekommen, verteilte Herr Bombelmann Rasierschaum in seinem Gesicht und begann sich zu rasieren. Kaum hatte er die weißen Bartstoppeln entfernt, wuchsen sie in Windeseile nach. Immer und immer wieder taten sie das und es war egal wo er ansetzte, es nutzte nichts. Auch wenn Aufgeben nicht zu seinen Tugenden gehörte, hier sah Herr Bombelmann keinen Sinn darin weiterzumachen. Er legte das Rasierzeug zur Seite, tupfte sein Gesicht ab und ging zurück zum Schrank. Dort hatte sich nichts geändert, hierin lagen und hingen nach wie vor nur die Hose, der Pullover, die Mütze und der rote Mantel mit dem weißen Pelz um die Kapuze. Herr Bombelmann nahm die Sachen heraus, schlüpfte hinein und zog die Mütze über seinen Hut, den er ja immer auf dem Kopf trug. Alles passte ihm wie angegossen und er dachte, er könne darin aussehen wie ... das wollte er im Spiegel betrachten.

Was war denn das? Der Bart war in dieser kurzen Zeit enorm gewachsen, hatte eine stattliche Länge erreicht und war zu einem Vollbart in weiß geworden. Zum Verwechseln ähnlich sah er dem Weihnachtsmann! Ob er sich so vor die Tür trauen sollte? Warum eigentlich nicht? Zum einen war heute der Heiligabend und zum anderen würde ihn selbst in Poppelsdorf in diesem Outfit niemand erkennen.

Also ging er zum Bett, zog die Stiefel über und öffnete kurz darauf seine Haustür. Hier wartete die nächste Überraschung: Vor seinem Haus stand ein edler Schlitten mit goldenen, geschwungenen Kufen, weichen und einladenden Sitzen, einem prall gefüllten, großen Sack darauf und davor sechs Rentiere. Feine, kleine Glöckchen hingen rundherum und glitzerten im geringen Abendlicht. Neugierig betrachtete Herr Bombelmann den Schlitten, berührte ihn ungläubig um festzustellen, dass er echt war und setzte sich mutig darauf. Kaum hatte er Platz genommen, schossen die Rentiere los und die feinen, kleinen Glöckchen zauberten eine wundervolle Melodie. War Herr Bombelmann eben noch vor seinem Haus in Poppelsdorf, so flog er jetzt dem sternenklaren Abendhimmel entgegen. Der eigentlich kalte Wind strich ihm warm und sanft um die Nase und ohne die Zügel in der Hand zu haben, zogen die Rentiere den Schlitten zielgenau durch die Lüfte. Hier und da landeten sie auf verschiedenen Dächern und Herr Bombelmann holte aus dem großen, prall gefüllten Sack die unterschiedlichsten, bunt eingepackten Geschenke. Um diese in die Häuser hineinzubringen ließ er sich entweder durch den eigentlich engen, schwarz verrußten und schmutzigen Kamin gleiten (wobei er nirgends dagegen stieß und auch nicht schmutzig wurde) oder er schwebte durch die geschlossenen Fenster in die Räume. Lautlos geschah das alles, heimlich – fast schon unheimlich. Menschen traf er hierbei nicht an und wurde bestimmt auch von niemandem gesehen.

Unterschiedlich waren die Bäume, unter denen er die Geschenke ablegte, geschmückt. Mal mit elektrischen Lichtern, mal mit echten Kerzen, meist hingen bunte, glänzende Kugeln daran, manchmal Engel und Glöckchen aus Schokolade und Marzipan, meist zusätzlich Selbstgebasteltes von den Kindern, wie zum Beispiel Strohsterne.

Es dauerte einige Zeit bis der Sack leer war und manchmal glaubte Herr Bombelmann, er fülle sich manchmal wie von selbst nach. Ohne etwas sagen oder tun zu müssen, flogen die Rentiere zurück zum kleinen bunten Haus in Poppelsdorf, setzten Herrn Bombelmann vor seiner Haustür ab und verschwanden lautlos fliegend in der Nacht. Herr Bombelmann sah dem glitzernden Schlitten so lange nach, bis dieser zwischen den Wolken verschwunden war und ging schließlich ins Haus. Die außergewöhnliche Kleidung hängte beziehungsweise legte er ordentlich in den Schrank und machte es sich noch einmal auf dem Bett bequem.

„Ding-Dong“ schellte es an der Tür. Herr Bombelmann schreckte hoch, knipste das Licht an und riss die Augen auf. Sein erster Blick fiel auf den Stuhl, auf dem sauber und ordentlich gefaltet Hemd und Hose abgelegt waren. Vor dem Bett standen wie selbstverständlich die Hausschuhe, in die er sogleich hineinschlüpfte und damit zur Tür ging um zu öffnen. Davor stand Hubert, der Maulwurf und schaute Herrn Bombelmann hinter dicken Brillengläsern an: „Fröhliche Weihnachten Herr Bombelmann, wieso bist du noch im Schlafanzug? Bin ich zu früh?“ Herr Bombelmann schüttelte den Kopf: „Fröhliche Weihnachten Hubert, nein, nein, du bist nicht zu früh. Bestimmt nicht. Ich war wohl eingeschlafen und habe länger gelegen als ich wollte. Komm herein!“ Hubert trat ein und bemerkte: „Hmm, hier duftet es aber lecker nach Plätzchen! Hast du in diesem Jahr noch welche übrig?“ „Ja, ich habe sie heute erst gebacken und noch keins davon gegessen. Aber irgendwie bin ich noch ganz durcheinander. Du kannst gerne schon eins probieren, während ich mich schnell anziehe.“ Hubert winkte ab: „Du musst dich nicht schnell anziehen, das geht auch langsam. Dann kann ich in dieser Zeit auch zwei oder drei essen!“

Herr Bombelmann drehte sich um und verschwand im Schlafzimmer, um kurz darauf angekleidet wieder herauszukommen. Schon klingelte es erneut an der Tür. Frau Lieblich und Professor Achtmalklug waren es, die davor standen und herrlich verzierte Geschenke mitgebracht hatten. „Fröhliche Weihnachten allerseits“, wünschten sie und traten ein. Hubert rief zurück: „Fröhliche Weihnachten ihr zwei. Herr Bombelmann hat bis eben geschlafen und ist noch etwas durcheinander, weil ich ihn aus dem Bett geklingelt habe. Aber das wird gleich, denke ich.“ Herr Bombelmann schüttelte den Kopf: „Nein Hubert, deshalb bin ich nicht durcheinander. Ich habe wohl sehr intensiv geträumt – und das hat mich ein wenig irritiert.“

Frau Lieblich wollte wissen: „Was war denn das für ein Traum, dass er dich so iriitiert, Herr Bombelmann?“ „Es war seltsam“, begann Herr Bombelmann, „ich glaubte aufgewacht zu sein und...“ Nun erzählte Herr Bombelmann die ganze Geschichte und betonte, dass er wirklich glaubte, alles erlebt zu haben. Professor Achtmalklug nickte schlau: „Es kommt häufiger vor, dass man Träume und Wahrheit kaum auseinanderhalten kann. Kein Grund zur Beunruhigung.“

So saßen sie alle zusammen und aßen etwas, plauderten und schließlich war es an der Zeit für die Bescherung. Für jeden waren Geschenke unter dem Weihnachtsbaum abgelegt worden und für Herrn Bombelmann war ein ganz besonderer Karton dabei. Er nahm das kleine Schild, das daran hing, und las: „Lieber Herr Bombelmann, vielen Dank, dass du mir heute geholfen hast. Alleine hätte ich das nicht geschafft!“

Neugierig und mit Herzklopfen öffnete Herr Bombelmann den Karton. Darin befand sich ein reich verziertes, kleines Kästchen, auf dem in geheimnisvoller Schrift zu lesen war: „Hierin befindet sich die Erfüllung deines größten Wunsches“.

Weil sich Herr Bombelmann für den heutigen Tag nichts mehr wünschte, als einen schönen Abend mit seinen Freunden zu verbringen – was sie ja auch taten -, beschloss er, das ungewöhnliche Wunschkästchen nicht zu öffnen. Er wollte es aufheben, bis er es wirklich brauchte und einen besonderen Wunsch hatte.

Dass dieser Tag schneller kommen würde als erwartet, hätte er nicht gedacht. Auf jeden Fall war er sehr froh darüber, es noch nicht geöffnet zu haben. Aber das ist eine ganz andere Geschichte...

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