Frauentag: Die Geschichte eines Tages

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Osthessen. Auch in der Region gibt es Veranstaltungen zum "Internationalen Frauentag".

Osthessen. Inzwischen gibt es den "Internationalen Frauentag" seit mehr als 100 Jahren. 1909 von einem amerikanischen Frauenkomitee ins Leben gerufen, kam diese Ini­tiative bereits 1911 nach Europa.

Die Sozialistin Clara Zetkin schlug bei der "Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz" vor, den "Frauentag" auch hierzulande einzuführen. Das oberste Ziel Zetkins war, das Wahlrecht für Frauen einzuführen. Weiter standen damals der Arbeitsschutz, der Schutz von Müttern und Kindern, geschlechtsunabhängige Löhne und Zahlung von Mindeslöhnen.

Erstmals in Europa

Zahlreiche Frauen in Deutschland, Dänemark, in der Schweiz und in Österreich-Ungarn beteiligten sich am ersten "Internationalen Frauentag", der am 19. März 1911 begangen wurde. Inzwischen ist der 8. März das alljährliche Datum des "Internationalen Frauentages". Die wahrscheinlichste Begründung dafür ist, dass an diesem Tag den Soldaten und Arbeiterfrauen gedacht wird, die im Jahr 1917 in St. Petersburg streikten und damit die so genannte "Februarrevolution" auslösten.Im Laufe der Jahre veränderte der Frauentag seine Gestalt. Auch die Forderungen der Frauen passten sich den gesellschaftlichen Gegebenheiten an – zumal das Frauenwahlrecht in Deutschland im Jahr 1918 endlich eingeführt worden war.

Es gab Jahre, in denen zwei verschiedene Frauentage stattfanden: ein sozialistischer und ein kommunistischer. Insgesamt waren die Forderungen der Frauen weiterhin die Arbeitsbedingungen, aber auch die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, billigere Lebensmittel und eine angemessene Schulspeisung.

Zwei "Frauentage"

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das offizielle Begehen des "Frauentages" verboten – weil es eine sozialistische Idee war. Vermutungen zufolge wurde der "Frauentag" von 1933 bis 1945 weiterhin begangen – im Geheimen. Während der Nazi-Zeit standen nicht die Frauen, sondern die Mütter im Vordergrund und der "Muttertag" wurde zu einem offiziellen Feiertag erhoben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich in der DDR und der BRD unterschiedliche Ausprägungen des "Frauentages". Während die sozialistische Tradition im Osten vorherrschte, wandelten sich die "Frauentage" im Westen ab 1948 eher den Themen Pazifizmus, Abrüstung und Frieden. Kritik äußerte der Westen an der Art des "Frauentages" in der DDR, wo der "Frauentag" zu einer Art "sozialistischer Muttertag" geworden war.

Ziele von Heute

Im "Internationalen Jahr der Frau" (1975) richteten die Vereinten Nationen am 8. März erstmals eine Feier aus. Die Generalversammlung der UN beschloss im Dezember 1977, den 8. März als offizielles Datum für den "Internationalen Frauentag" anzuerkennen. Die heutigen Ziele des "Internationalen Frauentages" sind unter anderem bessere Bildung für Mädchen, der Kampf gegen die Genitalverstümmelung, gegen Kinderheirat und der Schutz gegen Ausbeutung und ungleiche Behandlung von Mädchen und Jungen.

In Deutschland liegt der Fokus auf gleichen Löhnen für Frauen und Männer und im Kampf gegen Gewalt an Frauen sowie auch für gleichgeschlechtliche Lebensweisen.Heute wird der "Internationale Frauentag" oftmals mit Vorträgen, kulturellen Veranstaltungen und auch Demonstrationen gefeiert. Inzwischen hat der "Internationale Frauentag" in der Gesellschaft einen festen Platz gefunden.

Gleichberechtigung

Viviane Reding, EU-Kommissarin aus Luxemburg, sagte jedoch imJahr 2008: "Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben. Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen."

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Fuldaer Frauenwoche

Fulda. In Fulda wird der "Frauentag" heute um 11 Uhr im Fürstensaal im Stadtschloss feierlich eröffnet. Den Festvortrag hält Eva Maria Welskop-Deffaa. Ab 14 Uhr startet eine frauenpolitische Aktion am Eingang zum Stadtschloss. Bei einem einstündigen Spaziergang machen sich die Teilnehmerinnen auf den Weg, um Straßen, die nach Frauen benannt sind, auf den Grund zu gehen. In Fulda sind nur 32 Straßen nach Frauen benannt, 286 nach Männern.  Um 16.30 Uhr können sich Interessenten bei einer einstündigen Führung mit Ingrid Möller-Münch im Stadtarchiv zum Thema "Frauen – Männer – Macht" in den Annalen der Stadtgeschichte kundig machen. "Mara & Chris Miller mit Band" treten ab 20 Uhr im "Kulturkeller" auf. Das komplette Programm der "Frauenwoche Fulda" liegt an städtischen Stellen aus oder kann unter www.fulda.de abgerufen werden.

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Frauenfest

Vogelsberg. Das zentrale Frauenfest am Samstag, 8. März, findet in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule, Schillerstraße 1 in Alsfeld statt. Nach dem Sektempfang und einem Kurzvortrag der Gleichstellungs- und Migrationsbeauftragten Magdalena Pitzer zur Geschichte des Frauentags erwartet die Besucherinnen eine Modenschau der etwas anderen Art: Die Bezirkslandfrauen Lauterbach schlüpfen in jeweils typische zeitgenössische Kleidung von 1900 bis heute. Und nach Essen und Trinken sorgt Barbara Heinz für (Frauen-)Bewegung mit Musik und Anleitung zum Tanzen.

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