Freundschaft hat Grenzen: „Wie weit würdest du für einen Freund gehen?“

+
Die Tutorgruppe11e  des „Marianums Fulda“ stellte sich gemeinsam mit ihrem Tutor Heiner Krauß die Frage: „Wie weit würdest du fur einen Freund gehen?“

Die Tutorgruppe 11e des "Marianums Fulda" führte ein Schülerprojekt zum Thema Freundschaft und ihre Grenzen durch.

Fulda. „Freundschaft ist gegenseitiges Vertrauen“, „Freundschaft ist Seelenverwandschaft“, „Freunde unterstützen sich“, „Freunde können sich aufeinander verlassen“ aber „Freundschaft hat auch Grenzen“. So definieren die Schüler der Tutorgruppe 11e am „Marianum“ das Wort Freundschaft. „Wie weit würdest du für deinen Freund gehen?“ war die Frage, die Tutor Heiner Krauß seinen Schülern stellte.

Auslöser für diese etwas andere Unterrichtsstunde war eine Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht Fulda. Zwei Freunde waren wegen Urkundenfälschung angeklagt worden. Der Angeklagte Thorsten V. stiftete seinen Freund Martin V. dazu an, für ihn ein Weiterbildungsseminar zu besuchen. Der Betrug flog auf. Beide wurden zu einer Geldstrafe verurteilt. Doch ihre Freundschaft hält bestand, dass zeigte sie beim Gerichtstermin deutlich.

„Für mich ist es spannend zu erfahren, was meine Schüler für ihre Freunde tun würden oder sogar schon getan haben“, sagt Krauß vor dem Projekt. Die Schüler definierten zunächst, was Freundschaft für sie heißt. Für die 24 Schüler steht fest: Freunde tun alles füreinander ­– aber keine Straftaten.

„Ein guter Freund würde einen Freund nicht in eine solche Situation bringen“, erklärt eine Schülerin. Ein Oberstüfler findet deutlichere Worte: „Thorsten zieht Martin in den Dreck.“ Die Schüler sind sich einig, dass man als guter Freund versucht, auf den, der dabei ist eine Dummheit zu begehen, positiv einzuwirken und somit eine eventuelle Straftat verhindert. „Ich würde meinen Kumpel auch mal einsperren, damit er nichts anstellt“, sagt ein Jugendlicher.

Ein Teil der 11e wäre dennoch bereit für einen Freund ins Gefängnis zu gehen oder ihm beispielsweise ein Alibi zu verschaffen. „Es kommt immer auf die Situation an“, erklärt ein Kursteilnehmer. „Ich habe sogar mal für meine Freundin gelogen“, berichtet ein Mädchen. „Ich wollte, dass sie ein schönes Wochenende verbringen kann“, begründet sie ihr Handeln.

Die Schüler kamen zu dem Schluss, dass Freunde sich gegenseitig unterstützen sollten, aber dies auch in einem Rahmen, der für einen selbst vertretbar bleibt. „Man sollte zu dem was man getan hat stehen und nicht seine Freunde mit ‘reinziehen“ sind sich die Schüler der 11e einig.

Zwischenruf von Antonia Schmidt: Gute Freunde

Für mich bedeuten meine Freunde alles. Deshalb steht Loyalität bei mir ganz oben. Natürlich hat diese Loyalität auch Grenzen. Habe ich schon mal für einen Freund gelogen? Natürlich habe ich das. Auch als ich selbst noch Schüler am „Marianum“ war. Wenn ein Freund leider nicht zu einer Arbeit erscheinen konnte, weil er zu viel gefeiert hatte, dann unterstützte ich natürlich die Aussage, er sei krank. Sie hätten dasselbe für mich getan. Doch durch solche kleinen „Notlügen“ kann man auch schnell mal in schlimmere Situationen rutschen. Und eine Urkundenfälschung, wie im Fall der beiden Männer, scheint plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Manche Straftaten fallen einem selbst gar nicht auf, da gibt es Menschen im eigenen Umfeld die auch mal eine nicht legale „Zigarette“ rauchen. Auf die Idee, das anzuzeigen, bin ich noch nie gekommen. Wieso auch? Solange sie mich mit dem Zeug in Ruhe lassen. Manchmal merken wir gar nicht, dass wir uns bereits im Raum der Illegalität befinden. Auch kenne ich Menschen, die die Deko-Weihnachtsbäume der Stadt mitgenommen haben, die eigentlich den Weihnachtsmarkt schmücken sollten. Natürlich sind das nicht meine Freunde und das ist schon sehr lange her, aber damals dachte ich mir: Ach, wenn sie meinen. Dämliche Suffaktion. Heute bin ich mir bewusst, dass es sich dabei um Diebstahl handelt und strafbar ist. Freunde sind mir wichtig genug, dass ich versuche sie vor Straftaten zu schützen. Wenn einer meiner Freunde eine Dummheit geplant hätte, würde ich versuchen, sie ihm auszureden oder danach wenigstens zu helfen, das Ganze zu regeln. Freunde sollten füreinander da sein. Ich bin froh, Menschen um mich zu haben, auf die ich mich zu 100 Prozent verlassen kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Meist Gelesen

An der Masernimpfung geht kein Weg vorbei

Prof. Dr. Dirk Breitmeier, Amtsarzt im Gesundheitsamt Fulda, ist ein Befürworter des neuen Masernschutzgesetzes.
An der Masernimpfung geht kein Weg vorbei

Aus Marie wird Noah - Im falschen Körper geboren: Ein Jugendlicher erzählt

Noah aus Osthessen war bis vor kurzem Marie. Mit 16 Jahren hat sich der Teenager geoutet.
Aus Marie wird Noah - Im falschen Körper geboren: Ein Jugendlicher erzählt

Zwischenruf: Corona-Maskerade

Redakteur Christopher Göbel freundet sich langsam damit an, in der Öffentlichkeit eine Corona-Schutzmaske zu tragen.
Zwischenruf: Corona-Maskerade

"Ganz schön, Schaf!": Gewinner des Fotowettbewerbs auf der Wasserkuppe gekürt

Beeindruckende Schnappschüsse vom Maskottchen der Rhön
"Ganz schön, Schaf!": Gewinner des Fotowettbewerbs auf der Wasserkuppe gekürt

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.