US-Wahl: Die Freundschaften bleiben bestehen

USA-Experte Winfried Jäger im Fuldaer „Blackhorse-Museum“, das er im Münsterfeld leitet. Foto: Göbel

USA-Experte Winfried Jäger aus Fulda beobachtet das Wahlgeschehen in den USA aus einem etwas anderen Blickwinkel. Denn Jäger ist Präsident des „Bundesverbandes der deutsch-amerikanischen Freundschaft“.

Fulda. „Fulda aktuell“ sprach dennoch mit dem USA-Experten Winfried Jäger, der unter anderem Präsident des „Bundesverbandes der deutsch-amerikanischen Freundschaft“, des „DAFKS Kontakt Fulda“ und Träger des Bundesverdienstkreuzes ist, über das Land, das seit Donald Trumps Amtsantritt gespalten ist – und im Wahlkampf mit Joe Biden mehr denn je uneins ist. Beim Schreiben dieses Artikels lag das endgültige Wahlergebnis noch nicht vor.

„Das deutsch-amerikanische Verhältnis ist in den letzten vier Jahren während der Trump Administration sicher schwieriger und schlechter geworden – aber gerade vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass diese Freundschaft zum Beispiel durch den ,Deutsch-Amerikanischen Freundschafts-, Kultur- Sportverein KONTAKT Fulda‘ DAFKS) oder auch deutschlandweit durch den ,Bundesverband der deutsch-amerikanischen Freundschaft‘ und dessen Mitgliedsvereinen weiter gehalten wird“, sagt Jäger. Diese Menschen hielten Brücken aufrecht. „Unsere Aufgabe war schon in der Vergangenheit sehr wichtig, ist aber künftig noch viel bedeutender. Wir betrieben die Arbeit an der Basis, die auch für politische Beziehungen ein wichtiger Faktor ist.“

Jäger ist beeindruckt von der Rekord-Wahlbeteiligung in den USA. „Vielleicht werden es noch Stunden sein, aber vielleicht auch Tage bis das Ergebnis der Wahl feststeht“, sagt er. Den meisten Europäern wäre laut Jäger eine Wahl von Joe Biden am liebsten, „was ja momentan auch so aussieht“. Die politischen Beziehungen hätten sich in den letzten vier Jahren unter Trump stark abgekühlt.

„Aber auch Biden kann und wird die Uhren nicht rückwärts drehen. Das was an bisherigen Entscheidungen getroffen wurde, wird zumindest, wenn auch nicht zu 100 Prozent, von Biden umgedreht werden. Aber viele Konflikte werden bleiben“, so der USA-Experte. Mit Joe Biden werde es aber wieder einen US-Präsidenten geben, der die transatlantischen Partnerschaften schätze, zu seinem Wort stehe und damit auch speziell zur deutsch- amerikanischen Freundschaft.

„Im Prinzip hat die aktuelle US-Politik in der direkten Verbindung mit unseren in den USA lebenden Freunden und Mitgliedern keinen großen Einfluss. Freunde bleiben Freunde – vor, während und nach der Wahl – auch wenn die politischen Übereinstimmungen teilweise nicht übereinstimmen. In der Freundschaft haben wir dafür viel zu viel gemeinsam erlebt und an gemeinsamen Projekten gearbeitet. Wir halten die Freundschaft aufrecht – durch persönliche Begegnungen“, sagt Jäger. Viele ehemals in der Region Fulda und weit darüber hinaus ehemals stationierte Soldaten hätten das „Blackhorse-Museum“ in der Ernst-Barlach-Straße besucht. „Wir haben da in vielen persönlichen Gesprächen festgestellt, dass sich die Einstellung nicht geändert hat. Im Gegenteil, momentan stehe ich mit dem Präsidenten der ,Association der 14th Cavalry‘ in Verbindung, der aus diesem Freundschaftsgedanken heraus angeregt hat, ein ähnliches Museum für das 14th Cavalry Regiment aufzubauen. Wir arbeiten daran“, so Jäger. Neben persönlichen Gesprächen hatten und haben die Fuldaer auch wöchentlichen E-Mail-Verkehr oder auch Skype-Meetings mit Menschen in den USA. „Das untermauert meine These, dass sich an den persönlichen Freundschaften nicht viel geändert hat.“

Die politischen Einstellungen der US-amerikanischen Freunde Jägers und seiner Vereine seien unterschiedlich: „Ich kenne viele Demokraten und auch viele Republikaner. Im Umgang mit der deutsch-amerikanischen Freundschaft in unserem Verein hat das aber keine große Bedeutung – die Freundschaft wird weiter bestehen.“

„Sollte Joe Biden am Ende die Wahlen gewinnen, hat er es auch nicht unbedingt einfach, die politischen Entscheidungen, die unter Trump getroffen wurden abzumildern. Er benötigt für die Rücknahme ja auch weitere politische Gremien in den USA beispielsweise im Senat, um bereits getroffene Entscheidungen zu ändern. Es gibt viele politische Felder, in denen Biden tätig werden muss, was er ja auch angekündigt hat – Klimapolitik, UN, WHO, NATO und vieles andere“, sagt der USA-Experte.

„Eines dieser Themen will ich als Präsident des Bundesverbandes der deutsch-amerikanischen Freundschaft gerne aufgreifen: Der Abzug amerikanischer Soldaten aus Deutschland wird vielleicht geringer ausfallen, trotzdem wird die persönliche Begegnung schwieriger und die betroffenen Regionen werden auch noch wirtschaftlichen Problemen stehen“, so Jäger. Er sei aber fest der Meinung, dass die aktuelle Einstellung der amerikanischen Politik für Europa und speziell auch Deutschland „nach den schwierigen vier vergangenen Jahren wieder besser wird.“

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