Ein Interview mit Manfred Hohmann von HairSzenario

Friseure wollen endlich wieder öffnen

Manfred und Uschi Hohmann von HairSzenario.
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Manfred und Uschi Hohmann von HairSzenario.

Ein Interview mit Manfred Hohmann von HairSzenario über die aktuelle (Corona)-Situation.

Fulda. Seit sechs Wochen sind die Friseursalons in Deutschland geschlossen. Doch die Haare wachsen auch im Lockdown. Der Schwarzmarkt „boomt“ und täglich werden in Deutschland Haare geschnitten und gefärbt.

Dies in einem unkontrollierbaren Umfeld, ohne Hygienekonzept, ohne Kontaktnachverfolgung. „Die Schließung von Friseursalons ist kontraproduktiv. Es wäre sicherer, Friseursalons wieder zu öffnen“, so Manfred Hohmann, Inhaber von „HairSzenario“.

„Die Situation ist sehr einsam. Ich muss mich immer selbst beherrschen, dass ich nicht in das ‚Jammerlappental‘ verfalle. Ich hatte noch nie so lange frei an einem Stück. Wir nutzen die Zeit für mentales Auftanken. Geschäftlich haben wir das Glück mit einer überschaubaren Kostenstruktur arbeiten zu können.Selbstverständlich wird das Eis dünner, aber wir üben uns darin nicht einzubrechen.“, so Hohmann.

FULDA AKTUELL: Gab es berufliche Möglichkeiten in der Corona-Zeit?

MANFRED HOHMANN: Wir haben versucht mit dualem Kundenmanagmentprogramm Kontakt zu unseren Kunden zu halten. Wir wissen schon, dass nicht alle interaktiv unterwegs sind, dann machen wir das per Telefon. Das moderne frische Medium der Digitalität hilft uns aber sehr. Unsere neue Webseite (www. hairszenario.de) wird wöchentlich in der Rubrik ‚Aktuelles‘ geupdatet. Wir haben ein Terminbuchungsprogramm hinterlegt , wo wir mit unseren Kunden kommunizieren können. Ich habe drei offene „Zoommeetings“ gemacht zu den Themen: Blondsprechstunde, Winterhaarpflege und ‚Do it yourself Styling‘ und habe insgesamt 600 Interessierte erreicht. Außerdem habe ich im „CLUBHOUSE“ (neues Portal im Internet) drei Rooms als Moderator für Beautyinteressierte durchgeführt. Und es waren sogar einige aus der Region im Raum. Und einiges steht noch an.

FA: Wie haben Sie die Zeit verbracht in der Sie nicht arbeiten konnten?

HOHMANN: Meine Frau Uschi und ich, haben uns sehr viel mit geistigem beschäftigt und die Zeit war sehr kreativ. Wir haben viel andere und neue Ideen auf Papier gebracht und freuen uns jetzt auf die Umsetzung in der doch so anspruchsvollen Zeit. Wir sind alle gut drauf und versuchen so gut es geht mit der Situation klar zu kommen. Was bleibt uns auch anderes übrig.

FA: Wie sehen Sie die Zukunft?

HOHMANN: Wir sehen die Zukunft hoffnungsvoll, obwohl die alte Zeit nicht mehr kommen wird. Wir freuen uns auf die andere Welt mit Corona, den die ohne Corona wird es nicht mehr geben. Wir haben die große Initiative #NurSicherBeim Friseur mit ins Leben gerufen und sind begeistert von dem Zuspruch der Petition.

FA: Haben Sie Hoffnung, dass sie bald wieder öffnen können?

HOHMANN: Die Friseure in Deutschland wollen helfen. Friseure können einen kleinen, aber wichtigen Beitrag leisten, um besser durch diese Pandemie zu kommen. Sowohl im ersten als auch jetzt im zweiten Lockdown wurden Friseursalons gemeinsam mit dem Einzelhandel geschlossen. Das erscheint auf den ersten Blick sicherlich auch logisch. Wenn man aber seinen Blick auf die Branche schärft, zeigt sich jedoch ein anderes Bild.

Friseure sind in erster Linie Handwerker, eingetragen in der Handwerksrolle und unterliegen den Anforderungen

des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Maler, Tischler, Elektriker und alle weiteren Handwerker werden auch im Lockdown aktiv gebraucht, um Deutschland am Leben zu halten. Friseure nicht?

Auch im Lockdown wachsen Haare weiter. Um das persönliche Wohlbefinden zu erhalten und um selbstbewusst diese schwierige Zeit zu überstehen, sehnen sich viele Menschen nach einer gepflegten Optik. Dieses Bedürfnis besteht auch im Lockdown. Professionelle Friseurdienstleistungen können Friseure jedoch nicht online, „to go“ oder als „Click & Collect“ Service anbieten.

Die Realität zeigt, dass der Schwarzmarkt momentan einen riesigen Boom erlebt. Legale Angebote und reale Nachfragen befinden sich in einer fatalen Schieflage. Als einziger Handwerksberuf werden Friseure daher immer öfter genötigt, ihre Professionalität außerhalb professioneller Rahmenbedingungen auszuüben.

Das Risiko steigt also trotz geschlossener Friseursalons. Friseurdienstleistungen gehören in einen professionellen Friseursalon. Nur dort gelten verbindliche, sehr hohe Hygienevorschriften. Nur dort werden alle Kontaktdaten lückenlos erfasst, um unsere Gesundheitsämter zu entlasten. Nur dort sind alle Vorgänge von Seiten der Behörden und Ordnungsämter sicher und schnell zu kontrollieren. Daher unser dringender Appell an die Politik: Öffnet so schnell wie möglich die Friseursalons!

Als Unterstützung kann im Internet die Petition www.openpetition.de/nursicherbeimfriseur unterschrieben werden.

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