Führt geplante Wechselstromtrasse durch Hünfelder Gemarkungen?

Politisch Verantwortliche in Hünfeld befürchten erhebliche Beeinträchtigungen für Bewohner und für die Natur 

Hünfeld - Während das Stadtgebiet von Hünfeld nach derzeitigem Kenntnisstand wahrscheinlich nicht von der neuen Stromtrasse SuedLink betroffen sein wird, steht  zu befürchten, dass die nach dem Netzentwicklungsplan des Bundes geplante 380 Kilovolt Wechselstromtrasse durch Hünfelder Gemarkungen führen wird. Dies geht aus einer Informationsvorlage zu dem Bundesfachplanverfahren hervor, über die der Bauausschuss der Stadt Hünfeld in seiner jüngsten Sitzung beraten hat.

Wie Bürgermeister Benjamin Tschesnok dazu mitteilt, hat sich der Planungsstand nicht geändert. Es wird nach wie vor für den SuedLink die Vorzugstrasse durch Thüringen favorisiert. Nach dem aktuellen Planungsstand wurde für die in Norddeutschland liegenden Abschnitte bereits mit den Planfeststellungsverfahren begonnen. Die abschließende Festlegung für den Bereich Hessen/Thüringen erfolgt mit dem Beginn des Planfeststellungsverfahrens im Sommer 2020.

Sollte es bei der bisherigen Planung bleiben, wird die Trasse durch Thüringen verlaufen. Durch das Stadtgebiet von Hünfeld ist als Planungsalternative das Trassensegment 102 vorgesehen. Diese Alternativtrasse verläuft durch die Gemarkungen von Roßbach, Hünfeld, Sargenzell, Nüst und Mackenzell. Hier liegen allerdings hohe Raumwiderstände vor. Trotzdem bleibt diese Alternativtrasse weiter im Rennen. Zumindest hat der Netzbetreiber diese in seinem Antrag bei der Bundesnetzagentur aufgeführt.

Der Suchraum für diese Trasse weist eine Breite von rund 1.000 Metern auf. Sie verläuft westlich von Roßbach kommend, über Gruben in die Gemarkung Hünfeld und von dort durch die „Hauneauen“ über Sargenzell mit einer Überplanung von bebauten Bereichen weiter in östliche Richtung. In der Gemarkung Nüst sind unter anderem Wasserschutzgebiete betroffen. Westlich von Mackenzell liegen in dem Suchkorridor das FFH-Gebiet Nüsttal, das Waldgebiet „Kling“ sowie das Naturschutzgebiet zwischen Mackenzell und Silges. Deshalb hat der Magistrat mit Hinweis auf die Raumwiderstandsanalyse in seiner Stellungnahme dieser Planung widersprochen.

Der Magistrat hatte bereits im öffentlichen Antragsverfahren auf die erheblichen Raumwiderstände des ursprünglich vorgesehenen weiteren alternativen Trassensegments 103, welches durch die Bereiche Kirchhasel, Großenbach, Molzbach und Mackenzell verläuft, hingewiesen. Unter anderem waren als Raumwiderstände Wasserschutzgebiete, das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet, dass Natur 2000-Gebiet, das Übungsgelände der Bundespolizei und ein Vogelschutzgebiet ins Feld geführt worden. Nach dieser Intervention der Stadt hatte der Netzwerkbetreiber von dieser Alternativtrasse Abstand genommen.

Sorgen bereitet der Stadt allerdings gegenwärtig die Ausweisung einer Wechselstromtrasse von Mecklar nach Dipperz. Von dieser Wechselstromtrasse wäre die Stadt Hünfeld in jedem Fall stark betroffen. Den Erläuterungen des Netzentwicklungsplans kann entnommen werden, dass im Zuge der Trassenausweisung zwischen Mecklar und Dipperz zwei zusätzliche 380 Kilovolt Systeme vorgesehen sind.

Die Trasse liegt nach den Hinweisen der Bundesnetzagentur im Bereich der bereits bestehenden Freileitung, die über Stendorf, Kirchhasel, Großenbach, Molzbach und Mackenzell nach Nüsttal verläuft. Diese 110 KV - Wechselstromleitung soll entsprechend verstärkt werden. Auch dieser Planung hatte der Magistrat bereits bei der Fortschreibung des Netzentwicklungsplanes im Jahr 2017 widersprochen und auf die aus seiner Sicht unüberwindbaren Raumwiderstände hingewiesen. Insbesondere würde eine solche Planung erhebliche Beeinträchtigungen für die Bewohner der angrenzenden Stadtteile, aber auch auf die Natur mit den FFH-, Natura 2000-, Landschaftsschutz-, Wasserschutz-, und Naturschutzgebiete bedeuten.

Außerdem befürchtet der Magistrat eine starke Beeinträchtigung des Landschaftsbildes im Landschaftsschutzgebiet Hohe Rhön sowie der Vorderrhön und des Hessischen Kegelspiels. Dies könne nicht akzeptiert werden, hatte der Magistrat den Planern von Tennet mit auf den Weg gegeben. Auch für dieses Vorhaben ist zunächst ein Raumordnungsverfahren notwendig. Eine Erdverkabelung, wie sie von Seiten der Stadt Hünfeld in die Diskussion gebracht wurde, ist gegenwärtig nicht vorgesehen.

Die Realisierung des Vorhabens könnte, wie der mit der Planung beauftragten Netzwerkbetreibers Tennet signalisiert hat, durch den Bau einer parallel verlaufenden zweiten Mastreihe oder durch die erhebliche Aufstockung der vorhandenen Masten erfolgen. Sowohl der Bau einer zweiten Mastreihe als auch die Aufstockung der vorhandenen Maste auf eine Höhe von 35 Metern bis zu 70 Metern würden das Landschaftsbild aus Sicht von Tschesnok ganz erheblich belasten. Sobald das Raumordnungsverfahren eröffnet wird, wird die Stadt Hünfeld ihre Bedenken erneut vortragen.

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