Krimi-Bestsellerautor Daniel Holbe: "Ich bin ein Serientäter"

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Daniel Holbe beim Signieren seines neuen Buches "Sühnekreuz".

"Fulda aktuell" hat den Schriftsteller im Ulrichsteiner Stadtteil Kölzenhain besucht / Wanderer zwischen zwei Krimiwelten

Ulrichstein - Wer Daniel Holbe einen Besuch abstatten möchte, den bereitet der 43-jährige Bestsellerautor mit höchster Akribie vor. Zitat aus der entsprechenden E-Mail: „...Einem Treffen bei uns zuhause steht nicht viel im Wege. Zumindest nicht, wenn Sie sich durch einen Hund, der keine Männer mag, oder eine Menge Katzen (die wiederum sehr aufdringlich sein können) und zwei Kids gestört fühlen. Auch nach eineinhalb Jahren Vogelsberg ist mein Büro der Küchentisch, der Ofen ist eine Baustelle, aber wenigstens heizt er, und herum ist immer Trubel“. In einer zweiten E-Mail folgt die genaue Wegbeschreibung, weil die Ortsdurchfahrt von Kölzenhain derzeit gesperrt sei.

Wer von Fulda aus nach knapp einer Stunde Fahrt dann den Ulrichsteiner Stadtteil und das gemütliche Landhaus erreicht, in dem Holbe gemeinsam mit seiner Familie lebt, der darf sich zum einen auf einen höchst wohlschmeckenden Kaffee freuen. Und darf zum anderen nach dem Gespräch bilanzieren, einen Mann kennengelernt zu haben, mit dem es sich vortrefflich über die (Kriminal)- Schriftstellerei, den Vogelsberg beziehungsweise die Wetterau und die menschliche Natur fachsimpeln lässt.

Der 1976 in Ockstadt /Wetterau geborene Holbe ist gewissermaßen ein Wanderer zwischen zwei Krimiwelten: Auf der einen Seite ist da die Serie um die Frankfurter Kommissarin Julia Durant, auf der anderen Seite die Reihe mit den beiden Ermittlern Sabine Kaufmann und Ralph Angersbach (!), die sich in dem aktuellen Werk „Sühnekreuz“ mit einer unheimlichen Mordserie befassen müssen.

Apropos Serie: „Ich bin ein Serientäter“, bekennt Holbe freimütig. Es sei schön, Charaktere weiter zu entwickeln und dabei „die Geschichte“, den roten Faden, im Auge zu behalten. Ist ein Buch beendet, „dann freut es mich, wieder zur anderen Reihe zurück kehren zu können“.

Wenn man Holbes „eigene“ Reihe zunächst außer Acht lässt, kommt man unweigerlich auf die Durant-Krimis zu sprechen, deren geistiger Vater der 2011 verstorbene Autor Andreas Franz gewesen ist. Seitdem schreibt Holbe, basierend auf hinterlassenen Ideen von Franz, die Reihe weiter, nachdem ihm dies vom Verlag „Droemer Knaur“ anvertraut worden war.

Der 43-Jährige erinnert sich: „2011 hatte ich ein Expose unter dem Arbeitstitel „Vogelsberg“ beim ,Droemer Knaur-Verlag‘ eingereicht und war damit auf offene Ohren gestoßen“. Offenbar so gut, dass der Verlag Holbe anfragte, ob er sich zutraue, das Franzsche Fragment „Todesmelodie“ zu Ende zu schreiben. Das Werk sollte zur Buchmesse veröffentlicht werden, was Holbe natürlich unter Zugzwang setzte. Zumal er eingesteht, dass das Material, das er vorgefunden habe, „für mich geradezu heilig gewesen ist“.

Doch er widmet sich dem Buch auf die Art, wie er immer vorgeht: „Wie wird der Fall gelöst? Was treibt den Täter an? Wo kommt der Täter her? Welche Rolle spielen die Ermittler?“ Der 43-Jährige, der sich beim Fortführen des Franzschen Werkes auf das Vertrauen von dessen Witwe stützen kann, hat sich zunächst bis 2023 per Vertrag verpflichtet, in jedem Jahr einen Durant-Krimi zu verfassen. Franz ist und bleibt für ihn weiter der geistige Vater der Reihe, der auf dem Buchcover immer an erster Stelle steht, was für Holbe kein Problem darstellt.

Im Gegenteil: Holbe weiß, dass er es geschafft hat, denn bei seiner eigenen Serie taucht sein Name inzwischen in größerer Schrift auf als der eigentliche Titel. „Das zeigt dann, dass man als Autor anerkannt ist und es gepackt hat“, formuliert er. Und ist glücklich darüber, mit beiden Serien von „Droemer Knaur“ verlagsmäßig vertreten zu sein: „Das ist schon unglaublich, gewissermaßen mit zwei Reihen einem Herren dienen zu können“.

Bevor ihn die Liebe zur Schriftstellerei packte, absolvierte Holbe eine Lehre zum Kälte- und Klimatechniker, jobbte in einer Videothek, machte nach seinem Zivildienst in einem Kinderheim eine Ausbildung zum Erzieher und studierte Sozialarbeit. Um mehrere Jahre in diesem Sektor zu arbeiten, bevor ihn das Literarische endgültig in Bann zog. „Denn auch mit meiner Arbeit im sozialen Bereich war ich immer am Puls der Menschen, immer dort, wo Abgründe und Schicksale aufeinandertreffen“.

So wie es auch in Büchern der Fall ist. Und damit zurück zum Literarischen: Inspiriert unter anderem von Dan Brown, veröffentlichte er mit „Die Petrusmünze“ seinen Erstlingsroman, bevor es zu jener erwähnten schicksalshaften Fügung und der Anfrage von „Droemer Knaur“ kam. Im Hohen Vogelsberg fühlt sich Holbe, für den die Familie einen hohen Stellenwert besitzt, sehr wohl („Ein Leben ohne Natur und ohne Tiere ist für uns alle undenkbar“) und ist mit Bedacht in der mitunter rauen Landschaft unterwegs, um neue Ideen zu schöpfen.

Sein Mindestsoll sind 1.000 Wörter am Tag, was ungefähr fünf bis sieben Buchseiten sind. Dann sitzt der 43-Jährige am anfangs erwähnten Küchentisch und lässt seinen Gedanken freien Lauf. Vornehmlich morgens, wenn das Haus bis auf die Vierbeiner leer ist und nicht einmal Handyklingeln die Idylle stört. Denn, auch darauf hatte Holbe in seiner einladenden E-Mail verwiesen: „Der Handyempfang ist hier nämlich äußerst dürftig“.

Sprichts und nimmt sich abschließend viel Zeit, um seinem Gast das neue Buch „Sühnezeichen“ zu signieren. Nicht nur mit der bloßen Unterschrift, sondern ausgefeilt mit einem höchst individuellen Stempel, der das Konterfei des Autors zeigt.

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