Gefühl vermitteln, "dass wir alle Gemeinde sind"

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Der designierte Eichenzeller Bürgermeister Johannes Rothmund (Mitte) im „Fulda aktuell“-Gespräch mit Frank Baumbach, Teamleiter Verkauf bei „Fulda aktuell“, Rainer Hahne, Chefredakteur der „Extra Tip“-Mediengruppe, und „FA“-Redaktionsleiter Bertram Lenz (von links).

"Fulda aktuell"-Gespräch mit dem designierten Eichenzeller Bürgermeister Johannes Rothmund

Eichenzell/Fulda. Eigentlich war es seine Frau Britta, die in Johannes Rothmund den Entschluss reifen ließ, sich um das Eichenzeller Bürgermeisteramt zu bewerben: „Sie hat mich eines Tages gefragt, woran ich denken würde, wenn ich nachts wach werde. Da musste ich mir eingestehen, zu zwei Dritteln an die Politik und zu einem Drittel ans Büro zu denken“. Und auch wenn ihm seine Tätigkeit als Rechtsanwalt viel Freude bereitet, konnte sich der 45-Jährige doch vorstellen, sein sehr zeitaufwändiges ehrenamtliches Engagement in der Kommunalpolitik in ein „hauptamtliches Projekt“ umzuwandeln.

Da passte es gut, dass er vor gut einem Jahr angesprochen worden sei, ob er sich denn vorstellen könnte, in Eichenzell zu kandidieren. „An meiner Frisur kann es nicht gelegen haben“, lacht Rothmund im „Fulda aktuell“-Gespräch und verweist stattdessen auf seine langjährige kommunalpolitische Erfahrung: Seit 2005 ist der CDU-Mann unter anderem Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbandes Hofbieber, Mitglied der Gemeindevertretung und des Kreistages sowie des Kreisvorstandes der „Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung“ (MIT).

„Nicht als Sprungbrett“

Nicht zuletzt wegen seiner Kenntnisse in der Wirtschafts- und Standortpolitik sei es eine sehr schöne Herausforderung, eine Gemeinde wie Eichenzell – „die große wirtschaftliche und finanziell gute Möglichkeiten besitzt“ – weiter mitgestalten zu dürfen. Dass es in der Stichwahl gegen den als parteilosen Bewerber von der SPD unterstützten Lutz Köhler knapp werden und er nur 90 Stimmen Vorsprung haben würde, hat Rothmund geahnt. „Aber dass es so knapp werden könnte, dann nun doch nicht“.

Ein Grund könnte darin liegen, „dass ich im Kernort keinen leichten Stand gehabt habe – wo Lutz Köhler zu Hause ist – und eher in den Ortsteilen habe punkten können“. Zudem seien ja auch immer Mutmaßungen aufgetaucht, er wolle das Bürgermeisteramt nur als Karriere-Sprungbrett nutzen, was Rothmund im Gespräch klar von sich weist: „In dieser Position will ich selbst etwas gestalten. Und dazu reicht eine Amtsperiode nicht. Erst in einer zweiten kann man oftmals das ernten, was man gesät hat.“

Der noch amtierende Bürgermeister Dieter Kolb habe beispielsweise früh mit dem hoch innovativen Breitband-Projekt und damit begonnen, dass sich Unternehmen auf freien Flächen ansiedelten. Jetzt, nach fast zwölf Jahren, wirkten sich diese Bemühungen aus. Rothmund wird ab 1. Juni (Pfingstmontag) offiziell im Eichenzeller Schlösschen die Arbeit aufnehmen. „Am 28. Mai wird Dieter Kolb verabschiedet und ich vereidigt“, sagt der dreifache Vater.

Noch ist die Familie in Langenbieber zu Hause, „doch ziehen wir in Erwägung, in etwa zwei Jahren in die Kerngemeinde Eichenzell nahe der Verwaltung zu ziehen. Dann, wenn unsere jüngste Tochter die Grundschule beendet hat.“ Mit Amtsantritt wird Rothmund im Übrigen als Partner der Rechtanwaltskanzlei „Dr. Leinweber & Partner“ ausscheiden; eine Funktion, die er seit 2009 inne hat. Schwerpunktmäßig ist er mit Insolvenzrecht sowie Bank- und Kapitalmarktrecht befasst.

Bis zum 1. Juni wird er damit befasst sein, sich noch näher mit den Eichenzeller Gegebenheiten vertraut zu machen und an Sitzungen der verschiedenen Gremien teilzunehmen. Eine Daueraufgabe, die auf ihn zukomme, werde die Digitalisierung sein: „Das ist ein fortwährender Prozess, an dem man dranbleiben muss“. Rothmund: „Existentielle Probleme sehe ich in Eichenzell nicht“. Im Detail wolle er sich aber mit der Kinderbetreuuung, und hier besonders mit den Plätzen für die unter Dreijährigen befassen. Auch eine stärkere Transparenz bei der Haushaltsaufstellung werde ein Thema sein.

Generell vertritt der neue Verwaltungschef den Standpunkt, dass Gespräche helfen, Probleme schon im Entstehen ausräumen zu können. „Allgemein wird zu wenig miteinander gesprochen“, beklagt Rothmund, der selbst „lieber sehr schnell vor der Türe steht und Schwierigkeiten offensiv angeht, um so zu einer Lösung zu finden“. Vieles lasse sich auf kleiner Ebene lösen; beispielsweise in Vereinen oder in der dörflichen Gemeinschaft. Und er will den Menschen das Gefühl vermitteln, „dass wir alle Gemeinde sind“ und die Verantwortung nicht immer nur bei der Verwaltung gesucht wird.

Wichtig seien Eigeninitiative , „denn für mich bedeutet Kommunalpolitik engagiertes Mitwirken, das ich auch einfordern werde“. Nichts hält Rothmund, der früher begeistert Wildwasser-Kanute gewesen ist und heute gerne wandert und mit der Familie campt, von der Debatte um eine „Großstadt Fulda“. Diese Diskussion sei überflüssig, „weil die Region Fulda stark ist und stark bleiben soll“. Vielmehr sollten sich der Landkreis und die Stadt und Gemeinden auf Synergien einigen. Beispiele wären die Volkshochschule unter einem Dach und ein gemeinsamer Nahverkehrsplan.

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