Fotograf Günter Zint: Der anständig Unbequeme aus Fulda

"Fulda aktuell"-Redaktionsgespräch mit Fotografenlegende Zint / Hohes Lob für "Kinder-Akademie" Fulda  

Fulda - Frieden mit Fulda: Vielleicht ist es Altersmilde, dass Günter Zint inzwischen versöhnliche Töne anschlägt, wenn die Rede auf seine Heimatstadt kommt: „Hier haben sich viele Dinge verändert, es ist eine wunderbare Stadt. Im Barockviertel würde ich den Autoverkehr allerdings verbieten“.

Diese nachsichtige Haltung mit Fulda war nicht immer so, wie der 77-Jährige im Gespräch verrät. Zu dem er ein Geschenk mitgebracht hat: Sein Buch „Wilde Zeiten. Hamburg-Fotografien 1965 – 1989“, das er zum Abschied noch signiert.

Tania Kibermanis, die die Texte beigesteuert hat, schreibt im Vorwort, Zint sei ein „zutiefst anständiger Mensch“, der sich „mit jeder guten Sache gemein gemacht und immer Position bezogen hat“. Dabei immer auf der Seite der Moral stehend, „auch wenn das meist die deutlich unbequemere Möglichkeit war und oft Ärger, diverse Rausschmisse aus Job und Gewerkschaft und eine ungesicherte Existenz bedeutete“. Höchst zutreffende Sätze, die durch das Gespräch mit der „Fulda aktuell“-Redaktion noch untermauert werden.

Noch bis zum 27. Juni kann in der „Kinder-Akademie“ die Ausstellung „Wilde Zeiten“ mit Werken von Zint gesehen werden, konzipiert von der „Stiftung Haus der Geschichte“. Parallel dazu sind Arbeiten von Fotografen zu sehen, die das fuldische Leben in den vergangenen Jahrzehnten porträtiert haben. Darunter auch Hubert Weber, von dem Zint ironisch sagt: „Er ist der Grund, warum ich seinerzeit Fulda in Richtung Norden verlassen habe. Hubert war damals der Platzhirsch hier und hatte dutzende Fotos täglich in der Zeitung. Da hatte ich keine Chance.“

Hohes Lob erfährt im Übrigen die „Kinder-Akademie“ mit ihrer Leiterin Dr. Yvonne Petrina. Die hatte, auch vor dem Hintergrund des 1275-jährigen Stadtjubiläums, die Idee zu der Ausstellung. Zint findet es toll, was die Einrichtung in der Mehlerstraße leistet, bedauert im selben Atemzug aber auch, dass es so etwas nicht in Hamburg gibt.

Dafür existiert in der Hansestadt das 1988 von ihm gegründete „St.-Pauli-Museum“, dessen Gesamtfundus aus mehreren Millionen Fotos, Bildmaterial, Erinnerungsstücken, Dokumenten und Behördenunterlagen besteht, dank derer die Historie des Hamburger Stadtteils hinreichend dokumentiert ist.

Zint, dem das Preußische im Charakter seines Vaters nach eigener Aussage vollkommen abgeht, und der „nach zwei Ehrenrunden“ an der heutigen Freiherr-vom-Stein-Schule in Fulda sich bei DPA in Frankfurt/Main bewarb „und sofort genommen wurde“, hat eine ganze Vielzahl an Anekdoten parat. In erster Linie natürlich von Musikern wie Jimi Hendrix („Der wohnte, nachdem er aus dem Hotel geflogen war, bei mir“), von „The Who“ und natürlich von den „Beatles“. So auch über eine gemeinsame Fotosession mit den deutschen „Rattles“ um Achim Reichel im „Schlosshotel Tremsbüttel“. Dort hänge das Bild, entstanden 1966 in der Nacht auf Zints Geburtstag am 26. Juni, noch immer im Treppenhaus.

Auf die Frage, welcher Musiker ihn am meisten beeindruckt habe, kommt ohne Zögern der Name John Lennon. Dieser sei „so was von klasse“ gewesen, wenn auch „nicht ganz pflegeleicht“. Und er habe bisweilen garstig werden können, gerade auch Journalisten gegenüber. Paul McCartney dagegen sei stets nett und unverbindlich aufgetreten, ganz der „Schwiegersohn-Typ““.

Deutlich wird während des Treffens aber auch, wie sehr dem 77-Jährigen Hamburg am Herzen liegt, ist er doch stets nicht nur ein politisch ambitionierter Fotograf gewesen, sondern auch ein Chronist des gesellschaftlichen Wandels. So hat Zint den Konflikt um die Hafenstraße ebenso dokumentiert wie die Veränderungen in „seinem Viertel“ St. Pauli. Kein Wunder übrigens, dass das von ihm 1968 mitgegründete Männermagazin den Namen „St. Pauli Nachrichten“ trug, für das unter anderem Redakteure wie Stefan Aust oder Hend-ryk M. Broder tätig waren. Bei all seiner Arbeit lagen und liegen ihm freilich stets die Menschen am Herzen, so wie beispielsweise auch die Prostituierte „Domenica“, der er als langjähriger Freund und Vertrauer ein Fotobuch gewidmet hat.

Zint bezeichnet sich als „Renntner“, „weil ich auch im Ruhestand nicht stille halten kann und renne“. Das gilt natürlich besonders für das Fotografieren, denn man sagt dem 77-Jährigen nach, mit Fotoapparat auf die Welt gekommen zu sein. Gleichwohl ist er stets neugierig auf Neues und schwört seit Kurzem auf Qualität, die er mit Smartphone-Fotos erreicht.

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