37. "Deutscher evangelischer Kirchentag: Glaube zum Mitmachen

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Gast der Redaktion: Dr. Julia Helmke, Generalsekretärin des „Deutschen Evangelischen Kirchentages“, hier im Gespräch mit „Fulda aktuell“-Objektleiter Michael Schwabe (rechts) und Redaktionsleiter Bertram Lenz.
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Im Vorfeld des Großereignisses von Dortmund hat "Fulda aktuell" mit Dr. Julia Helmke gesprochen, der Generalsekretärin des Kirchentages

Fulda - „Vertrauen“: Dieser Begriff hat gerade in jüngster Vergangenheit auf den unterschiedlichsten Ebenen eine Rolle gespielt – in der Politik ebenso wie in der Gesellschaft und der medialen Welt. Kein Wunder also, dass „Was für ein Vertrauen“ als Losung über dem 37. „Deutschen Evangelischen Kirchentag“ steht, der vom 19. bis 23. Juni in Dortmund stattfindet.

„Es wird 2.300 Veranstaltungen geben. Wir hoffen auf 100.000 Menschen“, betont Dr. Julia Helmke, seit genau zwei Jahren Generalsekretärin des Kirchentages, der seinen Sitz in der Magdeburger Straße in Fulda hat. Und sie wirbt: „Man kann sich auch noch anmelden unter ,kirchentag.de' und als Tagesgast kommen. Es lohnt sich!“

Die 50-jährige promovierte Pfarrerin blickt im Gespräch mit „Fulda aktuell“ auf die anstehende Großveranstaltung, bewertet zugleich das Verhältnis zur katholischen Kirche und zu Fulda. „Es gibt die Parallele zu Freising in Oberbayern, wo ich geboren wurde. Das ist auch eine traditionsreiche Bischofsstadt, mit Korbinian statt Bonifatius“, so Helmke, die es im Übrigen nach langen Jahren in Berlin genießt, „dass in Stadt und Land Glaube unterschiedlich erlebbar wird“.

„Weil ich gerne reise“, studierte sie Evangelische Theologie in Berlin, Rostock, Neuendettelsau, Heidelberg, Montpellier und in Costa Rica („Dort gab es den besten Kaffee meines Lebens“) und absolvierte ein Aufbaustudium in Filmgeschichte/-kritik an der Filmhochschule München.

Der Hintergrund: „Ich bin eine leidenschaftliche Kinogängerin, weil ich in Filmen die großen Themen des Lebens entdecke, wie Sinnsuche, Hoffnung auf Glück, Umgang mit Endlichkeit". Es folgten ein Lehrauftrag in Erlangen, die Funktion als Beauftragte für Kunst und Kultur in der hannoverschen Landeskirche sowie ab 2015 unter Joachim Gauck die Referatsleitung für gesellschaftspolitische Grundsatzfragen im Bundespräsidialamt.

Über ihr Amt

„Dann kam 2017 das Angebot, Generalsekretärin des Kirchentages in Fulda zu werden – ein Amt, das sehr vielgestaltig ist“. In Fulda ist das Büro mit 25 Mitarbeitern besetzt, hinzu kommen etwa 110 weitere Frauen und Männer, die in den Geschäftsstellen an jedem Kirchentags-Standort tätig sind. Denn alle zwei Jahre (abwechselnd mit dem Katholikentag) findet seit 1949 ein Kirchentag statt. 2021 wird es einen dritten „Ökumenischen Kirchentag“ in Frankfurt am Main geben, bei dem auch das Bistum Fulda Mitgastgeber ist und Gelegenheit gegeben sein soll, den neuen Bischof Dr. Michael Gerber näher kennenzulernen.

Mit Professor Dr. Beate Hofmann, der neuen Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, ist Helmke übrigens seit Langem auch durch gemeinsame Projekte gut bekannt und gesteht ihr „viel Erfahrung und zugleich Bodenhaftung“ zu.

Ökumenischer Lernweg

Stichwort Ökumene: Hier hat Helmke noch die Worte von Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld gut in Erinnerung, der 2017 im Jahr der Feiern zum 500-jährigen Reformationsjubiläum gesagt hatte, Bischofskonferenz und Kirchentag – „Beides gehört zu Fulda“. Die promovierte Pfarrerin spricht von einem „ökumenischen Lernweg“, der beschritten werden müsse: Über das gegenseitige Verstehen und dem „Einander Brücken bauen“ die Unterschiede anzunehmen und zu einer Gemeinschaft zu kommen.

Fulda sei ihr bis 2017 nur dadurch bekannt gewesen, „dass ich mit dem Zug immer durchgefahren, aber nie ausgestiegen bin“. Dann aber habe sie sich gleich sehr wohl gefühlt in dieser Stadt, „die natürlich stark von der Kirche geprägt ist, ein wunderschönes Barockviertel, viele kurze Wege und nette Geschäfte hat“. Spannend empfinde sie auch die Position von Fulda als Knotenpunkt zwischen West und Ost, Nord und Süd, in der Mitte Deutschlands – „das passt auch zum Kirchentag als Schnittstelle von Gesellschaft und Glaube". Den Einstieg nach Fulda habe sie, gepaart mit neuen Einblicken, übrigens bei einer einwöchigen Wandertour auf dem „Hochrhöner“ erhalten.

Doch zurück zu Dortmund, einem Ort, der wie auch die moderne Gesellschaft im aktiven Wandel begriffen sei: Vom klassischen Industriestandort hin zu einer „grünen Stadt“, die Menschen aus 110 verschiedenen Nationen Heimat biete. Und somit Vorbild für Migration sei, und dies schon seit vielen Jahrzehnten.

Gemeinschaft erleben

Was genau fasziniert Helmke an der Großveranstaltung „Kirchentag“, die sie nun bereits zum 17. Mal erleben wird? „Das Schöne daran ist, dass sie mit vielen Menschen aus verschiedenen Milieus zusammenkommen. Dies empfinde ich als sehr belebend“. Hohes Lob gibt es für die große Zahl Engagierter, die fast alle Veranstaltungen mitvorbereiten und viele, die mithelfen und dafür sorgen, dass alles funktioniere, die Pfadfinder und viele mehr. Manche nehmen beispielsweise sogar Urlaub, um dann beim Kirchentag den Müll zu entsorgen.

„Es ist dieses gemeinschaftli che Erleben, das den besonderen Geist eines Kirchentages ausmacht“. Der im Übrigen vollkommen alkoholfrei ablaufe, so dass es auch in dieser Beziehung ein sehr friedliches Miteinander sei.

Beeindruckend für Helmke ist auch die Tatsache, dass unter den Teilnehmern sehr viele unter 30 sind. Zugleich: „Viele halten dem Kirchentag schon seit vielen Jahren die Treue“. So wie beispielsweise Hans Leyendecker: Der Journalist („Spiegel“, „Süddeutsche“) ist der Kirchentagsbewegung seit Langem verbunden und fungiert in Dortmund als Präsident des 37. „Deutschen Evangelischen Kirchentages“.

Dass so viele Menschen beim Kirchentag dabei sein werden, ist für Helmke Zeichen für die Sehnsucht der Menschen, auch einen Gegenentwurf zu der mitunter lauten und hektischen Welt zu finden, die immer stärker von Digitalisierung bestimmt werde. Das gemeinschaftliche Erleben sei dazu angetan, der Vereinzelung entgegenzuwirken. „Heute ist alles von der Ökonomie bestimmt“, sagt sie, aber „der Glaube rechnet nicht, er ist kein Handelsgut“.

Betont die Generalsekretärin, um abschließend einige Worte zum Verhältnis zwischen Kirche und Politik zu formulieren: „Glaube und Mitgestaltung von Gesellschaft sind nicht voneinander zu trennen. Es kann nicht Aufgabe von Kirche sein, jeden Tag politische Geschehnisse zu kommentieren und sich zu allem und jedem zu äußern. Jedoch finde ich es sehr überzeugend, aus christlicher Überzeugung eine Haltung zu vertreten und sich so für Themen einzusetzen. Klar zu sein, verantwortlich zu handeln, das ist eine Orientierung, die hilfreich ist. Und da haben christliche Werte auch heute noch viel zu vermitteln“.

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