Fuldas Kreischef weiß "wie die Verwaltung tickt"

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Landrat Bernd Woide im Gespräch mit "Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz und Redakteur Christopher Göbel

"Fulda aktuell"-Redaktionsgespräch mit Landrat Bernd Woide (CDU), der sich am 24. September zur Wiederwahl stellt 

 Fulda - Wer „AEG“ hört, der denkt in erster Linie wahrscheinlich an den Slogan, mit dem einst ein Elektronikkonzern für sich warb. „Aus Erfahrung gut“ lautete der Zusatz – eine Definition, die Fuldas Christdemokraten auch dem amtierenden Landrat Bernd Woide zugestehen. Sonst würde sich dieser Spruch wohl nicht auf den Plakaten finden, mit denen sich CDU-Mann Woide am 24. September zur Wiederwahl stellt. Gegenkandidaten sind Simon Schüler von der SPD und Wolfgang Lörcher von den Linken. Gegenüber der „Fulda aktuell“-Redaktion zieht der 55-jährige Woide eine Bilanz seiner bisherigen zwei Amtszeiten und präsentiert sich als gutgelaunter Gesprächspartner. Was die drei Buchstaben „AEG“ angeht, das findet der Kreischef im Übrigen „kurz und prägnant und zutreffend“.

Als Woide im Oktober 2005 die Nachfolge des fast 33 Jahre als Landrat amtierenden Fritz Kramer antrat, hatte er eine umfangreiche Erfahrung in Verwaltungsfragen hinter sich: Nach seiner Ausbildung für den gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst in der Kommunalverwaltung mit Studium und Laufbahnprüfung an einer Verwaltungsfachhochschule legte er die zweite juristische Staatsprüfung ab, wurde 1995 zunächst Beigeordneter der Stadt Schmalkalden und vier Jahre später dann Bürgermeister von Fulda. Nachdem Alois Rhiel hessischer Wirtschaftsminister und Gerhard Möller Oberbürgermeister geworden war, wurde Woide Möllers Nachfolger als Erster Kreisbeigeordneter. „Ich weiß, wie die Verwaltung tickt“, betont der im niedersächsischen Springe Geborene, der freilich auch konstatiert, „dass für viele Außenstehende die Leitung einer Verwaltung sicherlich höchst unspannend und irgendwie langweilig ist“. Gleichwohl dürfe nie das Gefühl aufkommen, sich zurücklehnen und auf dem Erreichten ausruhen zu wollen: „Die Arbeit muss immer weitergehen, und das mit Freude und Spaß.“ Gerade der Landkreis Fulda biete nicht zuletzt aufgrund seiner besonderen Lage besondere Herausforderungen: „Wir sind nicht das Rhein-Main-Gebiet und nicht Nordhessen und auch kein durchgehend ländlicher Raum. Dies bedeutet, dass wir den Spagat schaffen müssen zwischen den Anforderungen, die eine Stadt wie Fulda mit 68.000 Einwohnern stellt und einer Gemeinde wie Rasdorf mit 1.800 Einwohnern.“

Die Aussage, der Landkreis Fulda sei „gut aufgestellt“, belegt der Verwaltungschef mit Beispielen, die zeigten, dass die Rahmenbedingungen und die Infrastruktur stimmten. So die ICE-Anbindung, die hervorragende Ausstattung von Schulen und der Zustand, in dem sich die Kreisstraßen befinden. Zugleich findet er Lob für die vorausschauende Politik, wie sie unter Vorgänger Kramer gemacht worden sei. Diese Investitionen in die Zukunft zahlten sich jetzt aus, „auch wenn nie der Punkt erreicht werden kann, an dem man sagt, nun ist man fertig. Es gibt Themen, die sind immer Dauerbaustellen“. Dazu gehöre auch die flächendeckende Versorgung mit Breitband: Bund, Land und Landkreis stellen hier in den nächsten beiden Jahren gemeinsam knapp 17 Millionen Euro bereit.

Natürlich verspüre man mitunter den Wunsch, dass das Eine oder Andere schneller realisiert werden könnte, doch – so Woide in einer Bilanz seiner bisherigen Amtszeit – „könnte ich nicht sagen, dass irgendetwas grundsätzlich in die Hose gegangen ist“. Allerdings müsse man auch erkennen, dass es selbst als Landrat begrenzte Möglichkeiten des politischen Wirkens gebe: Beispielsweise beim Thema „Ärztliche Versorgung im ländlichen Raum“, wo Woide „gerne schon weiter wäre“. Und nur einen Trost hat: „Alle anderen haben das gleiche Problem“. Wie führt der 55-Jährige eine Verwaltung mit 1.100 Mitarbeitern? Woide gesteht zu, dass es wichtig ist, über Jahre hinweg ein besonderes Vertrauensverhältnis zu seinen Führungskräften aufgebaut zu haben, „weil ich mich nicht um jedes Detail kümmern kann. Im Endeffekt allerdings sage ich bei gewissen Fragen, wo es lang geht. Ganz klar“. Wenn es einen Begriff gibt, der im Laufe des knapp 90-minütigen Redaktionsgesprächs häufig fällt, dann ist es „Spagat“, was die Herausforderung bedeutet, einen gangbaren und die Mehrheit zufriedenstellenden Weg zu entdecken zwischen dem Wünschenswerten und dem Machbaren. Woide findet es gut, eine Mehrheit im Kreistag hinter sich zu wissen, „denn initiieren und organisieren kann man viel, aber letztendlich kommt es darauf an, dass das Geld bereitgestellt wird“. Auch die Kooperation mit der CWE, die die CDU hatte eingehen müssen, „die passt“. Was die Diskussion um Windkraftanlagen im Kreisgebiet angeht, so äußert Woide durchaus Verständnis für diejenigen, die das Ganze kritisch beurteilen. Andererseits sei die Energiewende von der „großen Politik“ so gewollt. Zudem seien Windenergieanlagen im Außenbereich nach Paragraf 35 Abs. 3 BauGB privilegiert zulässig. Deshalb sei es grundsätzlich nicht notwendig, Bebauungspläne aufzustellen. Im Gegensatz beispielsweise zu Freifeld-Photovoltaikanlagen. Abschließend, und auch im Zusammenhang mit dem „Windkraft“-Thema, kommt eine Sache auf den Tisch, die den Verwaltungschef umtreibt: Die immer deutlicher zu spürende Aggressivität, mit der Menschen miteinander umgehen – vornehmlich ausgetragen über die sozialen Netzwerke. „Wir stellen leider eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft fest“, bedauert Woide, „und einen immer stärker werdenden Verlust an demokratischer Kultur“. Wenn Kritik geäußert werde, so sei dies legitim und in Ordnung, nur sollten dabei keine Grenzen überschritten werden. Er selbst sei gerne bei öffentlichen Veranstaltungen unter den Menschen, um sich deren Sorgen und Probleme anzuhören: „Das ist dann meine Bürgersprechstunde“. Auch wenn ein Landrat heute nicht mehr so die Respektsperson sei wie noch vor Jahrzehnten: „In meinem Büro steht die Standarte, die damals mein Vor-Vorgänger Eduard Stieler noch an seinem Wagen hatte.

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