„Fulda aktuell“-Gespräch mit Kanzleramtsminister Helge Braun

Kanzleramtsminister Helge Braun (rechts) im Gespräch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz. 
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Kanzleramtsminister Helge Braun (rechts) im Gespräch mit „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz. 

Kanzleramtsminister Helge Braun ist nicht nur einer der engsten Vertrauten von Angela Merkel, der Mediziner aus Gießen vertritt auch einen Teil des Vogelsbergkreises als Bundestagsabgeordneter in Berlin. Vor Kurzem weilte der 48-Jährige auf Einladung seines CDU-Parteifreundes Michael Brand im Fuldaer Feuerwehrmuseum, um mit Vertretern aus Ehrenamt, Feuerwehr und Rettungsdiensten darüber zu debattieren, wo sie der Schuh drückt.

Fulda. Am Rande stand Braun „Fulda aktuell“ für ein Interview zur Verfügung.

FULDA AKTUELL: Glauben Sie angesichts der sich ausbreitenden Delta-Variante, dass es irgendwann einen Hauch von Normalität – eine Nach-Corona-Zeit – in Deutschland geben wird?

HELGE BRAUN: Ja, selbstverständlich! Wenn ein Großteil der Bevölkerung eine Grundimmunität ausgebildet hat, kann sich das Virus nicht mehr in großen Wellen ausbreiten, dann wird Corona ein „normales Virus“ wie die Grippe auch. Ärgerlich ist: Das könnte schon heute der Fall sein! Aber leider ist die Impfbereitschaft ins Stocken geraten. Wenn ein Drittel der Bevölkerung aber weiter umgeimpft ist, bleibt die Gefahr einer großen vierten Welle bestehen.

Mit dem Impfen schützt man sich selbst vor schweren Krankheitsverläufen aber auch diejenigen, die sich nicht impfen lassen können, also insbesondere die Kinder bis 12 Jahren! Deshalb werbe ich sehr dafür, dass alle, die noch keine Zeit dafür gefunden haben, sich jetzt impfen lassen. Wer geimpft oder genesen ist, muss, weil der Impfstoff auch gegen die Delta-Variante gut wirkt, in Herbst und Winter außer der Grundregeln von „Abstand halten“ und „Masken tragen“ in Innenräumen keine Einschränkungen befürchten. Wer sich nicht impfen lässt, muss sich regelmäßig vor Treffen in Innenräumen testen lassen, weiterhin bei Kontakt mit Infizierten in Quarantäne und bei hohen Infektionszahlen auch damit rechnen, dass manche Angebote nur Geimpften und Genesenen vorbehalten bleiben. Im Herbst und Winter werden sich dennoch viele, die sich nicht impfen lassen wollen, vermutlich leider anstecken. Damit sind sie Genesene und tragen dann

auch zur Grundimmunität bei.

FA: Wie begegnen Sie in diesen Tagen verunsicherten Bürgern? Als Mediziner und als Politiker?

BRAUN: Vor der Pandemie habe ich nur selten Medienauftritte wahrgenommen. In der Pandemie habe ich als Arzt und verantwortlicher Minister im Kanzleramt gesehen, dass es in der Pandemie ein sehr großes mediales Stimmengewirr gibt. Deshalb habe ich diese Zurückhaltung bewusst aufgegeben und alles daran gesetzt, mit sachlichen Informationen über unser Regierungshandeln die Bürgerinnen und Bürger in der Pandemie mitzunehmen. Denn die Einhaltung der Corona-Vorsichtsmaßnahmen bis in den privaten Bereich ist in dieser Krise schließlich unser wichtigstes Gut.

Und deshalb gebührt allen in Deutschland, die sich an die Regeln gehalten haben, großer Dank. Dadurch sind wir bisher gut durch die Pandemie gekommen. Um der Verunsicherung und vielen Falschinformationen im Internet entgegenzuwirken, stelle ich mich weiterhin vielen Diskussion – vor Ort oder in Videokonferenzen – den Fragen aus der Bevölkerung zur Pandemie. Mir ist es auch ein Anliegen, auf die Belastung der Pflegekräfte und Ärzte auf den Infektions- und Intensivstationen hinzuweisen. Die Arbeit dort mit den entsprechenden Schutzvorkehrungen ist sehr anstrengend. Wir sollten in diesem Herbst und Winter auch an sie denken.

FA: Als Chef des Bundeskanzleramtes sind Sie ganz nah dran an politischen Entscheidungen, die unser Land unmittelbar betreffen. Verändert dieses Bewusstsein einen Menschen?

BRAUN: Die Aufgabe als Chef des Bundeskanzleramtes ist mit großer Verantwortung verbunden. Das ist eine Ehre, das spürt man aber auch, wenn die Situation schwierig wird – zum Beispiel letztes Jahr, als die Pandemie begann und wir noch wenig über das Virus wussten, oder in den letzten Wochen, als wir die Einsatzkräfte in den schwierigen Rettungseinsatz nach Afghanistan schicken mussten. So eine zentrale Rolle in der Politik ist ein Wechselbad. Mal bereitet sie große Freude, weil man spürt, dass man für die Menschen in Deutschland etwas positiv gestalten kann – mal verlangt sie einem viel ab, wenn Krisen uns fordern. Ich schätze, so etwas liegt mir, denn als Notarzt oder in der Intensivmedizin war es ähnlich: Oft kann man Menschen in großer gesundheitlicher Gefahr gut helfen, dann ist es eine großartige Tätigkeit. Manchmal stößt man an die Grenzen des medizinisch machbaren und muss auch damit umgehen können.

FA: Als Spitzenkandidat führen Sie die hessische CDU in die Bundestagswahl. Angesichts der mitunter harschen oder hämischen Kritik an Armin Laschet: Wäre ein anderer Kandidat die bessere Alternative gewesen?

BRAUN: Die Kritik an Armin Laschet in den letzten Wochen hat zum Teil seltsame Formen angenommen. Er ist der Ministerpräsident des größten deutschen Bundeslandes und hat Jahrzehnte Erfahrung in der Bundes- und Landespolitik. Er wird ein guter Bundeskanzler sein. Angela Merkel hat Großes geleistet, um Europa zusammenzuhalten. Das ist für Frieden und Wohlstand eine der wichtigsten Aufgaben auch für den zukünftigen Bundeskanzler. Das liegt Armin Laschet nicht nur am Herzen, er hat auch zum Beispiel durch seine bundespolitische Verantwortung für die deutsch-französische Zusammenarbeit bereits heute viel vorzuweisen, an das er anknüpfen kann.

FA: Hand aufs Herz: Mit welchem Ergebnis rechnen Sie am 26. September, und mit welcher Regierungskonstellation?

BRAUN: Ich kämpfe dafür, dass die CDU in Deutschland weiterhin die stärkste Partei ist und keine Mehrheit links der Mitte gebildet werden kann. In der schwierigen Erholungsphase nach der Corona-Krise ist keine Zeit für Experimente. Wir müssen der Wirtschaft Freiraum geben, sich zu erholen und gute Arbeitsplätze zu sichern.

Der Klimawandel muss bürgerfreundlich und ohne Verbotspolitik gestaltet werden. Die Industrie muss notwendigen Veränderungen so meistern können, dass unser Wohlstand erhalten bleibt. Ich möchte gerne an einem neuen Wirtschaftswunder arbeiten: An einem klimaneutralen. Und daran, dass Deutschland in der Digitalisierung auf- und überholt. Dazu habe ich mich meiner neuen Abteilung Digitalisierung im Kanzleramt viele Grundlagen gelegt und Maßnahmen angestoßen, die ich gerne in der neuen Wahlperiode fertig umsetzen möchte, damit sie für alle Bürger erlebbar werden.

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