Was tun gegen Fersenschmerzen?

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Neue Serie: "Fulda aktuell"-Leser fragen, heimische Mediziner klären auf

Fulda - Kennen Sie das? Sie wollen aufstehen und plötzlich schmerzt die Ferse. Nach einiger Zeit verschwindet der Schmerz, um nach Ruhephasen immer wieder aufzutreten. Manchmal schmerzt es über den ganzen Tag und das oft über Monate. Gängige Behandlungsversuche, durch geändertes Schuhwerk und Einlagen, bringen allerdings nicht immer Abhilfe. Was ist die Ursache? Häufig wird dann ein sogenannter Fersensporn vermutet. Betroffen sind etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung.

Die häufigste Ursache der Beschwerden ist eine entzündliche Reaktion der plantaren Sehnen, die durch wiederholte Überlastungen verursacht werden. Verantwortlich dafür sind falsches Schuhwerk, Fehlbelastungen im Alltag oder Sport sowie auch Stoffwechselstörungen und rheumatische Erkrankungen. In den letzten 300 Jahren wurde eine Reihe von Begriffen verwendet, um die Schmerzen unterhalb der Ferse zu beschreiben. Häufig verwendete Begriffe waren „Fersensporn-Syndrom“, „Jogger’s Ferse“, „Policemen’s Ferse“, „Plantar Fasciopathie“ und viele andere. Letztlich durchgesetzt hat sich in der Fachwelt der Begriff „Plantare Faszitis“, im Volksmund einfach „Fersensporn“.

Die Diagnostik des Fersenschmerzes setzt viel Erfahrung in der Anamnese (Befragung), Untersuchung und Bildgebung voraus. Häufig leiden die Patienten bereits Monate. Die Symptome äußern sich häufig in einem stechenden Fersenschmerz morgens beim Aufstehen oder nach längerem Sitzen. Sie können aber auch im Laufe des Tages zunehmen. Eigene Versuche, den Schmerz in den Griff zu bekommen, gelingen nur selten. Je länger der Fersenschmerz bereits anhält, umso schwieriger ist die Therapie. Das gesamte Laufbild kann sich verändern, ebenso können Verspannungen auch in der Beinmuskulatur dazukommen. Zusätzlich zu den Fersenschmerzen finden sich bei der orthopädischen Untersuchung häufig Fußdeformitäten. Daher wird immer eine Untersuchung beider Füße und der angrenzenden Weichteile durchgeführt. Nicht immer ist eine eindeutige Ursache der Beschwerden festzustellen.

Die Behandlung orientiert sich an den besonderen orthopädischen Befunden und ist immer individuell. Zum Einsatz kommen spezielle Einlagen mit einer Entlastung des Schmerzpunktes durch ein ringförmiges Pols-ter, die so genannte Fersenweichbettung. In jedem Fall muss das Schuhwerk angepasst werden. Weiche Sohlen, bei insgesamt stabilen Schuhen, sind die Voraussetzung für eine rasche Verbesserung der Symptome. Diese konservativen Maßnahmen genügen in der Regel und bringen die Beschwerden schnell zum Abklingen. Auf verschiedenen Internetseiten werden eine Vielzahl von „Mittelchen“ und Bandagen angeboten. Dabei werden etablierte Verfahren, neben vielen anderen Methoden, beschrieben und zum Teil nicht korrekt dargestellt. Der erfahrene Behandler kann helfen, für die meisten Patienten die richtige Behandlung einzuleiten. Bei Nichtansprechen der Basistherapie erweist sich die Stoßwellentherapie als hervorragende Alternative, die auch schon früh eingesetzt werden kann.

Die Wirksamkeit der „extrakorporalen Stoßwellentherapie“ (ESWT) konnte in zahlreichen Studien belegt werden. Laut „Igelmonitor“ (Infoseite „Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V.“ (MDS) www.igel-monitor.de ) wird die Stoßwelle als tendenziell positiv beschrieben. Nach Aussagen der Experten des medizinischen Dienstes geht es nach Einsatz von Schallwellen (Stoßwellen) mit hoher Energie eingesetzt, etwa jedem zweiten Patienten nach einigen Wochen besser. Das heißt, er hat deutlich weniger Schmerzen.

In der Praxis kann, nach gezielter Indikationsstellung, sogar eine weit höhere Besserungsrate erzielt werden. Die „Plantare Faszitis“ (mit und ohne Fersensporn) zählt seit langem als Standardindikation für die Therapie mit der fokussierten Stoßwelle. Diese Behandlung kann ambulant in der Praxis durchgeführt werden. Eine Röntgenbestrahlung ist aufgrund der Strahlenbelastung, ebenso wie eine Operation, nur im Ausnahmefall notwendig.

Hintergrund

Mit diesem ersten Text über den „Fersensporn“ startet eine neue Serie in „Fulda aktuell“. in regelmäßigen Abständen werden Mediziner aus der osthessischen Region die unterschiedlichsten Problemfälle aus den verschiedensten Fachgebieten beleuchten - sei es Orthopädie, HNO, Urologie oder auch Gynäkologie. Die Serie basiert auf einer Idee des Fuldaer Mediziners Dr. Wolfgang Zeckey, der auch diesen Startartikel verfasst hat (ortho-fulda.de) und „Fulda aktuell“-Redaktionsleiter Bertram Lenz.

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