"City Marketing Fulda": Starke Stimmen für die Stadt

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Beim Redaktionsgespräch: Reginald Bukel und Edi Leib vom „City Marketing Fulda“ (rechts) zusammen mit „Fulda aktuell“-Objektleiter Michael Schwabe (Mitte) und Redaktionsleiter Bertram Lenz.

"Fulda aktuell"-Redaktionsgespräch mit Reginald Bukel, Vorsitzender des "City Marketing Fulda", und Edi Leib

Fulda - Ist Fulda mit seinem vielschichtigen Mix aus Einzelhändlern, alteingesessenen familiengeführten Betrieben und Filialisten eine „Insel der Glückseligkeit“, um die Politik und Wirtschaft beneidet werden? Was hat es mit der so genannten „Frequenzmessung“ auf sich, die seit einigen Wochen läuft? Wie ist die Resonanz auf die Internetplattform „Spüre Fulda“? Und wie laufen die Vorbereitungen bezüglich Weihnachtsmarkt und Jubiläumsjahr? – Viele Fragen, für deren Beantwortung sich Edi Leib und Vorsitzender Reginald Bukel vom Verein „City Marketing Fulda“ im Redaktionsgespräch auf Einladung von „Fulda aktuell“ hinreichend Zeit nehmen.

Beginn in 1997

Der Verein war 1997 gegründet worden, als Reaktion einiger anliegender Händler, die sich dagegen gewehrt hatten, aus der Friedrichstraße eine Fußgängerzone zu machen. „Daraus hat sich dann dieser Zusammenschluss gebildet, dem heute 170 Mitglieder angehören“, betont Leib. 2011, als sie ihre Mitarbeit begann, seien es 96 gewesen. „Insgesamt stehen in unserer Kartei 400 Adressen von Geschäften“, ergänzt die 51-Jährige. In den letzten Jahren habe sich das „City Marketing“ mit Handel, Gastronomie und Dienstleistung sehr gut vernetzt, pflege mit der Hochschule einen guten Austausch, um auch die Studenten für die Innenstadt zu begeistern, initiiere regelmäßige Treffen mit den Mitgliedern und Workshops mit den Interessengemeinschaften – und sei im besten Wortsinne „sichtbarer“ geworden.

Ein Zusammenschluss wie das „City Marketing“ sei wichtig, um die Interessen der Unternehmen zu vertreten und Hilfestellungen zu bieten: „Es reicht heute nicht mehr aus, seinen Laden zu öffnen und zu denken, der Kunde werde schon kommen“, unterstreicht Leib, um zu einem weiteren Thema überzuleiten: der Leerstandsproblematik. Leib und Bukel machen keinen Hehl daraus, dass ihnen die Situation besonders in Karlstraße und Marktstraße Sorgen bereitet, was auch an den hohen Mieten liege. „Viele Häuser sind entweder im Besitz von Konsortien oder von Leuten, die gar nicht in Fulda wohnen. Das ist sehr schade“, bedauern die beiden „City Marketing“-Vertreter, begrüßen im Gegenzug aber auch, dass es bislang gelungen sei, die Ansiedlung so genannter ECE-Center in Fulda zu verhindern.

Der Vergleich mit anderen Städten zeige, dass im Umfeld dieser Center eine große Zahl an leerstehenden Geschäften zu verzeichnen sei. „Ich hoffe, dass es ein solches ECE-Center auch künftig in Fulda nicht geben wird“, betont der 44-jährige Bukel. Sollten diesbezüglich Pläne diskutiert werden, dann werde man sich „mit starker Stimme“ dagegen stellen und sein ganzes Gewicht in die Waagschale werfen. Den Dialog und die Zusammenarbeit mit den politisch Verantwortlichen im Stadtschloss bewerten beide als sehr gut und konstruktiv. Großes Entwicklungspotential sehen Leib und Bukel darin, massiv Großveranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt weit über die Region hinaus zu bewerben. Von vielen auswärtigen Besuchern höre man immer wieder, wie gepflegt und sauber die Stadt Fulda sei – da müsse der Hebel angesetzt werden, um aus den Tagesgästen „Wiederholungstäter“ zu machen.

Wann, wie lange, wie viele

Apropos Aufenthalt: Seit einiger Zeit gibt es in Geschäften der Innenstadt so genannte „Frequenzmesser“. Dieses Gerät, einem Modem nicht unähnlich, zeigt per WLAN auf, wann sich wie viele Menschen wie lange im Zentrum aufhalten. Leib: „Bislang sind 20 dieser Frequenzmesser an verschiedenen neuralgischen Punkten im Einsatz“. Ein Jahr lang würden die Daten in einem Pool zusammengetragen. Umgesetzt wird dies von der Firma „Ipster“ aus Steinau a.d. Straße, die auch in anderen Städten Frequenzen ermittelt.

Öffnungszeiten

Aus unter anderem dieser Maßnahme sollen Erkenntnisse gewonnen werden, wie die Innenstadt noch attraktiver gestaltet werden kann. Auf den Lorbeeren nämlich könne und wolle man sich nicht ausruhen. Gerade auch, um heiße Themen anzupacken wie einheitliche Öffnungszeiten oder um ein einheitliches Konzept für die Innenstadt zu finden. Um das Bestmögliche für Fulda zu erreichen, tauscht man sich mit den „City Marketing“-Vereinen anderer Städte aus: So wurde auch das Konzept des Würzburger „Super-Shopping-Friday“ in 2017 in Fulda mit großem Erfolg angewandt.

„Wir pflegen einen offenen Austausch“, so Leib. Denn die Händler in Fulda und anderswo hätten ein Ziel: „Sich gemeinsam stark machen für die jeweilige Stadt“. Dazu gehört auch, den Spagat zu schaffen zwischen dem stationären Handel und dem Internet. In der Barockstadt versucht man diesen Weg mit der Plattform „Spüre Fulda“, die von den Händlern relativ einfach umzusetzen ist, zumal bei einer Mitgliedschaft im „City Marketing“ keine Kosten entstehen. Dennoch würden sich Leib und Bukel – zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt – ein wenig mehr Engagement und Resonanz seitens der Einzelhändler wünschen. Zumal das Konzept von den Kunden sehr gut angenommen werde.

Oberstes Bestreben ist es, Menschen davon zu überzeugen, die Innenstadt häufig zu frequentieren. „Der Effekt des Wiederkommens muss sich einstellen“, betont Leib und verweist dabei auch auf die Verkaufsoffenen Sonntage, um gerade auch Familien ins Zentrum zu locken. Die Mischung müsse stimmen: Einkaufserlebnis, Unterhaltung und kulinarisches Sich-Gönnen. Bukel: „Mit dem Motto ,Tut etwas’ können wir uns gegen den Online-Handel wehren und zeigen, wie wichtig es ist, direkten greifbaren Kontakt zu den Produkten zu bekommen, für die man sich interessiert“.

Bliebe schließlich noch das Thema „Jubiläumsjahr 2019“: Hier will das „City Marketing“ einige neue Aktionen in der Innenstadt realisieren wie beispielsweise „Spiel mich – So klingt Fulda“. Außerdem solle das so genannte „Rote Sofa in der Stadt“ wiederholt werden.

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