Dippels Credo: Authentisch und immer nah am Bürger sein

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Redaktionsgespräch mit Dr. Wolfgang Dippel (rechts): "Fulda aktuell"-Objektleiter Michael Schwabe (Mitte) und Redaktionsleiter Bertram Lenz

"Fulda aktuell"-Redaktionsgespräch mit dem Politik-Aussteiger Dr. Wolfgang Dippel, einst Fuldaer Bürgermeister und Staatssekretär in Wiesbaden 

Fulda - Eineinhalb Jahre war der Entschluss alt, bis er ihn vor wenigen Wochen öffentlich machte: Für Dr. Wolfgang Dippel ist das politische Engagement Vergangenheit. „Das war es gewesen“, betont der 64-Jährige beim Gespräch mit „Fulda aktuell“. Er werde sich in politischen Fragen nicht mehr (öffentlich) äußern, 30 Jahre haupt- und ehrenamtlicher politischer Arbeit seien genug.

Gleichwohl spürt man den Stolz des CDU-Mannes darauf, dass Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier den Staatssekretär weiterhin gerne im Kabinett behalten hätte, zumal Dippel einer der ersten gewesen war, die vor sechs Jahren für eine Koalition zwischen CDU und Grünen auf Landesebene plädiert hatten. Und nicht enttäuscht wurden, denn beide Partner seien sehr verantwortungsbewusst miteinander umgegangen und hätten strittige Themen stets fair gelöst. Dadurch seien sogar freundschaftliche Bande geknüpft worden, verrät Dippel.

Knapp zwei Stunden lang dreht sich das Treffen (natürlich) um die Politik, aber auch um Gesellschaft und Sport. Und um die Auseinandersetzung um seinen Doktortitel. „Ein Punkt, der mich sehr getroffen hat“, wie er sagt und sich bei den „zwei bis drei Begleitern außerhalb der Politik“ bedankt: „Hätte ich die nicht gehabt, dann hätte ich die ganze Sache nicht so durchgestanden. Es war schon ein nicht ganz einfacher Kampf“.

Im Mai vergangenen Jahres hatte die 4. Kammer des Verwaltungsgerichts Kassel entschieden, dass Dippel seinen Doktortitel behalten darf. Der CDU-Politiker habe weder getäuscht noch ein Plagiat begangen. Dies habe eine umfassende juristische Prüfung ergeben. Mit der Aberkennung des Doktortitels habe es sich die Universität Kassel sehr leicht gemacht, fand die Vorsitzende Richterin deutliche Worte. „Auch das Vertrauen von Ministerpräsident Bouffier hat mich sehr gefreut“, unterstreicht Dippel, der – als erstmals der Verdacht eines möglichen Plagiats geäußert wurde – erst ein Vierteljahr in Wiesbaden tätig war.

Bevor er im Januar 2014 in der ersten hessischen CDU/Grünen-Regierung Staatssekretär im Ministerium für Soziales und Integration wurde, wirkte Dippel zehn Jahre lang als Bürgermeister in der Barockstadt: Fulda sei für ihn „in allen Bereichen ein Glücksfall“ gewesen. Und weiter: „Wir waren ein gutes Team damals, im hauptamtlichen Magistrat“, erinnert er sich. Dieses bestand aus Oberbürgermeister Gerhard Möller, Dippel und Stadtbaurätin Cornelia Zuschke. Sein Ansatz habe immer darin bestanden, Politik für den Menschen zu machen und ganz nah an den Bürgern zu sein. „Sie müssen zuhören, ihr Gegenüber ernst nehmen, dessen Anliegen bewerten und eine Antwort geben“, lautet noch immer sein Credo.

Dass er damit richtig gelegen habe, werde ihm bewusst, wenn er noch heute bei Begegnungen in der Stadt erfahre, wie viel Wertschätzung man ihm entgegenbringe. „Das ist schön“, urteilt der in Warburg/Westfalen Geborene, der einst über den zweiten Bildungsweg seine Karriere begann. „Und das mit Hauptschulabschluss“, wie er sagt.

Authentizität sei gerade als Politiker enorm wichtig, wenn man bei den Bürgern ankommen und akzeptiert werden wolle. Denn vieles habe sich im Verhalten des Wählers geändert, dieser sei Ich-bezogener, aufgeklärter und differenzierter geworden. Die Folgen seien unter anderem die Zersplitterung des Parteiensystems und eine gespaltene Gesellschaft.

Auch zur AfD hat Dippel eine klare Meinung: „Zunächst einmal, diese Partei ist nicht verboten, viele ihrer Vertreter sitzen in den Parlamenten. Aber genau dort kann man sie und ihre Ideologie stellen und sich damit auseinandersetzen“. Um doch noch einmal auf das Politische zurückzukommen, das Dippel künftig aus seinem Leben streichen will: Bislang habe er für sich festgestellt, dass ihm dieses Element nicht fehle.

Konzentrieren wolle er sich unter anderem auf den Sport, und hier auf die „SG Barockstadt Fulda-Lehnerz“, in deren Beirat er sitzt und der er eine starke Rückrunde zutraut – stets ein höherklassiges Ziel im Auge.

Ferner eine Honorartätigkeit an der Hochschule Fulda im Fachbereich Sozialwesen. Auf wissenschaftlicher Ebene wolle er gemeinsam mit den Studierenden das Verhältnis zwischen „Politik und Beruf“ hinterfragen. Denn Dippel hat, dies zum Hintergrund, nach einem Besuch der Fachhochschule Wirtschaft/Verwaltung in 1982/1983 anschließend von 1983 bis 1989 an der Gesamthochschule Kassel Sozialwesen, politische Wissenschaften und Erziehungswissenschaften studiert und einen Abschluss als Diplom-Sozialarbeiter und Magister Artium.

Dann werde er noch gemeinsam mit seinem Sohn sein „stillgelegtes“ Beratungsunternehmen aktivieren und Firmen unter anderem in strategischen Fragen unterstützen. Beispielsweise dann, wenn es darum gehe, „weiche Faktoren“ wie Familie und Freizeit mit dem beruflichen Alltag in Einklang bringen zu können. Sein abschließendes Credo: „Ich will der Region etwas davon zurückgeben, was sie mir gegeben hat“.

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