Kommentar: Endlich Klarheit nach tödlichen Schüssen auf Afghanen 

"Fulda aktuell"-Redaktionsleiter Bertram Lenz zum Abschlussbericht "Tödliche Polizeischüsse auf  jungen Afghanen" in Fulda

Fulda - Zehn Monate sind nach den tödlichen Schüssen auf einen jungen Afghanen in der Fuldaer Fleming-straße vergangen. Am Dienstag hat die Staatsanwaltschaft Fulda erklärt, dass es kein Verfahren gegen den Polizeibeamten geben werde, weil dieser aus einer Notwehrsituation heraus gehandelt habe. Dies bedeutet im Endeffekt, dass die Untersuchungen unter Federführung des Hessischen Kriminalamtes (LKA) keinen hinreichenden Verdacht ergeben haben, der strafrechtlich relevant werden könnte.

Die lange Zeit, die seit dem tragischen Geschehen vergangen ist, mögen manche als unverständlich empfinden, als Zumutung für die Beteiligten. Und doch ist sie nötig gewesen, um Klarheit zu schaffen und die mitunter abenteuerlichen Spekulationen zu beenden.

Denn unvergessen ist, wie nach den Geschehnissen vom April 2018 die einzelnen Positionen aufeinanderprallten, schier unversöhnlich im Ton und dazu angetan, dem durchaus fragilen Gebilde des Miteinanders von Einheimischen und Flüchtlingen einen Knacks zu versetzen. Zumal das Ereignis, das weit über die osthessische Region hinaus für Aufsehen gesorgt hatte, auch durch die unbedachten Sätze des Vorsitzenden des Fuldaer Ausländerbeirates, Abdulkerim Demir, sehr schnell eine politische Komponente bekam.

Die offiziellen Ausführungen der Staatsanwaltschaft vom Dienstag haben nicht jedem gefallen und besonders im familiären und freundschaftlichen Umkreis des 19-Jährigen erneut für Frustration und Wut gesorgt. Und Unverständnis hervorgerufen, das sich abermals an der Frage entzündet, warum es zwölf Schüsse bedurfte, um den jungen Mann zu stoppen und ob es nicht eine andere Möglichkeit gegeben hätte. Beispielsweise Pfefferspray.

Indes, und da sollten sich alle klar darüber sein – die Behörden haben es sich bei der Aufklärung nicht leicht gemacht. Zumal es diverse rechte Gruppierungen nicht unterlassen konnten, aus dem Vorfall ihr braunes Süppchen zu kochen, um daraus politisches Kapital zu schlagen und auf Wählerfang zu gehen. Dies unter dem Deckmantel, sich mit der Polizei solidarisch zeigen zu wollen.

In dieses Bild passen auch Stellungnahmen in Sozialen Medien. Kaum waren Details durchgesickert, sonderten die üblichen Verdächtigen ihre dumpfe Abneigung gegen Flüchtlinge in bösartigen, beleidigenden und Menschen verachtenden Sätzen ab und riefen sogar zur Gewalt auf.

Eines sollte bei alledem nicht außer Acht gelassen werden: der Polizeibeamte, dessen Person und Handeln seit jenem schicksalhaften frühen Freitagmorgen in die Öffentlichkeit gezerrt und dort mitunter fahrlässig breit getreten worden ist. Und in dessen Haut sicher niemand von uns hätte stecken wollen. Er ist, das haben die Ermittlungen festgestellt, von Schuld freizusprechen. Das sind die Vorzüge unseres Rechtsstaates; egal, ob es dem einen oder anderen nun gefällt oder nicht.

Mehr zum Thema: Erschossener Afghane: Staatsanwaltschaft Fulda stellt Ermittlungen gegen Polizeibeamten ein

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