Ernüchternde Erkenntnisse: Betrunken hinter dem Lenkrad

Klartext: Fulda aktuell-Redaktionsleiter Bertram Lenz zu Alkoholkontrollen bei Lkw-Fahrern

Wir alle kennen das mitunter beklemmende Gefühl, wenn wir auf der Autobahn unterwegs sind und mit Lkw-Fahrern konfrontiert werden, die sich einen Jux zu machen scheinen und sich im Elefantenrennen messen. Als Pkw-Fahrer meint man dann des Öfteren, den schier gigantischen Lastzügen beziehungsweise deren Lenkern hilflos ausgeliefert zu sein. Seit dem vergangenen Wochenende ist dieses (subjektive) Empfinden um einen Aspekt erweitert worden, der einem Angst und Schrecken einjagt.

Denn in einer spektakulären Aktion hatten 250 Beamte des Polizeipräsidiums Osthessen, die durch Einsatzkräfte der Hessischen Bereitschaftspolizei unterstützt wurden, an den Rastanlagen entlang von A5 und A7 „präventive Abfahrtskontrollen durchgeführt. Mit dem – um im Bild zu bleiben – ernüchternden Ergebnis, dass 190 Fahrer Alkohol getrunken hatten. Darunter 79 Berufskraftfahrer sogar so viel, dass sie nicht weiterfahren durften.

Bestätigt fühlen dürfen sich nun leider auch jene, die sowieso davon ausgehen, dass es vor allem Osteuropäer sind, die mit „rollenden Zeitbomben“ unsere Autobahnen unsicher machen. Denn: „Mit vielen Fahrern galt es, sich mit Händen und Füßen verständig zu machen, da der Großteil der Kontrollierten der deutschen Sprache nicht mächtig war“, heißt es in dem Polizeibericht zur oben genannten Aktion. Tatsächlich waren es vor allem Trucker aus Rumänien, Polen, Lettland und Bulgarien, die mit teils sehr hohen Atemalkoholwerten aufgefallen waren.

Ein Grund, der das Verhalten nicht entschuldigen, vielleicht aber ein wenig erklärbarer machen kann, ist jener, dass ihre Kollegen aus Deutschland in der Regel das Wochenende nicht auf Rastplätzen verbringen müssen, sondern zu Hause sein können. Nun brachial den Stab über diese Menschen zu brechen, die oft stundenlang unterwegs sein müssen, um über den Job ihre Familie ernähren zu können, wäre das falsche Signal. Vielmehr sollte man den Rat von Martin Bulheller beherzigen: Der Sprecher des „Bundesverbandes Güterverkehr, Logistik und Entsorgung“ (BGL) hat davor gewarnt, das Problem sei nicht in den Griff zu kriegen, wenn das Nomadentum in der Fahrerbranche nicht beendet werden könnte. In Deutschland werde nahezu jeder zweite Kilometer im Fernverkehr von einem ausländischen Trucker zurückgelegt. Und das oftmals zu Löhnen, die jeder Beschreibung spotten.

Eine andere Möglichkeit könnte der europaweit verpflichtende Einbau von Alkolocks für Berufskraftfahrer sein. Diese verhindern durch Messungen der Atemluft des Lkw-Lenkers ein Losfahren in betrunkenem Zustand. Unternehmen sollten vielleicht durch finanzielle Anreize dazu überredet worden, solche Systeme freiwillig in ihren Lastkraftwagen zu installieren.

Bliebe schließlich noch der (lange und steinige) Weg der Aufklärung: Den Lkw-Fahrern muss klar gemacht werden, dass sie unter Alkoholeinfluss ein hohes Risiko eingehen – für sich selbst und viele andere.

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